Fortbildung

Hier sind Lehrer ganz Auge


Uni Hannover und Chemie-Verband machen Pädagogen in Biotechnik fit

Nach zwei Tagen kommt der spannende Augenblick: Konzentriert zirkelt die Chemielehrerin Franziska Schauerhammer Tröpfchen in die winzigen Lö­cher eines gel­artigen Bands. Die kriechen in dem durchsichtigen Trenn-Gel nach unten und ziehen dabei Striche aus gelben Banden.

Gespannt be­obachtet die Studienrätin: Wie schnell und weit laufen die Tropfen? Kommt einer genauso weit wie die Vergleichsprobe, ist also ein Treffer? Dann ein Jubelruf: „Prima, es hat ge­klappt. Das gewünschte Ei­weiß ist dabei.“

Einmal wie die Großen fühlen

Biotechnik einmal ganz praktisch. Schauerhammer und elf Kollegen aus Gesamtschulen und Gymnasien experimentieren in den Labors des Instituts für Technische Chemie der Leibniz Uni Hannover zweieinhalb Tage nach Herzenslust.

Und fühlen sich dabei wie Forscher von Unis und Unternehmen. „Wir stellen mit gentechnisch veränderten Bakterien ein Ei­weiß her, mit dessen Hilfe man Penicillin gewinnen kann“, er­klärt die Pädagogin aus Wolfsburg. „Genau so produzieren Pharma-Betriebe wichtige Arzneistoffe.“

Im Studium haben die Lehrer diese Techniken meist nicht gelernt. „Im Praktikum erfahren sie, wie das geht, wie die Apparate funktionieren und wie sie die Geräte zusammenbauen: Und sie üben Methoden, um wichtige Stoffe nachzuweisen und zu messen“, schildert Privatdozentin Cornelia  Kasper von der Uni, die die Pädagogen mit betreut. „Davon können sie eine Menge auch im Unterricht einsetzen.“

Deshalb bieten die Leibniz Uni und der VCI-Nord (Verband der Chemischen Industrie) das Biotechnik-Praktikum als Fortbildung an. „Wir wollen Lehrern helfen, Neues in den Unterricht einzubauen und sponsern den Kurs“, erklärt VCI-Referentin Sabine Keitel. Damit  die  Pauker  Schüler mehr für Chemie begeistern können.

Und die Lehrer sind voll bei der Sache. Sie „füttern“ die Mikroben im großen Glasgefäß (Fermenter) mit wichtigen Nährstoffen und beobachten durchs Mikroskop, wie die „Minis“ wachsen und sich vermehren.

„Wir haben Proben davon zentrifugiert, mit spezieller Filtertechnik gereinigt und die Eiweiß-Mischung untersucht“, berichtet Bio- und Chemielehrer Udo Cronshagen aus Große­fehn. „Im Unterricht ha­be ich mit den Schülern schon den genetischen Fingerabdruck gemacht. Das sind ähnliche Arbeitsschritte.“ Hier lernt Cronshagen weitere Kniffe.

„Genau der Kick, den wir brauchen“

Auch Chemielehrerin Christine Brand aus Bremervörde ist das wichtig: „Heute kann man alles irgendwo im Netz nachlesen, doch das ersetzt nicht das Anfassen. Das praktische Ar­beiten gibt uns genau den Kick, den wir brauchen.“ Und man könne Tipps austauschen.

Das Konzept kommt an. Zunächst nur für zwei Jahre gedacht, ist das Biotechnik-Praktikum längst etabliert. Für die zwölf Plätze melden sich meist doppelt so viele Interessenten, berichtet Kasper. „Sogar aus Sachsen und Thüringen reisen Lehrer an.“

Was der Chemie-Verband alles für Pädagogen tut

Neben dem Biotechnik-Praktikum bietet der Verband der Chemischen Industrie in Hannover Lehrern noch andere Hilfen. Experten schulen Kindergärtnerinnen in einfachen Versuchen. Für Grundschulen gibt es Experimentierkästen, für Schulklassen und Kurse jedes Jahr einen Chemie-Wettbewerb, für Lehrer jährlich einen Kongress mit jeder Menge Infos (auch zur Berufswahl). Spannende Versuche bietet zudem das Schülerlabor IGELab in Vahrenheide.

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Schlagwörter: Ausbildung

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