Künftig noch mehr draufhaben

In der digitalen Welt von Lapp-Kabel lernen die Azubis anders

Stuttgart/Ludwigsburg. In Maschinen, Aufzügen und Gebäuden weltweit sind die Leitungen des Unternehmens Lapp verbaut. Rund 2.000 verschiedene Produkte werden im Kabelwerk in Stuttgart-Vaihingen hergestellt.

Hier steht Michal Marcisz (28) an einer Produktionslinie und tippt am Bildschirm die Prozess-Parameter ein, damit bei jedem Kabel die Kupferleiter mit dem richtigen Kunststoffgemisch ummantelt werden: Temperatur und Druck des geschmolzenen Kunststoffs, die Stromaufnahme der Heizelemente und die Kraft, mit der die Kupferdrähte durch die Anlage gezogen werden.

Berufe werden anspruchsvoller

„Ich bin froh, einen Job zu haben, der mich fordert“, sagt der junge Mann aus Polen. Er hat seine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer vor einem Jahr abgeschlossen. Der Umgang mit elektronischen Steuerungen gehörte von Anfang an zum Programm.

„Dieser Beruf ist heute viel anspruchsvoller als noch vor ein paar Jahren“, erklärt Thilo Lindner, Ausbildungsleiter bei Lapp. Weil sich die Digitalisierung der Produktion auch bei Lapp immer weiter entwickelt, macht man sich hier Gedanken über die Ausbildung der Facharbeiter von morgen.

Automatisierung auf hohem Niveau. Doch die menschenleere Fabrik ist kein Ziel und auch nicht möglich

Was heute schon möglich ist, zeigt ein Rundgang im nahen Logistikzentrum in Ludwigsburg. Hier saust gerade eine Kabeltrommmel vorbei, eine von 74.000, die das Hochregal-Lager fassen kann. Das fahrerlose Transportsystem bringt sie vom Regal zu den Maschinen, wo die Kabel zugeschnitten werden. In den drei Hallen auf 30.000 Quadratmetern läuft fast alles automatisch: kommt ein Auftrag an, wird er per PC ans Hochregal geschickt. Regalbediengeräte suchen das gewünschte Produkt über einen QR-Code. Dennoch: „Die menschenleere Fabrik ist nicht möglich und auch nicht unser Ziel. Das Wissen unserer Mitarbeiter ist uns sehr wichtig“, so Lindner. „Wir vermitteln deshalb schon heute spezielles Industrie-4.0-Wissen, das im Berufsbildungsplan noch nicht vorgesehen ist.“

Für die Maschinen- und Anlagenführer kommen zu den klassischen Kenntnissen wie Metall- und Kunststofftechnik oder Produktionsplanng neue Inhalte dazu. Das sind unter anderem Grundlagen von elektrischen Schaltungen und in der elektronischen Steuerung von Anlagen. Außerdem lernt der Maschinenführer, wie man Prüfergebnisse auswertet und so Verbesserungen vorschlagen und umsetzen kann.

Die Mitarbeiter bleiben auch in Zukunft Dreh- und Angelpunkt in der Industrie. Bernd Dworschak vom Institut für Arbeitswissenschaft und Organisation am Fraunhofer IAO bestätigt das: „Bei der vernetzten Fertigung werden riesige Datenmengen produziert. Um diese richtig zu nutzen, brauchen die Betriebe Mitarbeiter mit den entsprechenden Kenntnissen.“

Das betrifft auch künftige Mechatroniker wie Kerstin Götz (17). Zusätzlich zu Schwerpunkten wie Elektro- und Produktionstechnik lernt sie, wie die Daten aller Anlagen digitalisiert und ausgewertet werden oder wie sie alte Anlagen mit digitaler Technik ausstattet.

Neben der fachlichen Ausbildung machen die Azubis Erfahrungen bei sozialen Einsätzen etwa im Obdachlosenheim. Das stärkt die Sozialkompetenz, und die wird wichtiger. Lindner: „Der Azubi 4.0 muss nicht nur mehr draufhaben, er muss sein Wissen auch mit anderen teilen können.“


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