Körperpflege

Hinter den Rasierklingen aus Solingen steckt patentes Know-how


Solingen. Katharina Walter hat einen der schärfsten Jobs der Welt. Es ist der tägliche sprichwörtliche „Ritt auf der Rasierklinge“. „Der Schnitt in die Finger ist ein typischer Anfängerfehler“, sagt die 39-Jährige: „Das passiert mir heute nicht mehr.“ Walter überwacht eine Montagemaschine für Rasierklingen und ist hier zugleich letzte Prüfinstanz.

Die Frau arbeitet bei der Wilkinson Sword GmbH in Solingen. Hier produzieren 650 Mitarbeiter Jahr für Jahr 900 Millionen scharfe Enthaarer. 80 Prozent davon gehen in den Export. Geschäftsführer Robin Vauth: „Selbst Männer in China greifen zu unseren Schneiden.“

Interessant dabei: Haben Europäer, Asiaten und Afrikaner auch unterschiedliche Haardicken, so werden sie doch alle über den gleichen Kamm – oder besser gesagt: mit der gleichen Klinge – geschoren. Gut 260 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet der Produktions- und Vertriebsstandort in der Klingenstadt pro Jahr.

Seit 1961 prangt das Wilkinson-Wappen mit den beiden gekreuzten Schwertern in Solingen. Damals hatte das ursprünglich britische Unternehmen den Betrieb von Rudolf Osberghaus („Fasan-Klingen“) übernommen. Seit 2003 wiederum gehört Wilkinson zur amerikanischen Energizer-Holding mit Sitz in St. Louis. Haushaltswaren wie Batterien, Akkus und Taschenlampen zählen ebenso zum Sortiment des Konzerns wie Körperpflegeprodukte.

Wenn’s um Nassrasierer geht, ist Solingen neben Milford (USA) einer der beiden Hightech-Standorte. Im Bergischen Land wurden der Vier-Klingen-Rasierer „Quattro“ sowie sein Vorgänger „Protector“ („So scharf, dass sie hinter Gitter müssen“) für den Weltmarkt entwickelt.

Hier werden auch die Produktionsmaschinen entwickelt und gebaut. So reisten Ingenieure aus Solingen nach Amerika, um ihren Kollegen bei der Entwicklung der Produktionsanlagen für das aktuelle Topmodell „Hydro“ zu helfen.

Solinger Ingenieure leisten auch schon mal Entwicklungshilfe – für die Firmenmutter in den USA

Eine Klinge herstellen ist Hochtechnologie, geschützt durch zahlreiche Patente. Schließlich besteht das scharfe Teil aus bis zu einem Dutzend Teilen, die perfekt verklebt werden. Denn die Klinge von heute hat nichts mehr mit dem scharfen Stück Blech zu tun, mit dem sich unsere männlichen Vorfahren die Haare aus dem Gesicht schabten. Inzwischen besteht sie aus einem Spezialstahl, der flexibel, hart und korrosionsfest ist.

Ausgangsmaterial ist ein Band von der Rolle, das zunächst gestanzt, gehärtet und nur an einer Längsseite mit einem Schliff versehen wird, der einem gotischen Fensterbogen ähnelt. Es folgen der Auftrag einer diamantähnlichen Schicht und einer aus Teflon, danach wird das Band in einzelne Klingen zerteilt.

Aber Achtung, Männer! Der Nassrasierer hat sich emanzipiert, seit Wilkinson 1995 den ersten für die Frau herausbrachte. Frauen kaufen ein Drittel aller Klingen.

Doch egal, ob Mann oder Frau – Vauth macht einen Trend zur Nassrasur aus. Schon 55 Prozent greifen zur wasserumspülten Klinge. Der Firmenchef meint augenzwinkernd: „Ein Mann, der sich nass rasiert, fühlt sich als echter Kerl – und als der bessere Liebhaber.“ Naja, Hauptsache, er pikt nicht ...

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