Medizintechnik

Hier wird der ganzen Welt der Puls gefühlt


Welch Allyn stellt Blutdruckmessgeräte für die ganze Welt her

Jungingen. Der Unterschied ist gewaltig. Was bei einem klassischen mechanischen Blutdruckmessgerät mehrere Zahnräder erfordert, übernimmt bei der DuraShock-Technologie ein gut zwei Zentimeter langer Stift in Verbindung mit einer speziellen Feder.

Das hochpräzise Messgerät des amerikanischen Medizintechnik-Herstellers Welch Allyn funktioniert ohne Getriebe. Die Mitarbeiterin Tatjana Riedel benötigt Mikroskop und Kamera, um den Draht an das Werk anzuschweißen, wo später der Zeiger befestigt wird. Riedel arbeitet am schwäbischen Standort Jungingen. Dort werden seit 2003 die DuraShock-Messgeräte für den Weltmarkt gefertigt.

Die Fertigung wurde umgekrempelt

„Das Gerät kann aus 75 Zentimeter Höhe fallen und funktioniert noch ganz genau. Und es ist erheblich leichter als klassische Geräte“, erklärt Werkleiter Markus Sieber.

Dass sich Jungingen gegen andere Konzern-Standorte durchsetzte und die Produktion der Hightech-Geräte erhielt, liegt auf der Hand. Hier gibt es langjährige Erfahrung im Bau mechanischer Blutdruckmessgeräte.

Denn hinter Welch Allyn verbirgt sich das ehemalige Traditionsunternehmen Speidel+Keller. „Dazu kommt die konsequente Umstrukturierung unserer Produktionsprozesse“, ergänzt Sieber.

So wurde die Fertigung umgekrempelt: Wo früher Chargen Schritt für Schritt zum Teil in Heimarbeit auf Lager gefertigt wurden und dort auf ihren Abruf warteten, löst heute der Kundenauftrag die Produktion aus. Nach Fertigstellung wird sofort verschickt.

Neben der Entwicklung und Produktion der Blutdruckmessgeräte vertreibt Jungingen das gesamte Welch-Allyn-Programm in Deutschland. Kunden sind Krankenhäuser, Ärzte und Rettungsdienste. Außerdem ist der Standort Servicestelle für Europa und den Mittleren Osten.

Das alles wird mit 93 Mitarbeitern bewältigt. Einer von ihnen, Feinmechaniker Giuseppe Ferro, ist seit 35 Jahren in der Fertigung tätig. „Es ist alles feiner geworden. Früher arbeitete ich an mechanischen Drehbänken, heute bediene ich Lasersysteme“, beschreibt er die Veränderungen. „Jeder von uns muss mehr können, um die Flexibilität sicherzustellen, die wir benötigen.“

Zeitarbeiter werden übernommen

Nicht nur die Produktion ist anspruchsvoller geworden. Jeder Mitarbeiter muss heute neben Deutsch auch Englisch beherrschen. In der Verwaltung und im Service ist sogar Mehrsprachigkeit Pflicht.

Das macht die Suche nach Fachkräften nicht einfacher. „Leider gibt es wenig Sprachtalente mit technischer Ausbildung oder technischem Studium“, klagt Personalleiterin Daniela Gurski-Mura.

Deshalb nutzt das Unternehmen auch Zeitarbeit. „Wer zwei bis drei Jahre bei uns war, ist in der Regel sehr gut qualifiziert und wird auch übernommen“, sagt die Personalchefin. Auch Tatjana Riedel kam so zu Welch Allyn.

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