Chemie und Landwirtschaft

Hightech macht Strohballen rund


In der Landwirtschaft kommen Hightech-Netze aus Michelstadt zum Einsatz

Michelstadt. Die Felder in Hessen geben derzeit ein schönes Bild ab. Rundballen zieren die Äcker. Heuhaufen und Strohgarben gibt es längst nicht mehr.

In den Ballen stecken Heu, Gras oder Stroh, das in erster Linie verfüttert wird. Sie umgibt ein feines Netz aus Kunststoff-Folie. Der Grund: Die Rundballen lagern oft monatelang im Freien. Das Netz schützt den Inhalt vor Wettereinflüssen. Regen perlt an dem Kunststoff größtenteils ab, die Maschen lassen trotzdem Luft durch. UV-Stabilisatoren sorgen dafür, dass es nicht brüchig wird. Spezielle Pressen drücken das Gemähte in die Form, umwickeln es und spucken die Rundballen aus.

Pioniere auf dem Gebiet der Entwicklung waren vor rund 30 Jahren die Rheinischen Kunststoffwerke (RKW) in Michelstadt. Gemeinsam mit einem Hersteller für Landwirtschaftsmaschinen entwickelten Techniker das weltweit erste Rundballennetz.

Gewicht zwischen 350 und 1.000 Kilo

„Es gab ähnlich konstruierte Netze für Paletten sowie Zwiebel- und Kartoffelsäcke“, erzählt Marion Link, Mitarbeiterin in der Abteilung Produktentwicklung. „Das Prinzip haben wir auf Heuballen übertragen.“ Das neue Netz sollte leicht und dünn sein.

Früher war es noch üblich, Heu und Stroh mit Bindegarn zu umwickeln. Heutzutage besteht das Netz aus hochverdichtetem Polyethylen (HDPE). Das Hightech-Material hat es in sich: Es ist extrem dehnbar und reißfest. Warum das wichtig ist? Ein Rundballen wiegt zwischen 350 und 1.000 Kilogramm. Das Futtergut wird in der Presse stark verdichtet und will sich danach permanent ausdehnen. „Das Netz muss es zusammenhalten“, sagt Link.

Die Qualitätskontrolle prüft unter anderem die Reißfestigkeit des Netzes. Verfahrens­mechaniker Karsten Reinhardt spannt vorsichtig die feinen Fäden in die hochsensible Apparatur. Beeindruckend: Sie halten einer Last von mehr als 250 Kilogramm stand. Die Herstellung der Netze erfordert eine Menge Know-how und läuft über viele Stationen.

Zunächst wird das Kunststoff-Granulat in flüssigen Zustand gebracht und mithilfe eines speziellen Verfahrens zu einer breiten Folie gespannt. Eine Maschine mit vielen kleinen Messern schneidet die Bahnen in immer schmaler werdende Streifen.

660.000 Kilometer Netz im Jahr

Ein weiterer Verfahrensschritt (die Verstreckung) macht die Folie reißfest. In der sogenannten Raschelmaschine werden bis zu 500 der dünnen Fäden zu dem Netz verarbeitet. Schaut man zu, denkt man an eine riesige Häkelmaschine. Die Nadeln bewegen sich blitzschnell auf und ab. Der Fachmann nennt den Vorgang „Wirken“.

Rund 4.000 Meter Netz landen am Ende auf einer für die Pressen genormten Rolle. Abfälle gibt es nicht: Sämtliche Kunststoffreste werden aufgeschmolzen und wiederverwendet.

Im Jahr produzieren die Experten in Michelstadt gut 660.000 Kilometer ihres Rundballennetzes. Zum Vergleich: Damit könnte man den Erdball 17-mal umwickeln und weltweit rund 60 Millionen Ballen formen.

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