Spaßbäder

Immer wildere Wasserrutschen – AKTIV war beim deutschen Marktführer Josef Wiegand

Rasdorf. Dazu gehört Mut: Wer in diese rote, rechtwinklige Wanne steigt, wird zur Kanonenkugel – und vom Wasserstrahl zehn Meter ins Schwimmbecken katapultiert!

Solche Spaßbringer werden immer abgefahrener. „Gefragt sind hohe Startpunkte, steile Gefälle, enge Kurven“, berichtet Julian Tschech aus dem rheinischen Velbert, der in Mitteleuropa schon 700 Wasserrutschen getestet hat und sie auf der Website tuberides.de per Video präsentiert. „Mit einem Wort: Es geht um Adrenalin pur.“

Vier von zehn Wasserrutschen, die in Deutschland verkauft werden, kommen vom Marktführer Wiegand Maelzer und werden in den Werken der Josef Wiegand GmbH & Co. KG produziert. Dass man da als Badegast bedenkenlos hindurchbrettern kann, dafür sorgen zum Beispiel Ronny Pfaff und Philipp Dressler – in einer großen, hellen Halle am Rand der 1.600-Seelen-Gemeinde Rasdorf in Osthessen.

Die beiden Wiegand-Mitarbeiter schweißen gerade – der eine von ihnen eine Rinne, der andere eine Röhre. „Die Nahtstellen müssen extrem glatt sein“, erklärt Pfaff. „Und besonders fest – denn es darf auf keinen Fall zu einem Bruch kommen, auch nach Jahrzehnten nicht.“

Der Firmenchef zieht zum Test auch selbst die Badehose an

1981 ist das Unternehmen in dieses feucht-fröhliche Geschäft eingestiegen. Inzwischen macht es von 25 Millionen Euro Jahresumsatz die Hälfte mit Wasserrutschen (und die andere Hälfte unter anderem mit Sommerrodelbahnen und Transportsystemen). „Gut 50 Wasserrutschen verkaufen wir pro Jahr“, berichtet Hendrik Wiegand, der das Familienunternehmen in zweiter Generation führt. „Neben Produkten aus Edelstahl bieten wir auch viele Attraktionen aus glasfaserverstärktem Kunststoff.“

Seit 2009 wuchs die Belegschaft von 170 auf 220 Mitarbeiter. Das Erfolgsrezept? „Immer neue Produkte anbieten. Stets einen Schritt weiter sein als der Markt.“ Die Ideen für Neuheiten tüftelt ein Dutzend Konstrukteure in den Büros der Rasdorfer Firmenvilla aus.

Auf ihren Bildschirmen nahm auch die rote, rechtwinklige Kanonenkugel-Rampe („Cannonball“) erstmals Gestalt an. Ebenso wie Anlagen mit Falltür-Start, Steilgleiter mit 60 Grad Gefälle sowie Familienrutschen mit Sound, bunten Lichteffekten oder künstlich erzeugtem Nebel. Oder auch die spektakuläre Röhrenspirale „Slidewheel“: Aus zehn Metern Höhe rutschen die Adrenalinsüchtigen durch die sich drehende Röhre dem Becken entgegen. Noch gibt es die nur als Modell.

Alle Anlagen werden vom Tüv abgenommen. Zudem, versichert Geschäftsführer Wiegand, testen die Firmenchefs selbst jede Neuheit. „Dafür ziehe ich gerne die Badehose an.“ Auch als Kanonenkugel ist er schon geflogen.

Den weltweiten Vertrieb für die Wasserrutschen organisiert seit 2006 die Firma Wiegand Maelzer GmbH – mit Sitz in Starnberg bei München und Hendrik Wiegand und Rainer Maelzer als Geschäftsführer. „Zwei Drittel des Umsatzes machen wir im Ausland“, berichtet Maelzer. Sogar in Osteuropa und Nordafrika mischt das Unternehmen mittlerweile kräftig beim Bau großer Wasserparks mit. „Wir organisieren die gesamte Technik, von der Planung bis zur Montage.“


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aktualisiert am 28.06.2017

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