Weltmarktführer

Hier wird ein Smartphone zum Autoschlüssel


... und es hat „plopp“ gemacht

Velbert. Ulrich Müller nähert sich einem parkenden Auto, tippt auf ein Smartphone. Klack! Der Wagen entriegelt seine Türen. Noch mal tippen: Die Fenster gehen auf. Mit dem nächsten Befehl macht Müller sie wieder zu, die Sicherungen rasten ein. Dann, Müllers Finger wischt wieder übers Phone, zeigt die App Kilometerstand, Tankinhalt und den Luftdruck der Reifen an.

Der Mann mit dem Handy lächelt zufrieden; er und seine Crew haben das Ganze ausgetüftelt. Müller ist Chefentwickler bei Hülsbeck & Fürst (kurz Huf), dem Weltmarktführer für Kfz-Schlüssel und Zugangssysteme im nordrheinwestfälischen Velbert.

Natürlich werde sich nicht jeder Kunde für diese Hightech-Lösung entscheiden, meint Müller. Aber die junge Generation dürfte darauf abfahren. Oder der Großstädter, der keinen eigenen Wagen mehr besitzt und deshalb CarSharing nutzt.

Dabei kann eine Schlüssel-App noch viel mehr. Hat man das Auto etwa dem Sohn geliehen, lässt sich eine Geschwindigkeitsobergrenze oder eine Frist für die Nutzung festlegen. Und man kann das Auto überall orten: So haben Diebe weniger Chancen.

Selbst wenn das Handy mal verloren gehen sollte, ist das kein Grund zur Panik: Nur der rechtmäßige Besitzer kommt ins Fahrzeug, indem er den richtigen Code eingibt. Künftig, so Müller, könnte das auch mit Fingerabdruck oder Stimme funktionieren.

Schlüssel mit Bart für den Notfall

Klar, so mancher Kunde hat doch lieber einen richtigen Autoschlüssel in der Tasche. Zumal der bei Luxus-Modellen auch richtig was hergibt. Porsche-Fahrer halten ihren Sportwagen in Miniatur in der Hand: Der „Türöffner“ bildet die Karosserie nach und ist auch in der entsprechenden Autofarbe lackiert erhältlich. Den guten alten mechanischen Schlüssel mit Bart gibt es für den Notfall aber immer noch, falls die Batterie einmal leer sein sollte.

Wie innovativ das Familienunternehmen Huf ist, verdeutlicht eine einzige Zahl: Es meldet im Schnitt 55 Erfindungen zum Patent an – pro Jahr!
220 von insgesamt 1.400 Mitarbeitern am Stammsitz Velbert tüfteln in Forschung und Entwicklung an den Produkten von morgen.

Entsprechend anspruchsvoll ist daher die Arbeit in der Produktion. „Deshalb erwarten wir auch von unseren gewerblichen Mitarbeitern, dass sie sich mit Computern auskennen“, sagt Firmensprecherin Ute Hoppe.

So einen Hightech-Arbeitsplatz hat Volkan Karagülle. Die Anlage, die der junge Industriemechaniker bedient, legt die elektronischen Platinen in die untere Schlüsselschale. Dann kommt die Oberschale mit den bereits montierten Tasten drauf. Beide Schalen werden kräftig aufeinander gerieben: Das erhitzt und verschweißt die Kunststoffränder.

Dann legt ein Roboter die fertigen Teile in eine Box und drückt nacheinander alle Tasten. „Leuchten auf dem Bildschirm alle Symbole grün, ist der Schlüssel freigegeben“, erklärt Karagülle. Wenn nicht, gibt es einen Fehler – und der Mann muss nachschauen, was in seiner Anlage schiefläuft.

Suche nach Ingenieuren – in Spanien

Huf beliefert zwar die meisten Autohersteller und hat auch Fabriken in Großbritannien, Spanien, Portugal, Polen und Rumänien sowie in Amerika und Asien, die insgesamt fast 4.800 Menschen beschäftigen. Doch von Velbert aus werden vor allem die Premium-Marken beliefert.

„Einige unserer Kunden, wie zum Beispiel Mercedes, legen Wert darauf, dass die Schlüssel aus Sicherheitsgründen ausschließlich in Deutschland produziert werden“, sagt Firmenchef Ulrich Hülsbeck. Weite Teile der Fertigung hier ähneln einem Hochsicherheitstrakt: Der Zugang zum teuren Auto ist Firmengeheimnis.

Da Premium-Autos derzeit gut laufen, sind die Auftragsbücher voll. Das Unternehmen sucht deshalb hochqualifizierte Fachkräfte: Nach Ingenieuren hat es sich sogar schon in Spanien umgesehen.

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