Hilfe bei den ersten Schritten


Junge Paten sollen den Berufseinstieg leichter machen

Wuppertal. Vorsichtig und ganz langsam setzt Lisa Theismann einen Fuß vor den anderen. Die Gardeur-Auszubildende soll einem gewundenen Pfad folgen, den ein blaues Seil auf dem Boden vorzeichnet – und das mit geschlossenen Augen! Das klappt auch leidlich gut. Aber nur, weil ihr zwei Kolleginnen im Wortsinne die Stange halten, ihr mit einem Stab behutsam den Weg weisen.

Nicht zu viel helfen, aber auch nicht zu wenig Halt geben: Genau das soll ein Dutzend junger Leute aus vier namhaften Betrieben an diesem Tag in Wuppertal lernen. Etwa durch die Übung mit dem blauen Seil, die das Thema „führen und geführt werden“ einmal ganz körperlich erfahrbar macht. Denn bald werden sie, die fast alle selbst noch in der Ausbildung sind, eine neue Rolle in der Firma übernehmen: Sie sollen als Paten den im September startenden Lehrlingen bei den ersten Schritten ins Berufsleben helfen.

Was zieht man an, wie wird gefeiert?

Das Patenschaftsprogramm der Brancheninitiative Zitex – Textil & Mode NRW gibt es schon seit fast zehn Jahren. Etwa 25 Firmen haben es laut Personaltrainer Frank Müller bisher genutzt. Nicht zuletzt, um vorzubeugen: „Zu den meisten Ausbildungsabbrüchen kommt es in den ersten drei Monaten“, weiß Müller.

Die Paten sollen ihren Schützlingen etwa bei Motivationsproblemen helfen. Und dabei, sich in den Betriebsalltag zu integrieren. Also auch Fragen beantworten, die Neulinge gar nicht unbedingt stellen: Welcher Kleidungsstil wird in welcher Abteilung erwartet? Aber auch, so Müller: „Wie werden hier Geburtstage gefeiert?“

„Am Anfang weiß man ja gar nicht, was man wissen muss“, bringt es Falke-Azubi Sebastian Kersting auf den Punkt. Nicken in der Runde – an die eigene Ahnungslosigkeit in den ersten Wochen der Lehrzeit können sich viele noch gut erinnern …

„Holt Euch Rückendeckung“, mahnt Müller die angehenden Paten, „findet heraus, welche Räume und wie viel Zeit Ihr nutzen dürft.“ Auch die Grenzen der neuen Rolle sind Thema: Ein Pate soll nicht etwa selbst die Probleme des ihm anvertrauten Azubis lösen – ihm aber zum Beispiel mit schnellen Rückmeldungen helfen. Etwa, wenn es in Sachen Pünktlichkeit hakt.

„Soft Skills“ immer wichtiger

Für Müller steht fest, dass die Paten auch selbst von ihrem Einsatz profitieren werden. „Soft Skills“, also soziale Kompetenzen etwa in Sachen Kommunikation, Kooperation und Konfliktbewältigung würden ja immer wichtiger fürs Berufsleben. So gesehen, sei die Paten-Schulung „der erste Schritt auf der Karriereleiter“.

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