Standort wird neu aufgerollt

In seinem Werk in Brandenburg setzt der Chemiekonzern BASF zunehmend auf Spezialitäten

Schwarzheide. In rascher Folge sausen dünne Styrodur-Platten über die Produktionslinien in der riesigen Halle. Hunderte fertigt die BASF in Schwarzheide pro Schicht, rund um die Uhr. Die Leichtgewichte aus Brandenburg sind seit 50 Jahren am Bau gefragt. Denn sie dämmen Häuser gegen Kälte und Feuchtigkeit.

Für die Produktion dicker Styrodur-Platten hat die Firma eine neue Fertigungsstraße gebaut. Ein Team fährt die Linie mit patentierter Technologie gerade ein.

Damit hält wieder einmal Neues in der Lausitz Einzug. „Schwarzheide wird innerhalb der BASF-Gruppe mehr und mehr zu einem Standort der Spezialitätenchemie“, berichtet Karl Heinz Tebel, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Das ist die Zukunft.“ Im Industriegelände arbeiten mehr als 1.700 Mitarbeiter der BASF Schwarzheide GmbH. Noch einmal 1.700 Beschäftigte arbeiten für andere BASF-Gesellschaften und weitere Firmen.

Mit der neuen Styrodur-Technologie lassen sich bis zu 240 Millimeter starke Platten fertigen, indem dünnere Exemplare miteinander verschweißt werden. So kann man rascher produzieren.

Eine andere Spezialität der Lausitzer ist der Pflanzenschutzwirkstoff F 500. Für mehr als 150 Millionen Euro ging letztes Jahr eine dritte Linie in Betrieb. Die Fertigung von TDI, einem Rohstoff für den Kunststoff Polyurethan, dagegen wird hier 2016 eingestellt. Dann startet in Ludwigshafen eine Großanlage für TDI.

Standort-Chef Tebel sieht den Wandel nüchtern: „Wir können die Chancen durch die Veränderungen für uns nutzen – indem wir uns auf die Herstellung maßgeschneiderter Produkte und funktionaler Materialien ausrichten.“

Schon jetzt fertigt BASF Schwarzheide auch Wasserbasislacke, Lackrohstoffe, technische Kunststoffe und Schaumstoffe. Sowie ein Granulat, aus dem die neu angesiedelte Firma proseat seit diesem Jahr Schaumstoff-Teile für Autositze herstellt.

Schwarzheide gewinnt zudem an Bedeutung als Knotenpunkt für den Güteraustausch zwischen Ost- und Westeuropa: Die Chemielogistik-Firma Bertschi hat ihren Straße-Schiene-Terminal um einen großen Portalkran erweitert und die Umschlagkapazität verdoppelt; 12 Millionen Euro wurden investiert.

Allein die BASF hat in Schwarzheide 2014 wieder über 1 Milliarde Euro umgesetzt. „Ein erfolgreiches Geschäftsjahr“, sagt Tebel. „Wenn wir die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkennen und vorausschauend agieren, meistern wir jede Herausforderung.“


Schon gewusst?

Leichtgewicht: Der Dämmstoff Styrodur. Foto: Sturm
Leichtgewicht: Der Dämmstoff Styrodur. Foto: Sturm

Wie Styrodur entsteht

  • Der Dämmstoff Styrodur ist ein geschäumter und unverrottbarer Kunststoff.
  • Ausgangsstoff für die Herstellung ist ein Granulat. Das wird in einem Extruder geschmolzen und mit Treibmittel vermengt. Die Masse wird vom Extruder zu einem Endlosband gepresst, das sich nun aufbläht.
  • Abgekühlt wird das Styrodur zu Platten geschnitten. Die werden noch einige Tage gelagert, damit letzte Reste des (ökologisch unbedenklichen) Treibmittels entweichen können.

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