Ausbildung

Hier hat der Nachwuchs gute Aussichten


Wie ein Metall-Unternehmen aus dem Sauerland um Azubis kämpft

Herscheid. Stefan Crispien weiß, wie man Zuschauer verblüfft. Der angehende Werkzeugmechaniker legt ein Messinstrument, einen sogenannten Haarwinkel, an ein rechtwinkliges Metallteil und hält beide gegen das Licht. Die Jungs, die Crispien zugucken, staunen. Das Metallteil ist so sauber geschliffen, dass zwischen ihm und dem Winkel kein Haar passen würde.

Crispien lernt bei der Firma GAH-Alberts im sauerländischen Herscheid, die Produkte für Haus  und Garten herstellt, wie beispielsweise Zäune und Tore. Und zeigt beim ersten Ausbildungstag des Unternehmens Schülern der neunten Klasse, wie es hier zugeht. Etwa 100 Jugendliche sind gekommen – was Personalleiterin Jutta Wrona als Erfolg bezeichnet.

Harte Konkurrenz um Bewerber

Mit dieser Veranstaltung will das Familienunternehmen vorsorgen. Es verzeichnet zwar noch genug Bewerber – und kann all seine Lehrstellen in Produktion, Logistik und Verwaltung besetzen. Doch das könnte sich bald ändern.

Schon heute leiden viele Betriebe unter einem Mangel an  Fachkräften. 90 Prozent der Maschinen- und der Fahrzeugbauer finden keine Techniker mehr, schlug 2007 der Deutsche Industrie- und Handelskammertag Alarm. Nicht nur Ingenieure, auch ausgebildete Facharbeiter werden knapp. Deshalb ist die Nachwuchssicherung so wichtig.

„In unserer Region gibt es viele metallverarbeitende Betriebe“, erwartet Firmenchef Dietrich Alberts eine harte Konkurrenz um geeignete Lehrstellenbewerber. Hinzu kommt, dass sich viele Jugendliche vor allem für große Firmen interessieren. Dabei hat auch GAH viel zu bieten. Hier kann man in einem Verbundstudium sogar den Abschluss als Wirtschaftsingenieur machen.

Die acht Neuntklässler aus Werdohl, die Berufsberater Peter Helbig mitgebracht hat, wissen noch nicht, was sie werden wollen. Heute treffen sie lauter alte Bekannte. Fünf ihrer Ehemaligen sind hier.

Der Metall-Betrieb gibt selbst Sonderschülern eine Chance. „Die Motivation und die Neigung zum Basteln müssten schon gegeben sein“, sagt Wrona, Deutschkenntnisse ebenfalls. Defizite ließen sich jedoch auffangen: Regelmäßig kommt ein Berufsschullehrer ins Haus. Wer ein Faible für Sprachen hat, umso besser: Da für GAH die Auslandsmärkte immer wichtiger werden, lernen die Azubis nicht nur Englisch. Französisch- und Russischkurse sind im Angebot, bald auch Chinesisch. 

Die Firmen-Wiki ist ganz schön clever

Und wer sich engagiert, kann es zu was bringen. Wie Semra Kalkan. Die 25-Jährige half zunächst im Lager aus, wurde bald Schichtführerin. Als ihre Schicht dann wegfiel, machte sie eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Nebenbei schreibt die gebürtige Türkin für die Firmenzeitung „Facts“. Sie überlegt, später aufs Abendgymnasium zu gehen: Die Firma käme ihr bei den Arbeitszeiten entgegen.

Sara Janik, die sich zur  Mediengestalterin ausbilden lässt, hat für die jungen Gäste ein neues Highlight parat: die Firmen-Wiki. Auf der internen Online-Seite werden Formeln und Arbeitsabläufe dokumentiert, jeder Mitarbeiter kann sie wie beim Internet-Lexikon Wikipedia ergänzen. „Das hat sich ein schlauer Azubi ausgedacht“, klickt Janik durch die Website. „Ist doch cool, oder?“

Info: GAH-Alberts GmbH & Co.KG

Das Familienunternehmen GAH in Herscheid stellt über 10.000 Produkte für Haus und Garten her, wie Bodenanker, Zäune, Profile, Beschläge und Haken. Mehr als die Hälfte der Produktion kommt aus Herscheid, der Rest wird zugekauft. Am sauerländischen Hauptsitz arbeiten 430 von insgesamt 530 Beschäftigten. 2007 setzte GAH knapp 110 Millionen Euro um, 35 Prozent davon steuerte der Export bei. Das Unternehmen hat vier Tochtergesellschaften im Ausland.

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