Interview

„Ich bin sicher: Wir werden weiter zulegen“


Gabriele Sons<br>Foto: Gesamtmetall

Gabriele Sons, Hauptgeschäftsführerin von Gesamtmetall, über die Zukunft unserer Jobs

AKTIV: Wenn  ein junger Mensch Sie fragt, wo er arbeiten soll – mit welchem zentralen Argument empfehlen Sie dann die Metall- und Elektro-Industrie?

Sons: Sie bietet sichere, attraktive und gut bezahlte Arbeitsplätze. Die M+E-Industrie ist davon geprägt, dass sie gut ausgebildete Mitarbeiter braucht – wenn man die mal gefunden hat, möchte man sie auch halten. In der schweren Krise 2008/2009 haben unse-re Betriebe 800.000 Arbeitskräfte, für die eigentlich gar keine Arbeit da war, über die Auftragsflaute hinweg gehalten. Weil sie wussten: Eine eingespielte Mannschaft muss man halten, weil Fachkräfte künftig knapp werden.

AKTIV: Manche sagen ja, die Zukunft gehöre eher den Dienstleistungen.

Sons: Das ist gerade ein Argument dafür, dass M+E zukunftsfest ist. Bei uns haben wir längst Dienstleistung mit dem industriellen Kern verknüpft. So stellen etwa unsere Anlagenbauer nicht nur eine Maschine hin.

Sie bieten den Kunden eine fertige Lösung – Maschine, Finanzierung, Service, Wartung, Logistik inklusive. Deshalb sind die Unternehmen weltweit erfolgreich. Das kann uns auch China so schnell nicht nachmachen.

AKTIV: Was bedeutet dieser Wandel für die Personalsuche? Kommt es nicht mehr vorwiegend auf ein Faible für Technik an?

Sons: Das bleibt ein wichtiger Aspekt. Und es passiert da ja enorm viel – denken Sie etwa an Elektro-Autos oder medizinische Geräte. Bei unseren Unternehmen gibt es tolle Jobs, in denen man sich mit Sicherheit keine Stunde langweilt. Deshalb suchen wir junge Leute – auch Mädchen – für technische Berufe. Aber man muss nicht unbedingt eine technische Ausbildung oder ein Ingenieurstudium haben, um in einer so großen und breit aufgestellten Branche glücklich zu werden.

AKTIV: Wird die Branche weiter wachsen?

Sons: Bis Ende 2011 dürften wir es wieder auf das Vorkrisenniveau von 2008 geschafft haben. Ich bin sicher, dass die Beschäftigung unserer Unternehmen weiter zulegen wird, wenn auch im Inland nicht so stark wie in anderen Ländern.

AKTIV: Für die fast 3,5 Millionen Mitarbeiter ist das eine solide Perspektive. Aber woher soll, angesichts sinkender Schulabgängerzahlen, genug Ersatz für die Ruheständler kommen?

Sons: Der Fachkräftemangel wird eine Herausforderung. Schon jetzt haben Betriebe weniger Bewerber für ihre Ausbildungsplätze. Man gibt Kandidaten eine Chance, die man früher nicht sofort genommen hätte, und tut viel, um auch Schwächere zum erfolgreichen Abschluss zu bringen. Die Guten werden sich aussuchen können, wo sie hingehen: Wer bietet mir eine unbefristete Stelle? Welche Aufstiegsmöglichkeiten habe ich?

AKTIV: Und welche Verdienstmöglichkeiten.

Sons: Die Bezahlung ist schon spitze – wir haben sowohl im Branchen- als auch im internationalen Vergleich sehr gute Einkommen, auf allen Ebenen. Aber bei den sogenannten weichen Faktoren wird sich noch einmal deutlich was verändern.

AKTIV: Etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Sons: Ja, zum Beispiel. Unsere Betriebe mit ihren vielen Arbeitszeit-Modellen sind da nicht schlecht aufgestellt. Aber sie werden noch mehr darauf schauen, was die Mitarbeiter brauchen. Das gilt ausdrücklich auch für Männer, die mal kürzer treten wollen. Flexibilität ist ein zentrales Thema, wenn es darum geht, sich für diesen oder jenen Arbeitgeber zu entscheiden.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang