Gute Chancen für Frauen

In der Metall- und Elektro-Industrie verdienen weibliche Mitarbeiter genauso viel wie ihre männlichen Kollegen


Achstetten. Sie war die Erste: Im Jahr 1980 begann Martina Miller ihre Ausbildung als Werkzeugmacherin bei dem Metallbearbeiter Erwin Halder in Achstetten bei Ulm. „Eine Frau im Blaumann, das war damals für viele Vorgesetzte noch gewöhnungsbedürftig“, sagt die 50-jährige Facharbeiterin. Dennoch sei sie im Betrieb immer genauso behandelt worden wie die männlichen Kollegen.

Auch bei der Bezahlung sind Frauen in der Metall- und Elektro-Industrie männlichen Mitarbeitern gleichgestellt. Seit 2003 regelt das der Tarifvertrag über das Entgeltrahmenabkommen (ERA).

Doch generell ist das in Deutschland bisher nicht selbstverständlich. Die sogenannte Lohnlücke zwischen Männern und Frauen beträgt nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts 22 Prozent. Der wichtigste Grund dafür ist allerdings in der Berufswahl von jungen Frauen zu suchen: „Mädchen orientieren sich immer noch zu stark an typischen Frauenberufen“, meint dazu Facharbeiterin Miller.

Zu den am häufigsten gewählten Berufen gehören bis heute Verkäuferin, Bürokauffrau oder Friseurin, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn regelmäßig ermittelt. In diesen Berufen kann man aber nicht so gut verdienen wie nach einer gewerblich-technischen Ausbildung. Zum Vergleich: Während ein Mitarbeiter in der Metall- und Elektrobranche bei angelernter Tätigkeit mit einem Jahreseinkommen von über 32.000 Euro rechnen kann, beträgt das Durchschnittsgehalt einer Friseurin etwa 17.000 Euro.

20 Prozent Frauenanteil in der Branche

Dennoch sind Frauen mit einem Anteil von 20 Prozent noch immer eine Minderheit in der Branche. Stefan Halder, Geschäftsführer und Eigentümer des Unternehmens, das rund 200 Mitarbeiter beschäftigt, bedauert das: „Wir wünschen uns mehr Bewerbungen von Frauen.“

Im ERA-Tarifvertrag haben sich die Tarifparteien darauf geeinigt, dass ausschließlich die Art der Tätigkeit bewertet wird, unabhängig von Geschlecht, Alter und Berufserfahrung eines Mitarbeiters. Davon profitieren auch Quereinsteigerinnen wie Denise Bär (26). Die gelernte Sozialversicherungsfachangestellte hatte von ihrem Beruf genug, fing vor drei Jahren bei Erwin Halder an und arbeitete sich nach oben. Seit kurzem steuert sie selbstständig die Prozesse an einer Fertigungsinsel, wo Verbindungsteile für die Luftfahrt-Industrie bearbeitet werden. „Bei dieser Tätigkeit ist extreme Sorgfalt geboten. Frau Bär war geeignet dafür, und sie hat es sich zugetraut. Wir machen keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen“, sagt Firmenchef Halder.

Sie wird so gut bezahlt wie ein männ­licher Facharbeiter, wenn dieser die Aufgabe übernommen hätte.

„Ich fühle mich hier ausgefüllt und verdiene besser als in meinem alten Beruf“, sagt Bär. Auch die 16-jährige Lisa Werz ist zufrieden mit ihrer Wahl. Sie hat im September als Auszubildende zur Fachkraft für Lagerlogistik angefangen. Schon heute ist ihre Ausbildungsvergütung mit fast 900 Euro monatlich etwa doppelt so hoch wie die eines Azubis im Friseurberuf.

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