Pharma-Industrie

Hilfe für das Tier


Das Serumwerk Bernburg entwickelt auch wichtige

Sechseinhalb Minuten – so lange dauert das Kochen eines perfekten Frühstückseis. In derselben Zeit wird weltweit 750 Ferkeln Ursoferran gespritzt, ein Präparat des Serumwerks Bernburg in Sachsen-Anhalt. Das ermöglicht ihnen das Leben.

„Bei den heutigen Schweinerassen droht den Tieren die sogenannte Saug­ferkel-Anämie“, erklärt Helge Fänger, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens. „Denn sie wachsen so schnell, dass die Blutbildung nicht hinterherkommt. Ihnen fehlt Eisen, um Hämoglobin zu bilden.“

Mehrere Standbeine für das Geschäft

In dem Veterinärmedikament Ursoferran ist das Eisen, das in Reinform für Ferkel giftig wäre, chemisch maskiert. Eine winzige Menge wird ihnen als Depot in den Nacken gespritzt. Das repariert das Problem mit dem gefährlichen Blutmangel.

„Wir verkaufen dieses selbst entwickelte Spitzenprodukt international“, berichtet Fänger. Zurzeit laufen sogar Verhandlungen mit einem großen deutschen Pharma-Konzern, der das Mittel ebenfalls gern weltweit vermarkten möchte.

Das Serumwerk hat viele Produkte, die in alle Welt verkauft werden: Wirkstoffe, Medikamente für Mensch und Tier sowie Dialyse-Produkte für Menschen, deren Nieren nicht richtig funktionieren. „Wir haben uns mehrere Standbeine geschaffen“, sagt Fänger. „Mit dieser Strategie können wir Problemen ausweichen, wenn mal ein Marktsegment in Turbulenzen gerät.“

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Unternehmen hat heute fünf Werke, 550 Mitarbeiter und 70 Millionen Euro Jahresumsatz.

Zulassungsbehörden zu langsam

Aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung kommen immer neue Spitzenprodukte. Etwa das Volumenersatzmittel HES aus Kartoffelstärke, das in der Notfallmedizin kurzzeitig Blut ersetzen kann. Oder die am Markt sehr erfolgreichen Dialyse-Filter.

Beim Thema Forschung legt sich Fängers Stirn allerdings auch schnell mal in Falten. Nicht so sehr wegen fehlender Fachleute oder zu geringer Förderung. Was ihn erzürnt, sind die Zulassungsbehörden, bei denen man neue Produkte genehmigen lassen muss.

Zwei Beispiele nennt Fänger: „Wir haben derzeit ein neues Arzneimittel für die Dialyse in Entwicklung und wollten in Deutschland die europaweite Zulassung beantragen.“ Nach ersten Kontakten sei klar gewesen: Das dauert. Nun geht das Serumwerk damit nach Österreich. „Dort verstehen sich die Behörden als Dienstleister.“

Außerdem, so empört sich Fänger, blockiere das Umweltbundesamt seit Jahren die Umweltverträglichkeitsprüfung von zwei neuen Veterinär-Medikamenten. Dabei sei dieses Amt gar nicht zuständig. Und die Zulassungsbehörde wehre sich gegen diese Einmischung nicht ausreichend. Da bleibe nur noch der Klageweg.  Fänger: „So etwas führt jede staatliche Forschungsförderung ad absurdum.“     

Uwe Rempe

Aus für Schweine-Influenza: Erfolg für Impfstoff-Spezialist IDT Biologika

Dessau-Roßlau. Das neue Jahr beginnt prima für IDT Biologika. Ab Mitte Januar wird das Unternehmen aus Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt eine Weltneuheit ausliefern: einen Impfstoff gegen Schweine-Influenza, der gegen alle drei bekannten Sub-Typen hilft. 

„Diese Tierkrankheit hat nichts mit der Schweinegrippe beim Menschen zu tun“, erläutert Geschäftsführer Ralf Pfirmann. Schweine-Influenza wird durch „Orthomyxo-Viren“ sehr rasch übertragen. „Die Schweine verweigern etwa das Futter, bekommen Atemnot und Muttersauen verlieren ihre Ferkel“, berichtet Pfirmann. Erkrankte Tiere sind dann auch für weitere Infektionen sehr empfänglich. Eine vorbeugende Impfung verhindert viele Komplikationen und wirtschaftliche Verluste.

Auch 2009 starkes Wachstum

Fast zehn Jahre Forschung stecken in dem nun europaweit zugelassenen Impfstoff. Wie immer besteht er aus Zell-Komponenten der Erreger, die das Immunsystem des Schweins aktivieren. „Die Nachfrage durch die Züchter war schon in der Zulassungsphase enorm“, sagt Hans-Joachim Selbitz, der Chefwissenschaftler der Firma.

IDT entwickelt und produziert Arzneien für Mensch und Tier auf biotechnologischem Wege. Impfstoffe etwa werden entweder in Bruteiern produziert oder – neu und kostengünstig – in Bioreaktoren. IDT kann beides. Allein 2009 stieg der Jahresumsatz von 80 auf knapp 100 Millionen Euro. Und die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich von 650 auf 750.

Beachtliche 12 Prozent des Umsatzes gibt die Firma für Forschung und Entwicklung aus. Vor einigen Jahren wurde ein neues Laborgebäude errichtet. „Zur Forschung gehört auch, dass wir draußen die Tierseuchen-Situation beobachten, um rechtzeitig den Impfstoff am Markt zu haben“, betont Selbitz.

IDT nimmt auch Förderung in Anspruch. Aber die Bundes- und Landesmittel für Investitionen in Fabriken und Maschinen sind im Bereich Forschung und Entwicklung eher mager. Und Pharma-Forschung ist teuer. Noch wichtiger als Geld wäre für Pfirmann, „dass die Wissenschaft sich stärker am Bedarf der Industrie ausrichtet und viel stärker mit ihr vernetzt“.

Damit die Erfolgsstory weitergeht, wird IDT weiter investieren. „Bis 2012 fließt ein zweistelliger Millionen-Betrag in den Standort“, kündigt IDT-Chef Pfirmann an. In neue Anlagen – und in neue Forschungsprojekte.

Impfstoff kommt nicht ins Schnitzel

Auch für Tiermedikamente gelten bei uns extrem strenge Zulassungsregeln. Dabei geht es auch darum, was an Rückständen am Ende auf unserem Teller landet.

Für Impfstoffe kann Hans-Joachim Selbitz, Chefwissenschaftler der IDT Biologika, jeglichen Rückstand ausschließen. „Sie werden vom Organismus des Tiers aufgenommen und  komplett abgebaut. Das muss in vielen Tests nachgewiesen werden.“

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang