Bildung

Im Hörsaal UND im Betrieb


Lehre plus Studium: Karriere-Turbo für junge Fachkräfte

München. Zwischen Lehrwerkstatt und Vorlesung zu pendeln, ist Alltag für „dual Studierende“. Sie gelten als Nachwuchs-Hoffnung der bayerischen Unternehmen.

Denn die Kombination von Lehre oder Praxiseinheiten in einem Unternehmen mit einem Studium hat viele Vorteile. Die künftigen Fachkräfte lernen im Betrieb und im Hörsaal: in  „Hochschulen für angewandte Wissenschaften“, im Volksmund Fachhochschulen, oder in einer Berufsakademie.

„Ohne anlernen durchstarten“

Die Studenten verdienen von Anfang an Geld und können zum Teil gleich zwei anerkannte Abschlüsse erwerben: das Diplom der Industrie- und Handelskammer sowie den internationalen Titel „Bachelor of Engineering/Science“. Die Firmen profitieren, weil sie künftige Leistungsträger besser kennenlernen und sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren. Da solche Studenten schon nach drei- bis viereinhalb Jahren doppeltes Fachwissen erworben haben, reißt sich auch die bayerische M+E-Industrie um sie. Stichwort: demografischer Wandel.

So bekräftigt Barbara Gerber, Ausbildungsleiterin der Schaeffler-Gruppe in Schweinfurt: „Wir bieten auch dieses Jahr wieder zwölf Plätze für duale Studenten an. Denn das werden Mitarbeiter, die ohne Anlernphase gleich durchstarten. Das bringt uns echte Wettbewerbsvorteile.“

Für die Doppelrolle als Lehrling und Student braucht man Disziplin und Ausdauer. 1750 junge Menschen sind derzeit für 150 duale Studiengänge in Bayern eingeschrieben. Das sind dreimal so viele wie 2006. Sie können einen Platz in einer von 370 Firmen auswählen.

Zur Auswahl stehen drei Varianten (siehe unten):

Das Verbundstudium, das einen Ausbildungsplatz im Betrieb mit einem Studium verknüpft.

Das Studium mit vertiefter Praxis in einem Unternehmen.

Berufsakademien, wie die Duale Hochschule Baden-Württemberg, gibt es in Bayern nicht. Dennoch liefern sie auch Unternehmen im Freistaat Fachkräfte .

Studiengebühren zahlt oft die Firma

Den Absolventen sind Jobangebot und Karriere nahezu sicher. Die Firmen übernehmen oft die Studiengebühren und zahlen während der gesamten Zeit die reguläre Ausbildungsvergütung, häufig auch etwas mehr. „In den mehrwöchigen Praxisphasen können wir gerade bei Berufsanfängern sehr gut ihre Eignung für die jeweilige Position feststellen“, sagt Bernd Schilde, Leiter einer Abteilung für Qualitätssicherung von Brose. „Somit stehen ihre Einstiegs- und späteren Aufstiegs-Chancen bei uns gut. Wenn wir in die jungen Leute investieren, wollen wir sie natürlich auch halten.“

Mehr Facharbeiter an Hochschulen sind erwünscht: Meister können seit Herbst 2008 an bayerischen Fachhochschulen ihr Wissen vertiefen. Voraussetzung: drei Jahre Berufserfahrung und ein Beratungsgespräch. Von September an geht noch mehr: Dann sind Meister auch an Universitäten zugelassen. Und die freie Fächerwahl wird auch schon diskutiert.

Mehr: www.hochschule-dual.de

Unbefristeter Vertrag

Jens Krech startet im Herbst als Wirtschaftsingenieur bei Brose

Hallstadt. Noch schreibt er seine Abschlussarbeit, aber von Oktober an zahlen sich die jeweils dreimonatigen Wechsel von Praxisphasen bei Brose und dem Studium an der Berufsakademie in Stuttgart richtig aus: Dann wird Jens Krech als Wirtschaftsingenieur im Werk Hallstadt des Automobil-Zulieferers anfangen. In der Qualitätssicherung für Elektrik und Elektronik, die er seine „Zielabteilung“ nennt, wird er unter anderem Lieferanten von Elektromotoren fürFensterheber und Sitzsysteme betreuen.

„Dort haben mir schon im ersten Jahr die Betriebsabläufe gefallen“, erzählt der Niedersachse. Umso mehr freut er sich jetzt: „In diesen Zeiten gleich einen unbefristeten Vertrag unterschreiben zu können, war ein tolles Gefühl.“

Aufstiegs-Chancen

Jürgen Rottmann lernt IT bei Henrichsen

Straubing. Der Realschulabschluss, Lehre zum Informatik-Kaufmann und Fachabitur waren Jürgen Rottmann (23) nicht genug: Der Unterfranke studiert im zweiten Semester Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Regensburg.

Das Gelernte kann er gleich bei der Henrichsen AG in Straubing anwenden. Während des Semesters arbeitet er bis zu 20 Stunden in der Woche bei dem IT-Dienstleister mit 130 Mitarbeitern. In der vorlesungsfreien Zeit ist er als Vollzeitkraft an Bord. Im Moment schreibt er einen Leitfaden zur Einführung digitaler Personalakten. „Dass ich Wissen aufbauen und das gleich testen kann, gefällt mir.“

Auch sein Praxissemester wird er in der Firma verbringen. „Durch den ständigen Kontakt bekomme ich auch mit, wie sich der Betrieb entwickelt.“ Später dort einzusteigen und Führungsaufgaben zu übernehmen, kann sich der als Praktikant eingestufte Student gut vorstellen.

Vielseitiger Einsatz

Fabian Stockner und Stephanie Keller bauen sich schon jetzt ihr Netzwerk auf

Schweinfurt/Plattling. Gleiche Basis, verschiedene Pläne: Zwei Abiturienten, die Industriemechaniker lernen und zugleich an einer Fachhochschule Maschinenbau studieren. Der Niederbayer will seinen Wurzeln treu bleiben; die Unterfränkin zieht es in die Welt.

Fabian Stockner (22) aus Landau an der Isar ist glücklich über seinen Berufseinstieg: „Ich möchte in meiner Heimat leben und arbeiten. Da ist das Verbundstudium von Kermi in Plattling ideal.“

Stephanie Keller (21) wird im Juli Schweinfurt verlassen. Zunächst, um in Korea zwei Monate ein Praktikum in einem Forschungszentrum der Schaeffler-Gruppe zu machen. Nach dem ersten Lehrjahr spürt sie nun im zweiten Semester ihren Vorsprung: „Viele an der Fachhochschule beneiden uns, weil wir schon wissen, wie die Maschinen funktionieren.“

Wem Lehre und Studium doch zu viel werden, der kann auch nur die Lehre abschließen. Doch für Keller ist das kein Thema: Sie will möglichst universell ausgebildet werden und später im Vertrieb arbeiten. „Anfangs habe ich eher an Sprachen oder ein Wirtschaftsstudium gedacht, aber mit zwei technischen Abschlüssen bin ich noch besser dran. “

Nicht nur fachlich fit, sondern auch gut vernetzt fühlt sich Stockner: „Ich lerne viele Abteilungen kennen. Da tue ich mich später bestimmt leicht und könnte auch zwischen den Seiten vermitteln.“ Ein zweiter Verbund-Student fängt bei Kermi bereits im Juli an.

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Schlagwörter: Ausbildung

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