Auf die Mischung kommt es an

Hightech aus Schrott


Walldürn-Rippberg. Schrott ist nicht gleich Schrott. Das weiß Jörg W. Dossmann, Chef der gleichnamigen Eisengießerei, genau. Denn damit kann das Unternehmen im badischen Walldürn-Rippberg Materialkosten sparen.

„Wir rechnen aus, mit welcher Materialzusammenstellung wir das erforderliche Gesamtrezept am günstigsten hinbekommen“, erklärt der Geschäftsführer. Wie das geht, verdeutlicht der Gießereitechnik-Ingenieur an der Einkaufsliste für eine Gemüsesuppe: „Erbsen, Möhren, Lauch, Sellerie, Salz und Pfeffer kann der Koch einzeln oder im Pack einkaufen. Mal bekommt er die eine Variante günstiger, mal die andere.“

Nur sind bei Dossmann die Zutaten nicht Gemüse und Gewürze, sondern Stanzabfälle, Stahlschrott, Roheisen, Gussbruch, Nickel, Kupfer, Mangan, Chrom, Schwefel und Kohlenstoff. Was genau in dem eingekauften Material steckt, analysieren die Mitarbeiter beim Wareneingang.

Für die Gussteile werden zunächst zweiteilige Modelle hergestellt – mit allen Hohlräumen, Ecken und Kanten. Dann werden die beiden Teile in Kästen gelegt und diese mit einem Formstoff aus Sand und Bindemittel gefüllt.

Wenn der Formstoff ausgehärtet ist, werden die Modellteile wieder entfernt. Die Formkontur erhält einen Überzug für eine glatte Oberfläche.

Für die Ausbildung der Innenkonturen werden aus dem Sandgemisch bestehende Kerne eingelegt.

Dann werden Ober- und Unterkasten zusammengefügt, und fertig ist die Form. Jetzt fehlt nur noch die Schmelze. Das Herzstück der Eisengießerei bilden zwei strombetriebene Induktions-Schmelzöfen mit je fünf Tonnen Kapazität.

Was die Zutaten einer Gemüsesuppe mit Schrott für den Schmelzofen gemeinsam haben

Wenn die Schmelze die richtige Temperatur von 1.450 Grad Celsius erreicht hat, ist es so weit: Mitarbeiter Martin Weckbach schüttet das flüssige Gusseisen aus der Gießpfanne in die Form. Ist diese abgekühlt, wird der Rohguss aus den Kästen entnommen. Die Sandform wird zerschlagen und durch eine Regenerierungsanlage geleitet. So kann der Sand wieder verwendet werden.

„Das Gusseisen verträgt starke Kräfte und zeichnet sich durch seine hervorragenden Dämpfungseigenschaften und freie Formgestaltung aus“, so Firmenchef Dossmann über die Vorteile des Materials, auf dessen Verarbeitung er sich mit seinen 165 Mitarbeitern spezialisiert hat.

Das wissen auch seine Kunden aus dem deutschen und europäischen Maschinen- und Anlagenbau zu schätzen. Rund 13.000 Tonnen Gussteile fertigt Dossmann im Jahr. 2012 setzte das Unternehmen damit 27,5 Millionen Euro um. Damit hat die Traditionsgießerei nach einer gewaltigen Delle 2009 und 2010 den Umsatz der Jahre vor der Krise wieder erreicht.

Gerade befreit Mitarbeiter Klaus-Dieter Schwing ein riesiges, kreisrundes Gussteil mit Druckluft vom Putzstaub. Jetzt glänzt es matt im Tageslicht.

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