Textil-Industrie

Immer die modernste Technik


Die Tuchfabrik Willy Schmitz investiert in Mönchengladbach

Mönchengladbach. Wenn Sie schön angezogen in einem anständigen Auto Platz nehmen, kann es zu einem seltsamen Zusammentreffen kommen: Sie sitzen in, auf, unter und neben feinen Stoffen, die alle aus einer Firma kommen. Das ist das Erfolgsgeheimnis der Mönchengladbacher Tuchfabrik Willy Schmitz: Bekleidungs- und Auto-Hersteller mit  ganz ähnlichen Produkten zu beliefern. Dafür setzt das Familienunternehmen  auf modernste Maschinen.

Gute Kunden aus zwei Branchen

Textilien für Autositz oder Türverkleidung, Kopfstütze oder Armlehne fertigt Schmitz ebenso wie Anzug- und Kostümstoffe. Auf der Kundenliste stehen beste Namen – aus beiden Branchen. „Unsere Strategie ist es, auf beiden Füßen zu stehen“, betont Geschäftsführer Andreas Schmitz, ein Enkel des Firmengründers.

Wenn dann der Boden unter einem Bein mal etwas wackelt, wirft das das Unternehmen noch nicht um: Auf diese Doppel-Strategie setzt der Betrieb seit mehr als 70 Jahren. Auch deshalb hat er den brutalen Strukturwandel in der Textilindustrie gut überstanden. Und so landeten fast automatisch erfahrene Kräfte aus weniger erfolgreichen Firmen in der Schmitz-Belegschaft: „Wir haben viele Mitarbeiter jenseits der 50 übernommen.“

Wen andere entlassen mussten, den stellte die Firma oft gerne ein, zum Beispiel die Spulerin Evangelia Paschalidou oder die Schärerin Berta Trapp. Aber auch beim Personal setzte Schmitz auf eine Doppel-Strategie: „Wir haben parallel dazu viele Lehrlinge ausgebildet, die Übernahme ist bei uns die Regel.“

180 Menschen arbeiten heute im Betrieb. Die Tuchfabrik ist der letzte vollstufige Flächengewebe-Hersteller in der Textil-Hochburg. Färben, Zwirnen, Schären, Weben, Veredeln, dazu das Kaschieren in einer Oberndorfer Tochterfirma: Alles in einem Haus, alles aus einer Hand. „Diese Produktionstiefe ist unsere Kernkompetenz“, erklärt Schmitz, „und wir sind extrem gut im Zusammenspiel von Design, Entwicklung und Produktion.“

Die auf den ersten Blick so unterschiedliche Kundschaft profitiert davon: „Das Bekleidungsgeschäft ist sehr beweglich, sehr kurzfristig, es bietet aber viele Chancen“, erklärt Schmitz, „die Automobil-Produktion denkt eher langfristig.“ So lassen sich zum Beispiel für die Modewelt erdachte Innovationen auf die Auto-Kollektionen übertragen. Auch technisch lohnt sich die Doppelstrategie:  Manche  Maschine kann immer laufen – egal, wer gerade den Stoff bestellt hat.

Neue Halle für die Veredelung

Beim Maschinenpark macht das Unternehmen ohnehin keine Kompromisse: „Wir haben immer die modernste Technik am Markt“, betont Schmitz. Gerade werden 2,5 Millionen Euro ausgegeben, für eine neue Halle nebst Maschinen für die Veredelung. Dass sich Investieren am Stammsitz lohnt, steht für Schmitz außer Frage: „Unsere Strategie heißt auch: Standort – Mönchengladbach!“

Thomas Hofinger

 

