Sauberste Lösungen

Hier kommt die Medizin in die Flasche


Melsungen. Wer in der Fertigung bei Solupharm einem Kollegen begegnet, muss genau hinschauen: Alle tragen Kittel oder Overalls, die Haare sind unter einer Haube verborgen. Manche haben zusätzlich einen Mundschutz. Denn Hygiene steht bei dem Melsunger Lohnhersteller an erster Stelle.

„Wir produzieren sterile Lösungen für die Injektion“, erklärt Geschäftsführer Friedemann Seitz. 260 Mitarbeiter sorgen dafür, dass jährlich 150 Millionen Ampullen und 15 Millionen Injektionsflaschen das Werk verlassen.

Darin sind Mineralstoffe und Spurenelemente, Schmerzmittel, Vitamine, homöopathische oder pflanzliche Medikamente. Die Anforderungen an solche Präparate sind hoch: „Schon kleinste Partikel könnten bei der Injektion zu einer Thrombose führen, also zu einem Blutpfropf, der Gefäße verstopft“, sagt Thomas Zimmermann, kaufmännischer Leiter.

Ampullen werden mit Feuer verschlossen

Natürlich dürfen die Mittel auch keinerlei Keime oder fiebererregende Stoffe enthalten. Deshalb gelten strengste Regeln. Alle, die etwa im Reinraum arbeiten, müssen in der Umkleidekabine ihre Kleidung ablegen und in einen Einmal-Anzug aus fusselfreiem Material schlüpfen. Dann heißt es spezielle Schuhe anziehen, mehrfach die Hände desinfizieren und den Mundschutz anlegen.

„In der Fertigung herrscht Überdruck“, erklärt Zimmermann. „Der macht es Keimen und Partikeln unmöglich, in den Raum einzudringen.“ Die Ampullen bestehen aus einem besonderen Glas, das medizinischen Anforderungen entspricht: Es ist gasdicht und verhindert, dass Sauerstoff in die Lösung eintritt.

Die Rohlinge werden vorgespült, bei 275 Grad Celsius sterilisiert und unter hochreinen Bedingungen befüllt. Wie aber schließt man Ampullen? „Mit Feuer“, verrät der Geschäftsführer. Man schmilzt das Glas am oberen Rand des befüllten Rohlings ab und verschließt ihn luftdicht. Eine Sollbruchstelle sorgt dafür, dass das Glas splitterfrei bei der Anwendung bricht.

Injektions- und Infusionsflaschen verschließt man dagegen mit sterilisierten Gummistopfen und Kunststoffkappen. Zum Schluss erfolgt eine strenge Qualitätskontrolle: Enthält die Lösung auch keine Partikel? Alle Behältnisse durchlaufen optische Kontrollmaschinen, die auch gleich den Füllstand messen. Prüfkameras nehmen Bilder aus verschiedenen Winkeln auf, ein Computer wertet sie aus.

„Gibt es eine Unregelmäßigkeit, sortieren die Anlagen das Behältnis aus“, so Seitz. Hat ein Präparat alle Kontrollen durchlaufen, etikettieren und verpacken es die Mitarbeiter für 80 Kunden in aller Welt – exakt beschriftet, auch mit japanischen oder kyrillischen Schriftzeichen.

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