Nicht von Pappe

In der Wellkistenfabrik Fritz Peters zählt jede Sekunde

Moers. Geschickt beugt Sebastian Galun sich vor, schnappt einen Wellpappe-Bogen aus der laufenden Produktion – zur Qualitätskontrolle. Fix verlässt der junge Packmitteltechnologe dann wieder die Anlage, um das Produkt zu begutachten. Schnelligkeit ist Trumpf – und das gilt hier generell, in der Wellkistenfabrik Fritz Peters in Moers am Niederrhein.

Alle Prozesse sind fein aufeinander abgestimmt. So stellt zum Beispiel die Schneidemaschine der Wellpappenanlage im Bruchteil einer Sekunde von einem Auftrag auf den nächsten um, verändert so das Format der Bogen, je nach Kundenwunsch. „Wir punkten mit Geschwindigkeit, Flexibilität, Qualität und kompetenter Beratung: Deshalb sind wir gerade auch bei kleineren Auflagen wettbewerbsfähig“, sagt Geschäftsführer Winfried Flemmer.

Seit der Gründung vor mehr als 75 Jahren hat sich die Firma – bis heute im Familienbesitz – auf die Entwicklung und Herstellung von Transport- und Verkaufsverpackungen spezialisiert. Aktuell beschäftigt sie über 130 Mitarbeiter, die 2014 mehr als 63 Millionen Quadratmeter Wellpappe produzierten. Ein Rekord in der Firmengeschichte – und das trotz Umbaumaßnahmen bei laufender Produktion!

Denn im Vorjahr starteten die Niederrheiner ein Investitionsprogramm: Insgesamt 9 Millionen Euro werden für die Zukunft des Standorts ausgegeben. „Wir wollen weiter modernisieren und die Gesamtkapazität um 40 Prozent erhöhen“, so der Geschäftsführer.

Kunden wollen Farbe, Lack und Glanzeffekte

Ausgangspunkt der Produktion ist natürlich auch hier die Wellpappenanlage, die die „braune Ware“ (so der Fachjargon) in endlosen Bahnen ausspuckt. Die werden im nächsten Schritt vollautomatisch zu Bögen geschnitten, dann aufgestapelt. Mit einem modernen Flurfördersystem geht es dann weiter: entweder ins Zwischenlager oder direkt zur Weiterverarbeitung.

Der überwiegende Teil der Kunden, die aus allen möglichen Branchen kommen, ordert vorrangig klassische braune Ware für den sicheren Transport. „Aber immer mehr fragen nach hochwertigeren Aufdrucken, nach Lackierungen und Glanzeffekten – und da wollen wir mithalten“, erläutert Flemmer. Deshalb stehen zwei neue Fertigungslinien im Mittelpunkt des Investitionsprogramms.

Das neue Prunkstück ist eine rund 60 Meter lange Fünf-Farben-Druckmaschine mit Rotationsstanze, die vor kurzem in Betrieb ging. „Sie vereint höchste Druck- und Stanzqualität mit perfekter Stapelbildung bei hohen Geschwindigkeiten und kurzen Rüstzeiten“, schwärmt Betriebsleiter Jakob Koch.

Und nennt weitere beeindruckende Details: Farbwerke mit integrierter Infrarot-Trocknung, die Farbbrillanz bei gestrichenen Papieren und Lackierungen garantieren, automatische Bogenreinigung, integrierte Kontrollsysteme – und so fort.

Schon im März soll eine brandneue Faltschachtelklebemaschine aufgebaut werden, die die Kisten an sechs Punkten gleichzeitig verkleben kann – ebenfalls bei hohen Laufgeschwindigkeiten und kurzen Rüstzeiten.

Um den für die neuen Linien notwendigen Platz zu schaffen, war zuvor eine neue Logistikhalle angebaut worden. Die bietet auch viel Raum für fertige Ware.

Trotz Automatisierung entstanden hier zusätzliche Stellen

Das groß angelegte Modernisierungsprogramm kommt bei den Mitarbeitern gut an: „Es hat sich ja viel getan in unserer Branche“, sagt zum Beispiel Maschinenführer Franz Schicho, der schon seit mehr als 40 Jahren im Betrieb ist, „deshalb sind diese Investitionen optimal für den Betrieb und für unsere Arbeitsplätze.“

Schicho wird übrigens, wie alle Kollegen, mit Leistungsprämien am Erfolg beteiligt. Und trotz des hohen Automatisierungsgrades sind hier zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden, dank des steigenden Umsatzes.

2015 sollen fünf weitere Stellen dazu kommen: „Unsere wichtigste Quelle für neue Mitarbeiter ist die eigene Ausbildung“, sagt Betriebsleiter Koch. „In der Regel übernehmen wir alle Azubis nach erfolgreicher Prüfung.“

Aktuell bildet die Wellkistenfabrik Fritz Peters sechs Packmitteltechnologen (früher Verpackungsmittelmechaniker) sowie drei Industriekaufleute aus. „Sind sie gut und engagiert, stehen ihnen hier alle Wege offen“, betont Koch. Nicht zuletzt, weil das Unternehmen seine Mitarbeiter bei der Weiterbildung unterstützt – wenn sie zum Beispiel den Techniker oder Meister machen wollen.

Die Peters-Gruppe

Seit Generationen im Familienbesitz

  • Die Wellkistenfabrik Fritz Peters, 1938 gegründet, ist die Keimzelle der heutigen Peters-Gruppe (insgesamt 450 Beschäftigte).
  • Inzwischen gehören sieben weitere Firmen zur Gruppe, darunter sind Verpackungsspezialisten, aber auch ein Recycling-Betrieb. Jedes Unternehmen arbeitet eigenständig am Markt.
  • Die Geschwister Angela und Roman Peters, Enkel des Firmengründers, leiten die Gruppe seit 2008.

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