„Wir werden tagtäglich kopiert“

Ein Tuch aus Fernost, das der eigenen Ware täuschend ähnlich sieht: Für Andreas Schmitz keine Überraschung. „Wir werden tagtäglich kopiert“, sagt er. Juristisch gegen gewebte Plagiate vorgehen? Schmitz winkt ab: „Die Gesetzeslage ist da extrem schwammig.“ Im Kampf gegen Produktpiraten geht die Tuchfabrik also einen selbstbewussten Umweg. Teil der Abwehr-Strategie ist es, die Bekleidungshersteller einzubinden, ihnen klarzumachen, dass das Design eine Vorleistung ist, die bezahlt werden muss – weil sonst bald niemand mehr da ist, um neue Muster zu ersinnen. Schmitz riskierte die Ansage „es gibt hier nur noch zahlende Kunden“. Nur gucken geht nicht, wer keine Aufträge erteilt, bekommt keine Muster mehr. Einige Kunden sprangen daher ab, erinnert sich Schmitz – „aber heute haben wir eine Warteliste“.

 

Kampf den Produktpiraten

Justizministerin lobt das „leuchtende Vorbild“ der Textil- und Modebranche

Berlin. Beim Thema textile Produktpiraterie muss sich mancher Verbraucher an die eigene Nase fassen: „Auch hier gibt es genug Menschen, deren Markengarderobe gefälscht  ist“, weiß Deutschlands Justizministerin Brigitte Zypries. Wenn es zum Beispiel um Kleidung mit dem grünen Krokodil oder Schuhe mit den drei Streifen geht, „wissen viele Kunden sehr wohl, dass sie ein Plagiat kaufen“.

Warum das für den Standort D gefährlich ist und was dagegen zu tun ist, erläuterte die Ministerin jetzt als Gast des Gesamtverbands textil+mode. Verband und Ministerium arbeiten im Kampf gegen den Ideen-Klau nicht nur eng zusammen, die Branche ist  für Zypries sogar „ein leuchtendes Vorbild, wenn es darum geht, das Problem schon an der Wurzel zu bekämpfen“.

An der Wurzel – das heißt: In den Ländern, aus denen die Plagiate kommen. Der Verband habe gezeigt, wie man in diesen „Problemstaaten“ (etwa China) mehr Sensibilität fürs Thema wecken kann: „Die Textil- und Modebranche war hier ein echter Pionier“, lobte Zypries, andere Branchen sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Schlüsselfrage für Deutschland

Schließlich ist der Kampf gegen den Ideenklau für Deutschland lebenswichtig. „Gute Ideen, erfolgreiche Produkte und anerkannte Marken sind unser wichtigstes Kapital, der Schutz des geistigen Eigentums ist deshalb eine Schlüsselfrage für die wirtschaftliche  Zukunftsfähigkeit.“

Die Regierung tut laut Zypries das ihre: So sei gerade ein Gesetz vorgeschlagen, das Auskunftsansprüche gegenüber Spediteuren und Lieferanten  vorsehe – um so „an die Hintermänner heranzukommen.“ Auch den Internet-Handel mit Plagiaten habe das Gesetz im Visier. „Von der Textilbranche sagt man ja, dass 60 bis 70 Prozent aller online gehandelten Produkte Fälschungen sind“, erklärte die Ministerin.

Gefahr für Leib und Leben

So müssten denn auch die Verbraucher besser informiert werden. Das fange bei Aufklärung der Jugend über den Wert geistigen Eigentums an, wie sie die Kampagne www.kopien-brauchen-originale.de leiste. Man müsse die Kunden aber auch vor der möglichen Gefahr für Leib und Leben warnen. Bei gefälschten Medikamenten oder Elektrogeräten ist das ja offensichtlich – aber Zypries dachte dabei durchaus auch an Textil-Plagiate: „Sie können Allergien und Krankheiten verursachen, nicht zuletzt bei Kindern, gefälschte Markenartikel  sind daher ein echtes Risiko.“

Im Kampf gegen die Fälscher sieht Zypries aber auch die Unternehmen noch stärker in der Pflicht: Knapp die Hälfte der Firmen, die in China Opfer von Produktpiraterie geworden sind, „haben sich vor Ort keine Schutzrechte eintragen lassen“, kritisierte sie. Auch wenn die Rechtsdurchsetzung im fernen Ausland manchmal schwierig sei, gelte doch: „Lassen Sie sich Ihre Rechte in allen Ländern schützen!“

Hof

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