Ausbildungsalarm

Immer weniger wollen in die Werkstatt


Berufseinstieg in der Kautschuk-Industrie: Betriebe haben Probleme, genug geeignete Azubis zu finden. Foto: DIK

Hamburg. „Mit Bewerbungen für kaufmännische Berufe werden wir regelrecht bombardiert – doch beim Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kaut­schuktechnik sieht das anders aus“, berichtet Grit Anja Meuer, stellvertretende Personalleiterin der Poppe GmbH in Gießen.

Ein Problem, vor dem die ganze Branche steht. „Viele Betriebe haben immer größere Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze in gewerblich-technischen Berufen zu besetzen“, betonte Olaf Brandes, Bildungsreferent des Arbeitgeberverbands der Deutschen Kautschukindustrie (ADK), auf der diesjährigen Aus- und Weiterbildungskonferenz – Gastgeber war der Dichtsysteme-Spezialist Merkel Freudenberg Fluidtechnic.

Auch beim Reifenhersteller Pirelli wird es immer schwieriger, alle Ausbildungsplätze, insbesondere im technischen Bereich, zu besetzen. Es gehen zwar jährlich 700 Bewerbungen ein, ein Großteil zielt aber auf kaufmännische Berufe. Zudem bringen die Bewerber häufig nur schlechte Kenntnisse in Mathematik und Deutsch mit.

Betriebe steuern intensiv gegen

Besonders prekär ist die Lage beim Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Für dieses Herzstück der Branche gehen generell kaum Bewerbungen ein. Doch man steuert jetzt intensiv gegen: Immer mehr Unternehmen erhöhen ihre Anstrengungen in Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Inserate in Print- und Online-Medien, Messeteilnahmen, Schulkooperationen, Betriebsbesichtigungen und Praktika sind an der Tagesordnung.

Foto: Bahlo

Stimmen aus den Betrieben

Jan Rubbert, Personalreferent Merkel Freudenberg Fluidtechnic GmbH, Hamburg:

„Die jungen Leute wollen lieber im Büro sitzen als in der Werkstatt stehen. Viele wollen nach der Ausbildung studieren oder ihren Techniker machen. Entscheidend ist, geeignete Leute für die Produktion zu finden und sie auch zu halten. Wir versuchen, die Arbeit dort vielfältig zu gestalten.“

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Jessica Momeier, Personal­leiterin IAC Group GmbH, Hamburg:

„Mit 80 Bewerbern auf 5 Plätze waren wir sehr zufrieden. Wir hatten vorab aber auch ordentlich die Werbetrommel gerührt. Es bleibt die Herausforderung, diejenigen auszuwählen, die Leistung zeigen und ins Team passen.“

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Thomas Micketeit, Ausbildungsleiter Phoenix Compounding Technology GmbH, Hamburg:

„Unser Nachwuchsbedarf ist groß. Deshalb erhöhen wir im nächsten Jahr die Zahl der Azubis und Studenten um 67 Prozent. Fürs duale Studium erhalten wir viele und erstklassige Bewerbungen. Sorgen macht uns der gewerblich-technische Bereich.“

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Grit Anja Meuer, stellvertretende Personal­leiterin Poppe GmbH, Gießen:

„Aus Mangel an Bewerbungen für den gewerblichen Bereich haben wir in den letzten Jahren die Auswahlkriterien angepasst und die Betreuung der Azubis intensiviert. Die Grenze müssen wir jedes Jahr neu definieren und uns auch gegenüber Wettbewerbern positionieren.“

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Christian Heckmann, kaufmännischer Ausbilder Pirelli Deutschland GmbH, Breuberg im Odenwald:

„Wir müssen immer mehr investieren, um Azubis zu kriegen: Wir gehen verstärkt in Schulen, führen Bewerbertrainings durch und streuen unsere Werbung auch in anderen Regionen. Erhalten wir zu wenig passende Bewerbungen, gleichen wir zwischen einzelnen Berufsbildern aus.“

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