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Ausbilden mit Herz und Verstand

Im Nähsaal von Bugatti gilt: Qualität geht immer vor Quantität

Das Herforder Bekleidungsunternehmen bildet seit Jahren Näher und Schneider aus. Ausbildungs-Chefin Marion Föste, die selbst im Nähsaal in die Lehre ging, setzt dabei auf Geduld, Teamgeist und handwerkliches Geschick.

Tägliche Arbeit: Marion Föste mit Lehrlingen in der Ausbildungswerkstatt. Foto: Lang

Tägliche Arbeit: Marion Föste mit Lehrlingen in der Ausbildungswerkstatt. Foto: Lang

Eingespieltes Team: Daniel Nettusch und Marion Föste. Foto: Lang

Eingespieltes Team: Daniel Nettusch und Marion Föste. Foto: Lang

Fragen willkommen: Die Ausbildungsleiterin erklärt dem Azubi Michel Imorde die Arbeit an der Nähmaschine. Foto: Lang

Fragen willkommen: Die Ausbildungsleiterin erklärt dem Azubi Michel Imorde die Arbeit an der Nähmaschine. Foto: Lang

Herford. Der Kragen sitzt, die Nähte sind gut gearbeitet und – ganz wichtig: „Das Linienmuster passt perfekt zusammen. Hervorragend!“, lobt Marion Föste und streicht über den Mantelstoff. Der umhüllt eine Puppe in der Lehrwerkstatt des Herforder Bekleidungsunternehmens Bugatti.

Seit elf Jahren ist die 56-Jährige dort Ausbildungsleiterin – und hat gut 70 junge Leute zum Textil- und Modenäher oder -schneider ausgebildet. Eine Arbeit, die sie mit Herz und Verstand angeht: „Während die jungen Leute ihre Ausbildung machen, sind sie wie meine Kinder.“

Föste schult sie auf Fingerfertigkeit und ihren eigenen Arbeitsrhythmus. Kümmert sich um Nachhilfe bei Schulproblemen, fragt die Noten ab oder sammelt die Berichtshefte ein, um auf dem Laufenden zu sein. Und hilft auch schon mal beim Umzug.

Bei Bugatti gelernt und jetzt selbt Ausbilderin

Ihre goldene Regel an der Nähmaschine lautet: „Quantität kommt später, Qualität ist wichtig.“ Darauf eicht sie den Nachwuchs. „Für mich ist es kein Problem, etwas auch mehrmals zu erklären.“ Eine Fähigkeit, die sie sich in 40 Arbeitsjahren angeeignet hat.

Nach der Lehre zur Modeschneiderin in den 80er Jahren und einer Weiterbildung zur Bekleidungstechnikerin arbeitete die Herforderin als Gruppenleiterin in der Näherei, im Zuschnitt und in der Endfertigung von Bugatti. „Mein Werdegang war ein stetiger Wechsel. Es hat sich nie so angefühlt, als wäre man jahrelang in der gleichen Firma“, erinnert sich die Hobby-Motorradfahrerin.

Jedem auf Augenhöhe begegnen

Föste absolvierte Auslandseinsätze in Polen, Rumänien und Griechenland. Sie lernte Näherinnen an, baute Produktionslinien auf. Heikel wurde es in Indonesien. Dort überwachte sie die Nähereien von Zulieferern.

„Morgens schauten einen dort 1.200 Augenpaare an.“ Wenn ihr Fehler auffielen, musste sie das an die Vorgesetzten melden: „Ich durfte mit keinem Mitarbeiter sprechen. Weil sonst sein Vorgesetzter das Gesicht verloren hätte.“ Solche kulturellen Unterschiede haben sie geprägt. „Ich bin zwar Chefin, aber ich begegne jedem auf Augenhöhe.“ Das gilt für die Auszubildenden wie für ihre 40 Mitarbeiter im angrenzenden Nähsaal.

Einer davon ist Daniel Nettusch. Ihm gab Marion Föste noch mit 27 Jahren die Chance, eine Ausbildung zum Modeschneider zu machen. Heute ist der 33-Jährige Bandleiter im Nähsaal und sagt über seine Chefin: „Sie ist immer verständnisvoll, kann aber auch direkte Ansagen machen.“

Bewerber-Auswahl: Noten sind nur eine Momentaufnahme

Die richtige Kombination, um Nachwuchs zu finden – und auszubilden. Gerade stapeln sich wieder Bewerbungen auf ihrem Schreibtisch. Bei der Auswahl interessieren sie Noten kaum: „Das sind Momentaufnahmen.“ Neugier, Team- und Kommunikationsfähigkeit seien wichtiger. Trotzdem ist die Auswahl schwer. „Jede Zusage ist für jemand anderen eine Absage“, sagt Föste.

Sie sucht nach einer gesunden Mischung zwischen Abiturienten, Real- und Hauptschülern. „Wir brauchen den Nachwuchs, und die jungen Leute brauchen eine Chance.“ Das gilt auch für Jugendliche mit Lernschwierigkeiten oder Behinderung. Föstes Grundsatz: Auch solche Bewerber erhalten die Chance, sich zu bewähren.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Als ich 1979 eine Lehrstelle suchte, stand Kindergärtnerin oder Schneiderin zur Wahl. Bei Bugatti bekam ich dann die Zusage.

Was reizt Sie am meisten?

Zu sehen, wie sich die jungen Leute in der Ausbildung entwickeln. Das ist für mich immer wieder beeindruckend.

Worauf kommt es an?

Auf Qualität bis in jede Naht. Darauf trimme ich unseren Nachwuchs. Denn die Marke Bugatti lebt gerade von diesem Qualitätsversprechen.


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