Standort D

Hier macht man mächtig Druck


Kompressoren-Hersteller Boge hat trotz Krise 10 Millionen Euro investiert

Bielefeld. Viktor Thielmann scannt die Nummer eines Ersatzteils ein. Es surrt, es klappert, etwas in der riesigen Schrankwand setzt sich in Bewegung, eine Klappe öffnet sich – und der Industriemechaniker hält die benötigte Sechskantschraube in den Händen. „Ich bin begeistert!“

Thielmann baut bei der Bielefelder Firma Boge Druckluftkompressoren zusammen. Das Suchen und Warten auf Werkstücke hat nun ein Ende: einer neuen Logistik sei’s gedankt.

Mitten in der Wirtschaftskrise hat sich sein Arbeitgeber für 10 Millionen Euro eine Lager- und Produktionshalle gebaut. Denn das Unternehmen will weiter wachsen. In den letzten 14 Jahren hatte der Spezialist für Druckluftsysteme seinen Umsatz verdoppelt – und platzte aus allen Nähten.

Auch Brauereien sind Kunde

Viele Handwerks- und Industriezweige brauchen die „Luft zum Arbeiten“: Damit werden Maschinen gesteuert, Autos lackiert, Plastikflaschen in Form gepresst, Druckfarben gesprüht, Pakete bewegt, Gewürze in Tüten gepustet und Bier abgefüllt. Druckluft muss dabei oft völlig trocken sowie öl- und staubfrei sein. Sonst würden die Lebensmittel schimmeln und das Bier – oh Schreck! – nicht schäumen. Der Markt für Kompressoren und deren Zubehör wie Trockner und Filter ist allerdings sehr um­kämpft: Mehrere Hersteller machten schon dicht. Und das nicht erst seit der Wirtschaftskrise.

Darunter leidet zwar auch Boge, so wird der Umsatz 2009 voraussichtlich um ein Fünftel sinken und in der Produktion gab es Kurzarbeit. Doch Firmenchef Wolf Meier-Scheuven bleibt gelassen: „Wenn es früher 2 Prozent runter ging, wurde ich hibbelig, wie wir das wieder reinholen können. Aber jetzt bin ich relativ ruhig – es geht ja allen so.“

Außerdem hat er vorgesorgt: mit Neuentwicklungen. Im Frühjahr brachte Boge eine Kompressoren-Serie auf den Markt, die sich ganz gut verkaufe, freut sich Meier-Scheuven. Die Neuen sind kompakt gebaut und können aneinander gekoppelt werden. Die zentrale Steuerung schaltet sie nach Bedarf ab und zu. Das spart Strom – und niedriger Energieverbrauch ist ein gutes Verkaufsargument. Auch die Abwärme kann man nutzen: etwa, um eine Halle zu heizen.

Jetzt alles unter einem Dach

Außerdem erfreulich: Seit Juni zieht das Auslandsgeschäft wieder an, das mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmacht. Um den Export noch mehr auf Touren zu bringen, will der Mittelständler weitere Märkte in Angriff nehmen: In Indien, Kanada, Mexiko und Südamerika könnten mehr Boge-Kompressoren verkauft werden. „Unterm Strich haben wir jetzt sogar ein paar Mitarbeiter mehr“, sagt der Firmenchef, „im Vertrieb.“

Zwar fertigt Boge wie die Wettbewerber auch, in China, doch das geschieht ausschließlich für den Markt dort.

Das Fernost-Engagement geht also nicht zulasten deutscher Arbeitsplätze. Im Gegenteil, wie die neue Halle zeigt.

Die bringt Einkauf, Fertigung, Lager und Qualitätsprüfung unter ein Dach: Das strafft alle Abläufe – und so wird die Firma am Standort D noch wettbewerbsfähiger. Das spürt auch Monteur Thielmann – positiv: „Es läuft hier wie am Schnürchen.“

 

Info: Boge Kompressoren GmbH & Co. KG

Das Familienunternehmen Boge produziert Kompressoren und komplette Druckluftanlagen sowie Filter und Trockner. Es hat elf Auslandstöchter und Kunden in mehr als 80 Ländern. Am Stammsitz Bielefeld arbeiten 370 von insgesamt 550 Mitarbeitern, darunter rund 20 Azubis. 2008 setzte Boge 105 Millionen Euro um.

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