Menschen

Im Einsatz für die Jugend


Technik kann begeistern: Barbara Gerber liegt es besonders am Herzen, junge Frauen für die Industrie zu gewinnen. Foto: Merkl

Barbara Gerber leitet die Ausbildung von Schaeffler in Schweinfurt

Schweinfurt. Wer Barbara Gerbers Büro betritt, bemerkt sofort ihre riesige Pinnwand. Blätter in DIN-A5-Format erinnern dort an anstehende Termine, offene Projekte und noch nicht ausgereifte Ideen. „Mir hilft das, meine Gedanken zu ordnen und den Überblick zu behalten“, sagt die Ausbildungsleiterin am Schweinfurter Standort des Wälzlager-Herstellers Schaeffler.

Die 50-Jährige hat viel um die Ohren. Vor sieben Jahren übernahm sie am Standort die Verantwortung für den Nachwuchs. Gerber ist seitdem Chefin von rund 330 jungen Menschen, 13 Ausbildern und 3 Sachbearbeiterinnen. Daneben entwickelt sie Ausbildungspläne, bestimmt Lehrinhalte und wirbt auf Berufsmessen und in Schulen für eine Karriere in der Industrie. Den einen oder anderen Feierabend verbringt sie so auf dem Elternabend.

Hinzu kommen diverse Ehrenämter. Die studierte Wirtschaftsingenieurin übernimmt in mehr als einem halben Dutzend Institutionen des Bildungswesens Aufgaben, etwa im Arbeitskreis Schule-Wirtschaft, im Förderkreis der Berufsschule oder im Beirat der Volkshochschule. Vor allem für dieses Engagement erhielt sie Ende 2010 die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft.

„An die Mütter und Omas ran“

Gerber liegt besonders das Interesse junger Frauen an Technik am Herzen. Deshalb haben Mädchen-Schnuppertage einen festen Platz im Veranstaltungskalender von Schaeffler. „Die Jungs kommen von alleine zu uns, aber bei den Mädchen haben wir noch großes Potenzial“, sagt sie im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel in technischen Berufen. „Außerdem ändert sich der Umgangston, sobald mehr Mädels da sind“, berichtet sie aus Erfahrung. Derzeit ist etwa ein Fünftel der Auszubildenden am Schaeffler-Standort weiblich.

Für Mädchen gelte es noch mehr als für Jungen, auch deren Familie vom Unternehmen und dem möglichen Beruf des Kindes zu überzeugen, erklärt Gerber: „Wir müssen vor allem an die Mütter und Omas ran.“ Gerade die würden ihren Töchtern und Enkelinnen das Arbeiten in der Industrie häufig nicht zutrauen – und davon abraten.

Noch kann Schaeffler in Schweinfurt allerdings für den Nachwuchs aus dem Vollen schöpfen. Mehr als 1.000 Bewerbungen gehen jährlich für die knapp 100 neuen Ausbildungsplätze ein. Zwar wird der Wettbewerb um kluge Köpfe seit ein paar Jahren schon etwas härter. Qualifizierte Leute zu finden, war bislang aber noch nie ein Problem. Deshalb widerspricht Gerber auch einem gängigen Vorurteil: „Die heutigen Schüler sind nicht fauler oder dümmer als früher, aber selbstbewusster und offener.“

Neben Leistung zählt das Sozialverhalten

Die Ausbildungsleiterin ist daran gewöhnt, Partei für die Jugend zu ergreifen – egal ob in innerbetrieblichen Auseinandersetzungen oder in der Öffentlichkeit. „Ich bin immer für meine Auszubildenden da“, versichert sie. Allerdings wissen die auch, worüber ihre Chefin nicht mit sich diskutieren lässt: „Wer hier anfangen will, muss sich vernünftig benehmen und etwas leisten können und wollen.“

 

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe mich schon immer sehr stark sozial engagiert. Das Interesse für Bildungsfragen ist mit der Zeit gestiegen.

Was gefällt Ihnen besonders?

Ich mag die Vielseitigkeit und Intensität meiner Aufgaben. Zudem arbeite ich mit Menschen zusammen und begleite Jugendliche in ihrer Entwicklung zu selbstbewussten Erwachsenen.

Worauf kommt es an?

Die Fragen junger Leute sind immer wieder anders – darauf muss man sich einstellen. Zudem muss man andere für die Ausbildung im eigenen Unternehmen begeistern können.

 

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