Aufträge

Im Mittelstand muss man flexibel sein


Warum das Lüneburger Eisenwerk Zeitarbeiter benötigt – und wie Ringo Urbahn davon profitiert hat

Ringo Urbahn (38) ist stolz auf seinen Werdegang. Als 19-Jähriger kam er kurz nach der deutsch-deutschen Grenzöffnung aus dem rund 150 Kilometer entfernten Stendal nach Lüneburg – und suchte über eine Zeitarbeitsfirma die Chance in einer Gießerei.

„Ich hatte keine Berufsausbildung“, erinnert sich Urbahn, „und ich wollte Geld verdienen.“

Sein erster Einsatzbetrieb meldete zwar kurze Zeit später Insolvenz an. Doch der Gießerei-Branche blieb Urbahn treu. „Es macht Spaß“, sagt er und zeigt auf die gegossenen Gehäuseblöcke. „Man sieht, was man geschaffen hat.“

18 Mitarbeiter in seiner Schicht

Bei seinem heutigen Betrieb, der Lüneburger Eisenwerk GmbH, hat er sich mittlerweile zum Industriemeister qualifiziert: ohne Facharbeiter-Brief, dank seiner jahrelangen Erfahrung. Der Unterricht fand in Essen statt, in zehn Blöcken über jeweils zwei Wochen. „Das war eine harte Zeit“, sagt Urbahn. „Aber heute bin ich froh, dass ich es gemacht habe.“ 18 Mitarbeiter gehören zu seiner Schicht.

Das Lüneburger Eisenwerk beschäftigt 120 Mitarbeiter, darunter 9 Zeitarbeiter. Sie produzieren monatlich zwischen 800 und 900 Tonnen Grauguss und Sphäroguss in allen gängigen Werkstoffen. Zur Kundschaft gehören namhafte deutsche Maschinenbauer, die höchste Qualität voraussetzen. Für die Werkzeugmaschinen, Kompressoren, Pumpen, Getriebe, Elektromotoren, Papier-, Druck- oder Kunststoffverarbeitungsmaschinen werden zum Teil mächtige Gussteile benötigt. „Die gießen wir in Klein- und Mittelserien“, sagt Geschäftsführer Rainer Baden (63). „Solch eine gute Qualität in dieser geringen Stückzahl ist für ausländische Billiganbieter nicht zu schaffen und deshalb nicht interessant.“

Sprungbrett zur Festanstellung

Die Lüneburger haben sich darauf spezialisiert, eine enge Partnerschaft mit ihrer Kundschaft einzugehen. „Wir schauen bei unseren Kunden mit ins System und wissen, was er wann benötigt“, berichtet Baden. „Das ist schon fast wie im Supermarkt, wo der Lieferant für das Auffüllen der Regale zuständig ist.“

Eine Krise wie im Jahr 2009 hat der Geschäftsführer, der 45 Jahre bei der Lüneburger Eisenwerk GmbH beschäftigt ist, noch nicht erlebt. „Die Aufträge brachen von heute auf morgen weg. Jetzt zieht es wieder sehr stark an“, sagt Baden. Der Kostendruck bleibt jedoch ein ständiges Thema. Produktivitätssprünge, wie sie in anderen Branchen nach Umstrukturierungen üblich sind, sind für Gießer nicht drin. „Weil wir nicht mal so einfach unsere Anlagen von A nach B stellen können, um zu hoffen, dass wir so Zeit und Geld im Produktionsablauf sparen“, sagt Baden.

Der Zeitdruck ist extrem. Deshalb ist ihm das Thema Arbeitszeit sehr wichtig. „Wir brauchen Flexibilität. Unsere Kunden setzen voraus, dass wir kurzfristig liefern.“ Ohne den Einsatz von Zeitarbeitern ist das nicht möglich. Ringo Urbahn, der ehemalige Zeitarbeiter und heutige Industriemeister, sieht in der Zeitarbeit ein Sprungbrett. „Sie ist eine Chance zur Festanstellung.“

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