Ausbildung

Hier legt sich ein Azubi ins Zeug


Alternative zum Studium: Phillip Bednarz wird Pharmakant

Iserlohn. Kleine Zuckerperlen wirbeln im Laborgranulator. Zwei Düsen besprühen die Kügelchen mit einer Wirkstofflösung gegen Halsschmerzen, später kommen sie in eine Kapsel. Die Abteilung galenische Entwicklung beim Pharma-Hersteller Medice in Iserlohn sucht die optimale Darreichungsform für Wirkstoffe. Und Auszubildender Phillip Bednarz ist mittendrin!

Der angehende Pharmakant im zweiten Lehrjahr prüft Druck, Temperatur und Wirkstoffverteilung im Gerät. Die Messdaten trägt er ins Journal ein. Sogar bei der Rezeptur darf er mitreden: „Die Kenntnisse aus der Schule sind noch frisch, das macht ihn zum kompetenten Gesprächspartner“, lobt Entwicklungschefin Christina Ballmann.

Mit Fragen direkt zur Chefin

Unter den 2.235 Auszubildenden der 148 Mitgliedsunternehmen des Arbeitgeberverbands Chemie Westfalen ist Bednarz ein ganz besonderer Kandidat. Denn er ist der einzige angehende Pharmakant in Südwestfalen und damit ein Pionier bei seinem Ausbildungsbetrieb Medice.

Der Abiturient mit Vorliebe für Physik und Chemie hätte auch studieren können. Aber im Betrieb lernt er die ganze Bandbreite der Arzneimittel-Herstellung kennen.

Aus der Iserlohner Fabrik kommen bekannte Mittel zur Selbstmedikation wie homöopathische Tropfen gegen Erkältung („Meditonsin“), eine lindernde Salbe bei Sonnenbrand und Insektenstichen („Soventol“) und Medikamente für Dialyse-Patienten und hyperaktive Kinder mit dem Syndrom ADHS.

Bednarz darf die Kollegen mit Fragen löchern und gleich mit anpacken, natürlich unter Aufsicht. Regelmäßig setzt sich Entwicklungschefin Ballmann mit dem Auszubildenden zusammen, um über Produkte, Rezepturen und Prozesse zu reden. Denn bei Medice gibt es keine hauptberuflichen Ausbilder. „Ich kann jederzeit mit meinen Fragen zu Frau Ballmann oder zum Meister gehen“, freut er sich. 20 junge Menschen lernen derzeit im Familienbetrieb.

Hefte und Bücher bezahlt der Betrieb

Dank neuer Produkte haben die Iserlohner in den letzten fünf Jahren den Umsatz nahezu vervierfacht. Allein 2009 kamen mehr als 30 neue Arbeitsplätze dazu.

„Es ist sehr schwer, auf dem regionalen Markt geeignetes Personal zu finden“, klagt Medice-Ausbildungsleiterin Karina Blach. Nur wenige seien bereit, ins beschauliche sauerländische Städtchen zu ziehen. Deshalb bildet das Unternehmen intensiv aus. Blach ist oft in den Schulen der Region anzutreffen. Sie organisiert Bewerbungstrainings und Infostände, lädt zum Tag der offenen Tür ein, schaltet Anzeigen in Schulzeitungen. Gute Kandidaten wie Bednarz sind heiß begehrt.

Deshalb erwähnt Blach neben Karrierechancen und hohem Azubi-Gehalt für Pharmakanten auch Extras wie kostenlose Fahrkarten, Bücher und Hefte für die Berufsschule und Zusatzunterricht vor Prüfungen.

Bewerben sich die Unternehmen jetzt schon bei den Jugendlichen? Blach: „Nein. Wir bekommen noch immer gut 70 Bewerbungen pro Ausbildungsplatz. Nur klaffen bei vielen riesige Wissenslücken.“

Info: Medice-Arzneimittel

Die Medice Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG entwickelt, produziert und vertreibt am Standort Iserlohn Medizinprodukte, Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel. Neben apothekenpflichtigen Produkten zur Selbstmedikation liegt der Schwerpunkt im Bereich der Nierenheilkunde sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die 380 Mitarbeiter erwirtschafteten 2009 einen Umsatz von 125 Millionen Euro.

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