Elektro-Industrie

In Zukunft hört das Navi mit!


Delphi Automotive arbeitet daran, dass uns der Bordcomputer den Wunsch von den Lippen abliest

Bad Salzdetfurth. Ein junges Pärchen fährt über eine holprige Landstraße – und plötzlich wird es der Dame, nach stundenlangem Zuhören auf dem Beifahrersitz, zu textlastig. „Liebling“, informiert sie ihren redegewandten Begleiter über ihre aktuelle

Vorstellung zur Freizeitgestaltung: „Ich will nach Hildesheim ins Kino!“ Wie sich die Zeiten ändern! Vor einem guten halben Jahrhundert hätte der so Angesprochene wohl ratlos im Handschuhfach gestöbert, auf der Suche nach dem Hinweis auf ein Lichtspieltheater. In Zukunft hört das Navi mit. Es blendet prompt die Adresse des Thega Filmpalastes Hildesheim ein. Mit Anfahrtsweg und aktuellem Programm!

Integriertes Internet

Zukunftsmusik? Noch – aber die Entwickler von Delphi Automotive in Bad Salzdetfurth arbeiten daran, das real werden zu lassen. Die Diplom-Ingenieure Roland Hollemann und Olaf Donner sind dafür zuständig, Trends im Bereich „Navigationsgeräte“ aufzuspüren und die neuen Kundenwünsche in Produkte umzusetzen.

Es zeichnet sich ab: Der Spracherkennung gehört die Zukunft, denn es macht das Fahren sicherer. Und: Aus dem einfachen Navigations-gerät wird eine Infotainment-Plattform, die mit dem Internet verbunden ist.

Nicht weniger als 179 Entwickler machen sich bei Delphi in Bad Salzdetfurth darüber Gedanken. Die Endgeräte selbst werden in ausländischen Fabriken gebaut. Aber weitere 340 Mitarbeiter am Standort arbeiten in der Produktion sowie in administrativen Bereichen: Sie stellen vor allem integrierte Empfangssysteme her – hoch intelligente Antennen, die an mehreren Punkten im Auto eingebaut werden. 750.000 gehen monatlich vom Band.

Delphi hat eine schwierige Zeit hinter sich. Die amerikanische Mutter, einer der größten Autozulieferer der Welt, schlidderte in der letzten Finanz- und Wirtschaftskrise in die Insolvenz – darunter hatten auch die europäischen Töchter zu leiden. Es fehlte an Liquidität, um den Auftragseinbruch zu kompensieren. „Doch inzwischen sind wir auf gutem Weg“, berichtet Standortleiter Andreas Teuner.

Der Wettbewerb macht Druck

Alle namhaften Autobauer sind Kunden. Die Fahrer etwa eines BMW, Audi, VW, Ford, Volvo oder Fiat wissen oft nicht, dass ihr Gerät von Delphi kommt.

Die Bad Salzdetfurther spüren den Wettbewerbsdruck nicht nur von den großen anderen Anbietern, sondern auch von den ausländischen Schwesterwerken.

Teuner: „Unsere Kunden erwarten von uns, dass wir wissen, was der Autofahrer in China, Korea, USA oder Japan im Auto hören möchte.“

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