Investitionen

Hier wird die Zukunft geschmiedet


Standort-Stärkung für Buderus Edelstahl in Wetzlar

Wetzlar. Norbert Schwalbach hat einen heißen Job: Er ist Pressenschmied bei Buderus Edelstahl in Wetzlar, Hessens einzigem Freiformschmiedewerk. An seinem Arbeitsplatz werden glühende Stahlblöcke, bis zu 160 Tonnen schwer, von einer gigantischen Presse in Form gebracht. Mit ungeheurer Kraft wird der auf über 1.200 Grad Celsius erwärmte Rohblock geformt wie weiche Knete.

100 Millionen Euro wurden investiert

Wer glaubt, dass so eine Edelstahlschmiede mitten in Deutschland keine Zukunft mehr hat, täuscht sich. Voes­talpine Böhler-Uddeholm, der österreichische Mutterkonzern von Buderus Edelstahl, hat gerade rund 100 Millionen  Euro in den Standort investiert. „Für eine neue Dimension der Stahlverarbeitung“, so Geschäftsführer Karl-Peter Johann.

Kernstück ist eine neue 8.000-Tonnen-Freiform-schmiedepresse, die dritte Linie neben den 2.000er und 5.500er Pressen. Eine Halle wurde gebaut, acht größere Schmiedeöfen, weiteres Zubehör angeschafft. Traditionell erzeugt das Unternehmen sehr hochwertige Stähle für viele verschiedene Branchen.

Vor allem für den Energie- und Sondermaschinenbau werden immer größere und schwerere Bauteile nachgefragt, zum Beispiel für Generatoren und Turbinen für Kraftwerke.

Gleichzeitig wachsen aber die Anforderungen an die Werkstoffe. „Durch höhere Legierungen wird der Stahl jedoch schwerer verformbar, sodass wir eine größere Presse benötigen, um in der Spitze der technologischen Weiterentwicklung maßgeblich mitzuwirken und nicht nur den Wettbewerbern in Korea und China weiterhin die Nasenlänge voraus zu sein“, erläutert Nicol Dietrich Müller, der Betriebsleiter der Schmiede.

In Kürze ist es nun endlich so weit, und die neue Presse geht nach knapp eineinhalb Jahren Bauzeit in Betrieb. Geschäftsführer Johann: „Auch wenn wegen der Wirtschaftskrise die Auslastung der neuen Anlage sicher nicht so schnell erreicht werden wird, wie ursprünglich geplant.“

Die hektische Betriebsamkeit der letzten Monate auf der Baustelle – vorrangig im Schichtbetrieb rund um die Uhr – lässt die Mitarbeiter trotz Kurzarbeit optimistisch in die Zukunft schauen. „Die verstärkte Ausrichtung auf schwerere Schmiedestücke ist ein klares Bekenntnis zum Standort und eine gute Perspektive für das Stahlwerk“, so Kris Wagner, Betriebsassistent im Schmelzbetrieb.

Einfach ein gutes Gefühl

Produktionsmitarbeiter Udo Lang arbeitet seit kurzem an einer neuen Drehbank, an der Stahlteile bis 80 Tonnen Gewicht bearbeitet werden können – ebenfalls eine Neuanschaffung im Zuge der Investition. „So ein Aufwand gibt ein gutes Gefühl für die Zukunft“, sagt Lang.

Auch Norbert Schwalbach ist begeistert. Er gehört zu dem Team, das die neue Anlage steuern wird: „Für uns wird das eine echte Herausforderung, auf die wir uns freuen, denn wir haben hier ganz neue Perspektiven.“

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