Hier basteln Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz selbst

Hoppla, alles aus Karton!


Balingen. Das ist das Reich von Heideros Straub: die Montagelinie, die die neue Steuerungselektronik für Kühlschränke eines Markenherstellers produziert. Hier beherrscht die Mitarbeiterin von E.G.O. Control Systems in Balingen jeden Handgriff, hier kommt sie gut zurecht. Kein Wunder: Bei der Gestaltung ihres Arbeitsplatzes war sie dabei. Aus Karton hat sie ihn, im Rahmen eines Workshops, vorab aufgebaut.

E.G.O. entwickelt und produziert Steuerungen für Waschmaschinen, Wäschetrockner, Herde und Kühlschränke. 220 Beschäftigte arbeiten in Balingen. In der Montage (90 Beschäftigte) sind es ausschließlich Frauen, im Durchschnitt 45 Jahre alt. Man hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man ihre Leistungsfähigkeit möglichst lange erhalten kann. Noch wichtiger: „Es geht uns auch um ihr Wohlbefinden“, erklärt Werkleiter Frank Reinhardt.

Deshalb achtet das Unternehmen auf die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze: Einseitige Belastungen und Abläufe, die zu einer schädlichen Körperhaltung führen, sollen vermieden werden. „Dabei beziehen wir die Mitarbeiterinnen ein“, so Reinhardt. „Sie kennen aus ihrer Erfahrung die Details am besten und leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer optimalen Arbeitsplatzgestaltung.“

Immer wenn ein neues Produkt ansteht, gibt es einen Workshop, in dem die passende Montagelinie entwickelt wird. Die Arbeitsgruppe für die neue Steuerungselektronik für Kühlschränke, bei der auch Heideros Straub mitmachte, hatte dafür feste Vorgaben, etwa die Produktionsmenge. Mit diesen Daten entwarfen die Workshop-Teilnehmer die Montagelinie und bauten sie zunächst mit Kartons auf.

Das Ergebnis wurde allen Kolleginnen präsentiert. Die konnten dann selbst den Arbeitsablauf am Kartonmodell testen. „Erst danach wurde die Linie in Eisen gebaut“, erzählt Josef Bühler, Leiter der Arbeitsvorbereitung.

„Die Karton-Methode kommt bei allen Mitarbeitern gut an“, stellt Werkleiter Reinhardt fest. Sie hat überdies den Vorteil, dass Montagelinien viel schneller als früher einsatzbereit für die Serienproduktion sind. „Statt drei bis sechs Monate brauchen wir nur noch drei bis sechs Wochen.“

Man merke auch schnell, wenn etwas einfach nicht geht. Oder was wirklich weiterhilft – wie die Idee für einen hydrau­lischen Stapellift: Der hält die Paletten für fertige Teile immer in einer rückenschonenden Arbeitshöhe.

Etwa ein Dutzend Mitarbeiterinnen aus der Fertigung engagieren sich regelmäßig in den Workshops. Heideros Straub: „Man fühlt sich geschätzt. Wir werden gefragt und nicht einfach an einen Arbeitsplatz gestellt.“

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