Mittelstand

Hightech zum Jubiläum


Die Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung hakt die Krise ab

Motzen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck ließ es sich nicht nehmen: Er schaute persönlich vorbei, um zum Firmenjubiläum zu gratulieren. Und um zu staunen. Die Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung feierte 80. Geburtstag und präsentierte sich von der modernsten Seite.

Eine neue Halle und dazu ein Hightech-Maschinenpark: Gemeinsam mit den Geschäftsführern Thomas König und Bernd Moos nahm der Landesvater per Knopfdruck fünf neue Spritzgießmaschinen in Betrieb. Mehr als 500.000 Euro haben sie gekostet. „Sie sind das Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagt König. „Sie garantieren, dass wir die hohe Qualität tatsächlich erreichen.“

„Einbußen auf alle Schultern verteilt“

Alle 60 Mitarbeiter und viele Nachbarn und Freunde aus der Kleinstadt Motzen waren gekommen. Was für ein Kontrast: Vor zwei Jahren hat die Krise von ihnen große Opfer verlangt.

„Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht“, erinnert sich die Schichtleiterin Ryna Rosenthal (48). „Als 2008 die Aufträge wegbrachen und wir in Kurzarbeit mussten, blieben wir abwechselnd zu Hause – so haben wir die Einbußen auf alle Schulter verteilt.“

Und der Kunststoffformgeber Michael Jüngling (31) gibt offen zu: „Klar hatte ich Angst. Keiner wusste, wie es weitergeht. Ich bin zweifacher Vater!“ Mit Hanna (3) und Emma (7) ist er nun zum Betriebsgeburtstag gekommen.

Heute ist die Krise vergessen, das Niveau des Vorkrisenjahres 2008 ist wieder erreicht.

Oft großer Zeitdruck

Kunststoff und Gummi lassen sich jeweils gut bearbeiten. Aber in Kombination wird es knifflig. Das Unternehmen hat sich früh darauf spezialisiert. So werden zum Beispiel in har-te Kunststoffträger für Kondensatoren elastische Gummidichtungen integriert.

Das Sortiment beinhaltet über 1.000 Erzeugnisse für unterschiedliche Industriezweige. Man fertigt etwa für Autozulieferer und Elektrotechnik-Firmen – vom wasserdichten Handyteil bis hin zum Zwischenflansch für kleine Motoren oder Kondensator-Dichtscheiben.

„Unsere große Stärke“, so König, „ist die Tatsache, dass wir schnell und flexibel liefern können – europaweit.“ Früher habe man bis zu sechs Monate Zeit gehabt, heute soll die Ware oft binnen einer Woche beim Kunden sein. Wie sein Mitgeschäftsführer Moos war König schon zu DDR-Zeiten im Betrieb. „Von diesen Spritzgießmaschinen hätten wir früher geträumt.“

 

Info: Das Unternehmen

Die Motzener Kunststoff- und Gummiverarbeitung GmbH blickt auf eine lange Geschichte zurück. In den 1920er-Jahren wurde hier mit der Kunststoffverarbeitung begonnen. Man behielt über die Jahrzehnte das Spritzgießverfahren bei, hat alle Varianten durchlebt und gestaltet. In seiner heutigen Form startete man 1993 als „Management-Buy-out“ (Firmenverkauf an leitende Angestellte) mit 15 Mitarbeitern.

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