Münz-Prägung

Hier wird unser Geld gemacht


Wo kommt eigentlich der harte Euro her? Zum Beispiel aus Stuttgart!

Dass sein Job ein besonderer ist, merkt Giovanni Camarda vor allem, wenn er in die Firma kommt – und dann wieder, wenn er nach Hause geht: Vor dem Arbeitsantritt leert der Maschinenschlosser die Taschen, lässt sein Kleingeld in einem Schließfach zurück. Und vor Feierabend stellt er sich dann einer Kontrolle, wie wir sie nur vom Flughafen kennen. Tag für Tag lässt Camardas Betrieb jeden einzelnen Mitarbeiter durchchecken, damit nicht das kleinste Stückchen Metall falsche Wege geht.

Diese Sorgfalt hat einen guten Grund: Camarda und seine rund 60 Kollegen arbeiten im Stuttgarter Unternehmen „Staatliche Münzen Baden-Württemberg“. Diese Geldfabrik stellt ein knappes Viertel der deutschen Euro-Münzen her.

Ständige Kontrollen

Ein Großauftrag sieht zum Beispiel so aus: 50 Millionen 1-Euro-Stücke, bestellt vom Bundesfinanzminister. Für die Belegschaft heißt das aber nur: exakt 50 Millionen Produkte mit dem Münzzeichen „F“, die sich gleichen müssen wie ein Euro dem anderen – und deren Herstellung länger als einen Monat dauern wird. Ob es den Mitarbeitern da überhaupt noch bewusst ist, dass sie tagtäglich mit Millionen hantieren?

„Das ist höchstens in der Anfangsphase verlockend“, antwortet Produktionsleiter Peter Preuss trocken, „wir werden ja rund um die Uhr überwacht.“ Kontrolle muss sein – das schimmert immer wieder durch, wenn Preuss den Produktionsablauf erklärt.

 

Im Wareneingang stapeln sich Holzkisten mit sehr glatten  Metallplättchen, den sogenannten Ronden. „Wir prüfen Stichproben auf Durchmesser, Härte, Randdicke, Leitfähigkeit“, so Preuss, „Reklamationen sind ganz selten.“

Was bald ein harter Euro werden soll, liegt hier noch in zwei Teilen: goldfarbene Rin-ge und silberfarbene Kerne. Das ändert sich ein paar Türen weiter – und auf einen Schlag. Von einer Prägemaschine werden Ring und Kern mit einer Wucht von 75 Tonnen zusammengepresst und die Motive beider Seiten ins Metall geprägt. Allein durch diese Um-formung werden Ring und Kern felsenfest verbunden.

Zu sehen ist davon nichts, schon weil alles so schnell geht: Pro Sekunde spuckt die Maschine ein gutes Dutzend blitzblanker Münzen aus. Schon nach wenigen Stunden sind die zwei stählernen Prägestempel verschlissen.

Diese Stempel sind sozusagen die Negative der beiden Münzseiten. Und ihnen ist von Anfang bis Ende ein spezielles Schicksal beschieden: Während die Prägemaschine vom Göppinger Spezialisten Schuler stammt, wird jeder einzelne  Stempel im hauseigenen Werkzeugbau des Münzpräge-Unternehmens gefertigt – Fotografieren ist hier nicht gestattet. Verbrauchte Prägestempel werden unter Aufsicht eingeschmolzen.

Minimale Abweichungen

Lässt die Qualität nach, merkt es das geschulte  Auge: „Jeder Mitarbeiter hat eine Lupe in der Tasche“, so Preuss. Gerade wechselt Maschinenschlosser Camarda einen abgenutzten 1-Euro-Prägestempel aus. Er lässt die Maschine neu anlaufen – und beäugt die ersten Stücke besonders sorgfältig: Sitzen die Motive mittig? Stimmen alle Maße? Etwa der Durchmesser: 23,25 Millimeter ist 1-Euro-Norm – mehr als 0,05 Millimeter Abweichung werden nicht toleriert.

Normal ist es dagegen, dass nicht immer „2008“ auf einer heute geprägten Münze steht. „Die Produktion von 30 Millionen 2-Euro-Gedenkmünzen des Jahres 2009 läuft zum Beispiel gerade an“, sagt der Vertriebsmitarbeiter Michael Reissner. Seltener, für Experten aber nicht überraschend, kommt auch das Gegenteil vor: Eine Maschine prägt gerade 1-Euro-Stücke mit der Jahreszahl „2004“. „Hier wird ein Alt-Auftrag erledigt“, erklärt Produktionsleiter Preuss.

Die fertige Ware wird nicht nur im Prägesaal sorgsam kontrolliert: „Es werden Proben gezogen“, erklärt Camarda, „unser Qualitätsmanagement überprüft diese Münzen.“

Abgewogene Ware

Erst dann gibt es grünes Licht zum Verpacken. Eingetütet wird das frische Geld automatisch. Und auch dabei wird ständig kontrolliert, damit kein Cent verloren geht. „Jedes Stück wird zum Beispiel beim Rollieren gezählt“, sagt Preuss. Aus vielen Rollen wird schnell ein Päckchen, das ganz fein abgewogen wird: Eine einzige fehlende Münze würde auffallen.

Schließlich landet das Produkt der Stuttgarter Geldmacher in verplombten Kisten – und geht auf die Reise zu den einzelnen Bundesbank-Filialen.

Thomas Hofinger

 

Brandzeichen per Laserstrahl: Innovativer Schutz vor Fälschungen

Gefälschte Euro-Münzen sind bei uns sehr selten: Auf 1.000 Einwohner kommt pro Jahr nur eine einzige Falschmünze, wie die Statistik der Deutschen Bundesbank ausweist. Trotzdem tüfteln Experten an neuen Methoden, um unser Hartgeld noch unnachahmlicher zu machen. Zum Beispiel mit einem per Laserstrahl eingebrannten Hologramm.

„Das ist im Moment weltweit einmalig“, sagt Martin Erbe. In seiner Hand hat der Mechatroniker aus der Entwicklungsabteilung der Stuttgarter Münzprägestätte ein ganz normales 2-Euro-Stück, in dessen Mitte es aber seltsam schimmert: Je nach Lichteinfall ändern sich die Farben, ähnlich wie bei den Hologrammen auf unseren Geldscheinen. „Dieses Sicherheitsmerkmal ist prägetechnisch aufgebracht“, erklärt Erbe, „mit einem Femtosekundenlaser.“ Ein Schutzlack verhindert, dass sich das moderne Brandzeichen abnutzt.

Ob und wann wir solche Münzen im Geldbeutel haben werden, ist allerdings noch völlig offen.

 

„Bei uns kann jeder bestellen“

Neben Umlauf- und Sammlermünzen prägen die Stuttgarter Staatsbediensteten auch Medaillen für jeden Anlass – zum Beispiel Blutspende-Auszeichnungen für das Deutsche Rote Kreuz. Ob Sportverein, Firma oder Privatperson: „Bei uns kann jeder bestellen“, erklärt Vertriebsmitarbeiterin Heidemarie Wüst, „100 Stück sollten es schon sein.“ Diese Mindestmenge einer sorgfältig gestalteten Medaille kostet etwa 3.000 Euro – je nach Größe, Motiv und Material aber auch deutlich mehr.

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