Mittelstand

Himmlische Geschäfte


Der Kugellager-Spezialist myonic will verstärkt die Luftfahrt-Industrie beliefern

Leutkirch. Die 400 Mitarbeiter der Firma myonic sind ehrgeizig. Mit hinteren Plätzen wollen sie sich nicht zufrieden geben. Im Geschäftsfeld Luftfahrt peilt der Hersteller von Präzisions-Kugellagern aus Leutkirch im Allgäu bis 2013 einen Platz unter den ersten Fünf der Branche an. Und im Röntgenbereich will er das werden, was er in der Zahnarzt-Praxis schon lange ist – weltweit die Nummer eins.

Geschäftsführer Bernhard Böck ist sicher, dass beides zu schaffen ist:  „Schließlich haben wir mit unseren Röntgenröhrenlagern für  die Computertomografie und Mammografie in nur neun Jahren weltweit Platz zwei erobert.“

Das Unternehmen bietet seit mehr als 40 Jahren Speziallösungen für die anspruchsvolle Lagerung von Teilen, die sich schnell drehen und extremen Bedingungen ausgesetzt sind –wie Kälte, Hitze und Druck.

Hohe Anforderungen an das Material

Den Himmel zu erobern, ist trotzdem eine große Herausforderung für das Unternehmen. Denn  der  Aero-Bereich  ist  ein be­­sonderer Nischenmarkt mit ho­hen Zulassungshürden. „Es wirken  eben  andere  Kräfte  an der  Landeklappen-Verstellung ei­­nes Flugzeugs als an einem Zahn­arzt-Bohrer“, so Böck. „Und die Sicherheitsbe­stim­mun­gen sind noch schärfer.“

 

Das stellt hohe Anforderungen an Material und Fertigung. So dürfen etwa die Ringe der Lager bei der Herstellung nicht zu schnell geschliffen werden. Da­durch würden sie weich und könnten  ausfallen. Eine fatale Folge in einem Flugzeug.

Die Hauptarbeit besteht daher darin, sichere Herstellungsprozesse zu entwickeln. Das erfordert einen anderen Maschinenpark, neue Testverfahren und -geräte. „Eine inte­ressante Aufgabe für die vier Mitarbeiter, die derzeit die Keimzelle des Bereichs ,Aero­’ bilden“, sagt Böck.

Magische Grenze geknackt

Auch deren Kollegen machen mehr als Routinearbeit. Kürzlich haben myonic-Ingenieure zusammen mit dem Leutkircher Motorenhersteller ATE System sowie Forschern einer Züricher Hoch­schule einen  Hochgeschwindigkeitsmotor gebaut. Der hat die magische Grenze von einer Million Umdrehungen pro Minute geknackt. Nicht zuletzt dank der Mini­atur-Kugellager von myonic.

Das Unternehmen verliert auch seine Wurzeln nicht aus dem Auge. Jüngste Entwicklung, zusammen mit einem Hersteller in der Schweiz, ist ein rotierender Zahnarztspiegel, der nicht beschlägt. Das Ziel: Platz eins im Dentalbereich zu halten. „Zukunfts­sicherung“, nennt das Böck.

Joachim Sigel

 

Info: Was sind Kugellager?

Kugellager werden eingesetzt, wo Achsen und Wellen sich drehen. Jedes Kugellager besteht aus einem Außen- und einem Innenring, die durch rollende Körper, die Kugeln, getrennt sind. Die Kugeln halten den durch die Reibung entstehenden Leistungsverlust und Material-Verschleiß gering.

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