Deutschlands einzigartige Süßwarenakademie

Hier steht Naschen auf dem Stundenplan


Solingen. Der Mann hat’s gut: Naschen gehört zu seinem Beruf. Nils Schünemann probiert gerade ein Dragee. Die süße Glasur schmilzt im Mund dahin. Jetzt kann der weiche Kern der Pastille seinen Geschmack entfalten. Der Fachlehrer für Süßwarentechnik schürzt die Lippen: „So muss es sein.“

In Schünemanns Dragierkurs hat Schülerin Sarah Shanshal die Kreation angerührt. Ort der süßen Mischversuche: die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) in Solingen, Nordrhein-Westfalen.

Kakaobohnen rösten und Figuren gießen

Die Akademie im Bergischen Land ist die einzige ihrer Art in Deutschland. In den Klassen- und Technikräumen dreht sich alles um Zuckerwaren, Schokolade, Backwaren, Knabberzeug, Konfekt und Dragees.

Pro Jahr durchlaufen gut 1.500 Teilnehmer in Aus- und Weiterbildungskursen die Akademie, knapp die Hälfte davon ist süßer Nachwuchs: Lehrlinge, die ihre Ausbildung zur Fachkraft für Süßwarentechnik machen.

Wer demnächst in Weihnachtsplätzchen beißt oder den Schoko-Nikolaus auspackt, kann sicher sein: Da steckt süßes Know-how aus dem Bergischen drin. „Die jungen Fachkräfte der Süßwarenbranche kommen aus Solingen“, sagt Andreas Bertram, geschäftsführender Direktor der Schule.

So wie Jonas Brunn. Der junge Eisenacher hat im September seine Ausbildung zum Süßwarentechniker begonnen, beim Bonbonspezialisten Storck am Standort Ohr­druf in Thüringen. Jetzt ist er für vier Wochen in Solingen, im schuleigenen Jugendwohnheim: „Ich absolviere meinen ersten Blockunterricht“, sagt er.

In den nächsten drei Jahren wird er jeweils dreimal in Solingen sein. Und Kakaobohnen rösten, Schokolade conchieren, also zu einer gleichmäßigen Masse rühren, oder Hohlfiguren gießen. Das hört sich nach bodenständigem Handwerk an.

Doch der Schein trügt. „Die Süßwarenherstellung ist stark automatisiert“, sagt ZDS-Direktor Bertram. „Sie hat industrielle Größenordnung.“ Anders wäre die Lust nach süßem Naschwerk kaum zu stillen.

Jeder Deutsche verputzt 32 Kilo im Jahr

Die knapp 200 Hersteller freut’s: Allein 2011 machten sie hierzulande mehr als 9 Milliarden Euro Umsatz mit gut 2,6 Millionen Tonnen Süßwaren. Das sind 32 Kilogramm Süßigkeiten pro Kopf.

Sorgen um ihre Zukunft müssen sich die jungen Fachkräfte nicht machen. Zumal sie an modernen Produktionsanlagen lernen. Gerade erst haben die Solinger 3,8 Millionen Euro in Technikum und Schulungsräume investiert.

Dragier-Spezialist Schünemann hat den Umbau mitorganisiert. Der 26-Jährige war selbst Schüler an der Akademie, hat 2006 den Abschluss zum Süßwarentechniker gemacht – bei der einzigen IHK in ganz Deutschland, die diese Prüfung abnimmt.

Jetzt lehrt er selbst und sagt: „Einmal Süßwarenakademie, immer Süßwarenakademie.“

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