Technik

Im Dienste der Unterwelt


Brennpunkt Bergbau: Bartec sorgt für Sicherheit

Menden. Hier knallt es. Jeden Tag. Der Mechaniker Wilhelm Kirschbaum schickt kleine und größere Metallkisten zur Prüfung in die „Schießkammer“. Schläuche pumpen ein explosives Gasgemisch in die druckfeste Kammer, dann hält Kirschbaum von außen eine Zündkerze dran. Peng! Es hat gefunkt.

Kleine Beule als Qualitätsmerkmal

Der Mann arbeitet bei Bartec in Menden, einem Spezialisten für Explosionsschutz im Bergbau. Und der lässt die Gehäuse seiner Produkte alle einmal hochgehen. „Wenn das Gehäuse undicht ist, ist der Knall so stark, dass manche blass werden“, schmunzelt Kirschbaum. Zum Glück passiert das selten.

Ein perfekt gemachtes Gehäuse trägt nur eine kaum sichtbare Beule davon. Ein Qualitätsmerkmal für den Kunden: Das Ding hat den Härtetest überstanden!

In die dickwandigen Stahlkisten packt Bartec seine Schaltanlagen und Motoren für Vortriebsmaschinen und Förderbänder. Diese buddeln unter Tage und bringen Steinkohle, Kalisalz und Diamanten nach oben.

Und die Bartec-Technik macht den Job der Bergleute sicherer. Denn vom Grubengas Methan geht eine große Gefahr aus. Ein Funke, und es kracht. Stollen stürzen ein, Menschen werden verschüttet. Deshalb hat sich Bartec zum Ziel gesetzt: Funken um jeden Preis vermeiden! Ganz ausschließen lassen sie sich bei der strombetriebenen Technik aber nicht: Dann soll das druckfeste Gehäuse Funken ab- und einer Explosion standhalten.

„Glück auf!“, grüßt Firmenchef Andreas Scheid seine Mitarbeiter in der Tradition der Bergleute. Er selbst hat einige Jahre unter Tage gearbeitet, viele aus der Belegschaft haben einen Bezug zur Branche.

Mehrere Hersteller von Bergbau-Maschinen sitzen im Umkreis von 200 Kilometern und sind Bartec-Kunden. Doch die letzte Zeche hierzulande wird 2018 dichtmachen. Heute kommt die Sicherheitstechnik längst woanders zum Einsatz: in Osteuropa, Kasachstan, der Türkei und vor allem in China.

„Bis zu 90 Prozent unserer Produktion geht direkt oder indirekt ins Ausland“, sagt Gerd Dolenga, der zweite Geschäftsführer. „Entgegen dem deutschen Trend wird nämlich weltweit immer mehr Kohle gefördert“, ergänzt sein Kollege Scheid.

Der hohe Export sorgt für ein gutes Geschäft der deutschen Hersteller, so der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Sie steigerten ihren Umsatz 2010 um 2 Prozent, auf 3,8 Milliarden Euro. Schließlich sind sie mit ihrer Technik für den Abbau von Steinkohle in mehr als 1.500 Metern Tiefe und in dicht besiedelten Gebieten weltweit führend.

Sensor erkennt, wenn es ganz heiß wird

Derweil fachsimpelt Bartec-Monteur Michael Kulik mit Ingenieur Norbert Ulrich über den Einbau eines neuen Temperatur-Fühlers für die Steuereinheit eines Frequenz-Umrichters. Der Umrichter senkt durch sanftes Anfahren und Abbremsen Verschleiß und Energieverbrauch der Förderbänder. Und der Fühler zeigt an, wann die Oberfläche der Steuerung zu heiß wird. Damit sich der Kohlestaub nicht daran entzündet, wird sofort kaltes Wasser eingeleitet.

Eine von vielen Innovationen, die sich Bartec ausgedacht hat. Im Dienste der Unterwelt.

 

Info: Bartec-Gruppe

Die Firma in Menden gehört zur Bartec-Gruppe, einem globalen Anbieter von Sicherheitstechnik für explosionsgefährdete Anlagen wie etwa Raffinerien. Dieser hat 1.400 Mitarbeiter und setzte 2010 rund 240 Millionen Euro um.

Bartec in Menden ist auf Anlagen für den Kohle- und KaliBergbau spezialisiert und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter.

Drei weitere Unternehmen der Gruppe sind in diesem Markt tätig. Sie sitzen in China, Polen und Russland.

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