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„Ich schätze klare Worte“


Frauen-Power in der Chemie: Pharmatechnik-Ingenieurin Tanja Hartmüller

Plankstadt. Tanja Hartmüllers Welt ist aus Edelstahl. Von der Wasseraufbereitung bis hin zur Tablettenpresse hat die Pharmatechnik-Ingenieurin die modernste Fabrikationslinie bei Corden Pharma mit geplant und aufgebaut. Heute leitet die 42-Jährige den Bereich Site Services. Der umfasst neben der Technik auch Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz.

Als weibliche Führungskraft in einer Technikdisziplin ist sie eher die Ausnahme. Frauen als Vorgesetzte sind in deutschen Unternehmen Mangelware: Bundesweit stellten sie 2009 nur 17,4 Prozent der Führungskräfte, so die Analyse der Wirtschaftsauskunftei Databyte. Industrie und Finanzsektor sind weitgehend in Männerhand.

Mädchen begeistern für Naturwissenschaften

Immerhin: In Baden-Württembergs Chemie-Betrieben wächst der Frauenanteil generell. Fast 39 Prozent aller Beschäftigten im Verbandsgebiet sind weiblich (siehe Grafik).

In besser bezahlten Jobs sind es laut einer Studie des Bundesverbands der ChemieArbeitgeber (BAVC) sogar 45 Prozent. „Wenn Mädchen früh für Naturwissenschaften und Technik begeistert werden, kann es was werden“, ist  Hartmüller überzeugt.

Die passionierte Motorrad-Fahrerin lernte Fotolaborantin und setzte eine Weiterbildung zur wissenschaftlichen Fotografin drauf. Drei Jahre lang dokumentierte sie im Stuttgarter Katharinenhospital chirurgische Eingriffe und Pathologie-Befunde.

Doch reicht das auf Dauer wirklich aus? Sie entschied sich anders, holte die Fachhochschulreife nach und studierte Pharmatechnik in Albstadt-Sigmaringen.

Die Vielseitigkeit habe sie interessiert: „Pharmatechnik-Ingenieure vermitteln zwischen  Anlagenbauern und Pharmazeuten. Bei der Planung müssen sie beide Seiten zusammenbringen“, so Hartmüller.

Mit dem Berufsstart im April 1995 ging es gleich zur Sache: Als Projekt-Ingenieurin installierte die junge Frau mit einem britischen Kollegen in Plankstadt eine Anlage für gereinigtes Wasser. Die nächste Herausforderung folgte 1999 mit dem Bau einer „High-Containment-Produktion“ für hochwirksame Arzneimittel wie Hormone oder Hormonblocker.

Das Knifflige: Statt durch unhandliche Schutzanzüge sollten Mitarbeiter und Produkt durch staubdicht verbundene Anlagenteile geschützt werden. Damit weder die Wirkstoffe den Menschen schaden noch die Substanzen verunreinigt werden.

Karriere -Tipp: Sich mehr zutrauen

Nach vier „intensiven“ Jahren ließ sich die Powerfrau im Jahr 2004 zudem zur Fachkraft für Arbeitssicherheit ausbilden.  Seit  Ende 2006 trägt sie nun die Standort-Verantwortung. 2008 kam noch der Werkservice für die Technik hinzu. Seither laufen bei ihr viele Fäden zusammen, wenn es um Dampf oder Druckluft geht, Klima, Wasser, Strom, Abwasser, Brand- oder Werkschutz, Umweltschutz oder Arbeitssicherheit.

Heute steht Tanja Hartmüller 16 Mitarbeitern vor, darunter ist nur eine Frau. Probleme hat sie mit ihrer Rolle nicht. Geradlinigkeit und einen vertrauensvollen Umgang sind ihre Maximen: „Ich schätze klare Worte“, sagt sie dazu schlicht. Ihr Karriere-Tipp für Frauen: „Sich mehr zutrauen. Auch ich musste vieles erst ausprobieren.“

Gabriele Koch-Weithofer

www.cordenpharma.de

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