Wo das Leuchten herkommt

In einem thüringischen Dorf produziert Breitungen raffinierte Materialien – etwa für LEDs

Breitungen. Der Frühlingstag meint es gut mit dem größten Dorf im Werratal: Hell strahlt die Sonne am blauen Himmel. Doch Silke Popp bekommt davon kaum etwas mit. Im Labor des Leuchtstoffwerks Breitungen interessiert sich die Chemielaborantin vielmehr für die Pink-, Gelb- und Weißtöne auf ihrer Farbpalette, die sie mit Speziallampen anstrahlt: „So testen wir den optischen Eindruck neu entwickelter Leuchtstoffe.“

Diese Materialien sind die Spezialität des Leuchtstoffwerks und seiner 67 Mitarbeiter. Die hier produzierten Stoffe tun in LED-Lämpchen, Leuchtstoffröhren, medizinischen Apparaten, Bildschirmen und in fälschungssicheren Wertpapieren rund um den Globus ihren Dienst.

Angesichts des rasanten Wandels auf dem Leuchtstoff-Markt ist Forschung für das Unternehmen extrem wichtig. Jüngst erst punktete es mit einer Neuheit: einem Leuchtstoff, der in Form kleiner Keramik-Blättchen hergestellt wird und nicht wie üblich als Pulver. „Das erleichtert die Verarbeitung in LEDs enorm“, sagt der Forschungschef Sven Rösler, ein Chemiker.

Mit Diamantsägen schneidet man aus den Keramik-Blättchen winzige Rechtecke aus – die dann auf der Leuchtdiode befestigt werden. „Im Vergleich zum Pulver spart das Zeit, Aufwand und Geld“, betont Rösler. Zusammen mit Experten des Fraunhofer-Instituts für keramische Technologien und Systeme im 130 Kilometer östlich gelegenen Hermsdorf hat Rösler die Keramik entwickelt. Das Projekt wurde vom Land Thüringen gefördert.

„Leuchtstoffe stellt man aus Mineralien wie etwa Zinkoxid, Zinksulfid oder einem Gemisch verschiedenster Stoffe her“, erklärt der Forschungschef. Wenn sie durch Licht oder Strom Energie aufnehmen, lumineszieren, also leuchten sie. „Die Kunst ist es, für jede Anwendung die richtige Mischung zu finden.“

In den vergangenen Jahren wurde die Erfolgsgeschichte der LEDs auch eine des Leuchtstoffwerks Breitungen, wie Geschäftsführer Hans-Jürgen Limburg berichtet: Seit 2007 produzieren die Thüringer die LED-Leuchtstoffe in großem Umfang. Seitdem wächst der Umsatz im Schnitt um 7 Prozent im Jahr. In diesem Jahr soll er die 10-Millionen-Marke erreichen. Schwarze Zahlen schreibt der Mittelständler ohnehin.

Dafür ist hohe Flexibilität gefordert. „Denn Leuchtstoffe werden oft in kleineren Mengen benötigt und sind vorwiegend ein Zurufgeschäft“, erklärt Limburg: „Es ist mitunter eine Herausforderung, eine neue Bestellung in die Produktion einzutakten. Aber wir liefern pünktlich, ob fünf Gramm oder mehrere Tonnen!“

Erfolg macht attraktiv. Deshalb übernahm im Jahr 2012 die österreichische Treibacher-Gruppe den Mittelständler. Und sorgt seitdem für Investitionen und neue Aufträge in Thüringen. Zuletzt Anfang März: „Wir übernehmen Aufträge und Anlagen einer US-Firma und werden damit in diesem Jahr bei uns eine Produktion von Leuchtstoffen für Solarien aufbauen“, sagt der Geschäftsführer.

Die ersten Mitarbeiter sind schon eingestellt. Bis 2018 soll die Belegschaft von 67 auf 86 Mitarbeiter wachsen.


Schon Gewusst?

In der Produktion: Steffen Rienecker stellt einen Ansatz zum Glühen in einen Ofen. Foto: Sturm
In der Produktion: Steffen Rienecker stellt einen Ansatz zum Glühen in einen Ofen. Foto: Sturm

Warum Leuchtstoff so strahlt

  • Leuchtstoffe gibt es in nahezu allen Farbtönen. Sie bestehen aus hochreinen mineralischen Stoffen oder deren Mischungen.
  • Glüht man die bei über 1.100 Grad, entstehen Pulver mit sehr reinem Kristallgitter.
  • Diese Kristallgitter werden gezielt verunreinigt: mit Fremdatomen, die von außen kommende Energie aufnehmen und dann als Licht einer bestimmten Farbe abstrahlen.

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