Transport-Logistik

Im längsten Tunnel der Welt


Was ein heimlicher Champion aus Hessen unter Tage bewegt

Michelstadt. Unglaubliche 57 Kilometer lang soll der Eisenbahntunnel werden, den die Schweizer derzeit unter dem Gotthard-Massiv bohren. Mit bis zu 8,80 Meter dicken, 5.000 PS starken Maschinen.

Im Jahr 2015 ist er voraussichtlich fertig und wird der längste Tunnel der Welt. Mit dabei: eine kleine Firma aus Hessen.

Damit die Arbeit reibungslos läuft, müssen Riesenmengen Schutt und Gestein kontinuierlich und schnell aus dem Tunnel geschafft werden. „Und genau dafür sind wir die Spezialisten“, sagt Heinz-Peter Mühlhäuser, Geschäftsführer der Firma Karl-H. Mühlhäuser (KHM) in Michelstadt.

Auslandsgeschäft macht 95 Prozent aus

Das Familienunternehmen hat 70 Mitarbeiter und gilt als Markt- und Technologieführer rund um die Ver- und Entsorgung bei Tunnelbauprojekten. Der Anteil des Auslandsgeschäfts liegt bei 95 Prozent.

KHM ist dabei, wo immer Menschen unter der Erde Wege bereiten – ob für Auto, Bahn, Wasserkraftstollen, Bergbau, Wasserversorgung oder Kanalisation. Am Hamburger Elbtunnel hat man ebenso mitgeholfen wie an der New Yorker U-Bahn und an der Unterquerung des Ärmelkanals.

Angefangen hat alles zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, als sich die Gebrüder Mühlhäuser auf die Herstellung von Schienenfahrzeugen konzentrierten. Sie fertigten Holzkasten- und Kippwagen, die unter anderem beim Bau der Reichs-Autobahnen eingesetzt wurden. Statt der heute üblichen hochmodernen Elektronik half damals eine raffinierte Mechanik beim automatischen Entladen. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg belieferte KHM sogar Großbaustellen für Häfen in Übersee.

Nach dem Krieg setzte man als Erster in der Branche auf mehr Flexibilität: „Jedes Bauprojekt ist anders, deshalb war es nicht mehr sinnvoll, immer nur die gleichen Geräte anzubieten“, sagt der Geschäftsführer, der das Unternehmen bereits 1966 nach dem Tod seines Vaters übernahm.

Fahrzeuge werden individuell entwickelt

Heute liegt die eigentliche Herausforderung in der Transport-Logistik. Das Gewölbe wird durch Fertigteile aus Beton gesichert. „Diese sind bei jedem Tunnel anders und müssen mit Spezialtransportern bewegt werden“, erläutert Paul Zeder, Ingenieur und Assistent der Geschäftsleitung. Hinzu kommen Waggons für den Beton-Transport sowie Mannschafts- und Rettungswagen – alle individuell entwickelt und gefertigt.

Zudem hat KHM nach dem Ende des Kanaltunnel-Baus begonnen, ihre Geräte zurückzukaufen und generalüberholt  zu vermieten. Weltweit sind es schon 1.000 Miet-Geräte.

Produziert wird außer in Michelstadt auch in Polen und Tschechien, mitunter auch direkt vor Ort. Die Monteure sind viel unterwegs. „Meist sind wir in Europa, aber auch in China, demnächst in Ägypten“, erzählt Produktionsleiter Steffen Heinecke – und bekommt leuchtende Augen. Tunnelblick sieht anders aus!

Maja Becker-Mohr

 

Info: Karl-H. Mühlhäuser GmbH & Co. KG

Das Unternehmen wurde 1907 als Eisengießerei gegrün-det und entwickelt und produziert Förder-, Transport- und Service-Geräte für die Ver- und Entsorgung von Stollen- und Tunnelprojekten. Die Firma gilt als Markt- und Technologieführer der Branche und beschäftigt 70 Mitarbeiter sowie

5 Auszubildende. Für das laufende Jahr wird ein Umsatz von 16 Millionen Euro erwartet.

www.tunnelling-equipment.com

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