Papierverarbeitung

Hier trainieren Profis von morgen


Wie junge Leute am Berufsschulzentrum Lindau alles über Papierverarbeitung lernen

Lindau. Julia Haslbeck und Martina Fleschutz mustern ein Brett. Es hat fein eingeritzte Nuten – in diese müssen sie nun Stahlbänder einpassen, von Hand. Lehrer Josef Fröhlich erklärt ihnen, wie das geht. Das Ergebnis: ein Stanzwerkzeug. Es ist unverzichtbar, um aus einem Stück Karton eine schmucke Faltschachtel zu machen.

Präzision tut dabei not: Sitzen die Stahlbänder schief, lückenhaft, zu tief oder zu hoch, kann das Werkzeug in der Flachbettstanzmaschine die Schachtel nicht sauber ausstanzen – alle Mühe wäre umsonst.

Die beiden jungen Frauen lernen im zweiten Lehrjahr den Beruf des Packmitteltechnologen und absolvieren gerade einen mehrwöchigen Blockunterricht an der Berufsschule in Lindau am Bodensee. Mit knapp 300 Auszubildenden und 10 Lehrkräften ist die Einrichtung Deutschlands größte Schule für diesen Beruf. „Und sie ist auch die am besten ausgestattete Schule“, sagt Fröhlich, der den Fachbereich Packmitteltechnologie leitet.

„Das verdanken wir der engen Kooperation mit Unternehmen und den bayerischen Papierverbänden, die uns mit Know-how und Spenden unterstützen.“

Der Mann kennt sich aus, schon seit 1986 begleitet er als Berufsschullehrer die Auszubildenden der Papier verarbeitenden Indus­trie. Und er hat auch am neuen Rahmenlehrplan für den Beruf mitgearbeitet – daher weiß Fröhlich: „Wir bilden Tausendsassas aus, also Allrounder, die wirklich alles können.“

Kundengespräche führen, Material auswählen und ganz moderne Maschinen bedienen

Dazu zählt etwa: Kundengespräche führen, Material auswählen, Verpackungen per Computer kons­truieren, modernste Maschinen bedienen.

Wie man Faltschachteln herstellt, das beschäftigt die Azubis in allen drei Ausbildungsjahren. Sie starten mit einfachen Kisten, die auf Karton gezeichnet und von Hand gefertigt werden. Später geht es an die Konstruktion per Computer und die Produktion mit Maschinen.

Viktoria Kibler lernt seit 2011 beim Unternehmen Hans Kolb Wellpappe im bayerischen Memmingen. Den Beruf des Packmitteltechnologen hatte die Hauptschul-Absolventin durch ein Praktikum entdeckt. „Vielleicht mache ich später noch meinen Meister oder den Techniker“, sagt sie. Doch im Moment muss auch sie erst einmal Stahlbänder zurechtbiegen fürs Stanzwerkzeug – erst später wird  sie lernen, wie man einen computergesteuerten Linienbiegeautomaten bedient.

Eva Dietrich und Alexander Schmidt wiederum sind schon im dritten Ausbildungsjahr, sie montieren gerade ein Leimwerk in die Maschine, die Faltschachteln klebt. Die Arbeit an dieser Anlage ist bei den Schülern besonders beliebt: „Im Unternehmen kommt nicht jeder an eine solche Anlage ran, denn die muss laufen“, sagt Fröhlich, „Stillstand in der echten Produktion ist einfach zu teuer.“

Azubi Schmidt, der seine Ausbildung bei der Kunert-Gruppe macht, weiß schon: „Für die Arbeit an so einer Maschine braucht man Feingefühl und ein gutes Verständnis dafür, wie sie funktioniert.“

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