Kunststoff

Im Joghurtbecher steckt viel Know-how


Zell (Mosel). Schicke Designs für neue Autokarosserien entstehen am Computer in 3-D – das weiß jeder. Doch auch Joghurtbecher werden mit viel Aufwand gestaltet: „Die Verpackung gibt dem Verbraucher oft das entscheidende Sig­nal, zuzugreifen“, weiß Kathrin Bolle, Marketing Managerin bei Paccor in Zell.

Das Unternehmen gehört zu den führenden Herstellern sogenannter formstabiler Kunststoff- und Kunststoff-Papier-Verpackungen in Europa.

Dazu zählen Becher, Schalen, Container und Deckel, zum Beispiel aus Polypropylen oder Polystrol. Das neue Entwicklungs- und Innovationszentrum (Center for Development & Innovation) ist Herzstück des Standorts im Moseltal. Dort entwirft das Team um Leiter Michael Gerhartz Behälter für Milchprodukte, Brotaufstriche, Snacks, Getränke und Waschmittel. „Wir kümmern uns von hier aus um Kundenanfragen aus ganz Europa“, so der Maschinenbaumeister.

In jeder Verpackung steckt ein ausgeklügeltes Konzept. Gerade hat Gerhartz am Computer ein 3-D-Modell für einen neuen Becher erstellt. Der soll schon bald in einem der 19 Paccor-Werke vom Band laufen. „Am Anfang steht immer eine Idee“, beschreibt der Fachmann den Ablauf. Dann folgen Konstruktionen, Prototypen, Zeichnungen und schließlich erste Muster. Geht eine Entwicklung in Serie, konstruiert und produziert sein Team die Werkzeugteile für die Produktionsanlagen gleich mit.

An Gerhartz’ Tür klopfen vor allem Vertreter großer Konsumgüter-Hersteller wie Danone, Unilever und Nestlé. Da die dekorierten Behälter das Kaufverhalten beeinflussen, lohnt es sich für die Lebensmittel-Produzenten, in die richtige Verpackung zu investieren. Schließlich soll sich jedes Produkt optisch sofort von dem des Wettbewerbers unterscheiden.

In der Formgebung sind die Möglichkeiten der Designer allerdings begrenzt: Viele Produkte werden später an bestehenden Anlagen abgefüllt. So müssen etwa Kaffeebecher in einen Automaten passen.

Die Außenwand ist wertvolle Werbefläche, da kommt es auf jeden Millimeter an

Doch es gibt genug zu tun, beispielsweise die Dekoration zu verbessern: Vorbedruckte „Schrumpffolien“ und großflächige Etiketten liegen voll im Trend. „Die Außenwand der Verpackung ist eine wertvolle Werbefläche“, bekräftigt Marketing-Expertin Kathrin Bolle. Hier zählt jeder Millimeter!

Michael Gerhartz und seine Mitarbeiter tüfteln aber auch an Verbesserungen, die das ungeschulte Auge des Verbrauchers schnell übersieht.

So kann Kunststoff neuerdings über eine spezielle Spritzguss­technik geformt werden. Das spart bis zu 20 Prozent Material ein und macht die Verpackung dünnwandiger. Auch die Umwelt wird geschont.

Noch ein Beispiel: „Wir haben an einem Kaffeebecher winzige Details korrigiert. Jetzt kann man ihn passgenauer stapeln“, sagt Gerhartz. Das schafft etwa 20 Prozent mehr Platz und spart jede Menge Transportkosten.

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