Mitarbeiter

Hier wird investiert: In die Belegschaft


Wie Betriebe auf steigenden Altersdurchschnitt und Fachkräftemangel reagieren

Frankenthal/Kirchheimbolanden. So mancher Personalchef seufzt, wenn er Zahlen zur demografischen Entwicklung liest. Bis 2030 ist in unserem Land nur noch jeder Zweite im erwerbsfähigen Alter. Das sind 7,5 Millionen potenzielle Arbeitskräfte weniger als noch im Jahr 2008.

Was den Personalern Kopfzerbrechen bereitet, bedeutet für die Arbeitnehmer mehr Chancen. Denn die Betriebe investieren umso mehr in das Wohlbefinden und die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter – damit wir alle länger bleiben.

Gesundheitscheck und mehr Urlaub

Zum Beispiel der Pumpen- und Armaturenhersteller KSB mit Hauptsitz in Frankenthal (4.500 Mitarbeiter deutschlandweit). Personalleiter Armin Zisgen: „Wir haben uns schon um die Jahrtausendwende mit der Frage beschäftigt, wie wir die Älteren fördern können.“ Immerhin sind heute schon 32 Prozent der Mitarbeiter über 50. Ein Ergebnis ist zum Beispiel der Gesundheitscheck: Er wird für alle Mitarbeiter ab 55 Jahre angeboten.

Ab 58 kann man sich von der Nachtschicht befreien lassen oder die Arbeitszeit reduzieren, ab 63 gibt es drei Urlaubstage extra. Und das ist längst nicht alles. Zisgen: „2010 haben wir für alle über 40-Jährigen ein Darmkrebs-Screening angeboten.“

Nicht nur in diesem Unternehmen ist der steigende Altersdurchschnitt ein Thema. In der gesamten Metall- und Elektro-Industrie ist die Zahl der Mitarbeiter ab 60 in den letzten elf Jahren von 85.000 auf 152.600 gestiegen.

Darauf reagiert Borg Warner Turbo Systems in Kirchheimbolanden mit besseren Arbeitsbedingungen. Tanja Romboy leitet dort den Bereich Arbeitssicherheit. Es gehe darum, den Krankenstand zu reduzieren, das Wohlbefinden zu erhöhen, Krankheiten vorzubeugen. „Vor zwei Jahren haben wir richtig losgelegt und alle Prozesse neu durchdacht“, erklärt Romboy.

In diesem Werk von Borg Warner produzieren mehr als 2.400 Mitarbeiter Turbolader für Kraftfahrzeuge. Viele müssen schwere Teile tragen und schieben, sich bücken und lange stehen. Mit einer speziellen Methode berechnen die Personaler die Belastung an jedem Arbeitsplatz – und überlegen sich, wie man sie verringern kann. „Es gibt viele Lösungen, auch im Kleinen“, erklärt Romboy.

Viermal pro Woche kommt die Werkärztin

So sorgen Hubwagen dafür, dass Mitarbeiter die Turbolader leichter hochheben können. Gummimatten erleichtern das Stehen. Viele Tische sind elektrisch verstellbar. „Viermal pro Woche haben wir eine Werkärztin im Haus“, schildert Romboy.

Der Erfolg solcher Maßnahmen ist zwar nur begrenzt messbar. „Aber wir sind davon überzeugt“, so Romboy, „dass sie auch für die Produktivität etwas bringen.“ Je länger ein Mitarbeiter gesund sei, desto seltener müsse Ersatz gesucht werden. Bei KSB beobachtet Personalleiter Zisgen: Der Krankenstand sinkt, das Austrittsalter steigt.

Die Betriebe investieren auch in die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Und in die Jugend. KSB etwa holt regelmäßig Kindergarten- und Schülergruppen ins Haus. Denn den Firmen der M+E-Industrie geht der Nachwuchs aus. Selbst im Krisenjahr 2009 konnten sie 5 Prozent der Lehrstellen nicht besetzen.

„Dieses Problem haben wir noch nicht“, erklärt KSB-Ausbildungsleiter Franz Eller. „Aber wir spüren an unserem Standort in Halle schon, was auf uns zukommt.“ Dort herrscht Landflucht, junge Leute sind Mangelware.

Wieder eine Chance für Arbeitnehmer – und im ganzen Land gibt es Millionen solcher Chancen. Jetzt geht es darum, sie zu nutzen.

 

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