Mittelstand

Hier hält man zusammen


Das Stüken-Stipendium: Wie ein Familienunternehmen seine Leute fördert

Rinteln. Weiterbildung, Qualifizierung, lebenslanges Lernen – das sind hier keine Phrasen aus dem Firmenprospekt. Bei der Hubert Stüken GmbH & Co. KG, einem Familienunternehmen in ländlicher Region, wird es in bemerkenswerter Weise umgesetzt.

Das Unternehmen ist als  Hersteller von sogenannten Tiefziehteilen weltweit vertreten. 629 Mitarbeiter fertigen am Stammsitz in Rinteln (Weserbergland) diese kleinen Komponenten, die später etwa in Haushaltsgeräten zu finden sind, in Armaturen, in Computern und im Mobilfunk, in Autolampen, Benzineinspritzsystemen, ABS-Systemen und vielen anderen Anwendungen im Auto. Gut 100 Millionen Teile verlassen dort im Durchschnitt das Werk – pro Tag!

1 Million Mark und 1 Million Euro

„Um die Mitarbeiter bei der Weiterbildung zu unterstützen“, so berichtet der Geschäftsführer Hubert Schmidt, „hat die Tochter unseres Firmengründers bereits vor zehn Jahren eine Stiftung gegründet.“

Die mittlerweile verstorbene Christel Schwarz stellte zunächst 1 Million Mark zur Verfügung, 2007 legte sie mit 1 Million Euro noch einmal fast doppelt so viel obendrauf – weil die Förderung aus diesem langfristig angelegten Bildungsfonds innerhalb der Belegschaft auf so große Resonanz stieß.

Wer unterstützt wird, das entscheiden Geschäftsführung, Personalabteilung und Betriebsrat gemeinsam. Die Stiftung hilft derzeit zum Beispiel Annika Wagner (27). Als sie ihr Abitur in der Tasche hatte und eine Ausbildung zur Industriekauffrau startete, war ihr klar, dass sie irgendwann studieren wollte. „Doch dass mir der Job so viel Spaß machen würde, hatte ich nicht erwartet“, erinnert sie sich. Job oder Studium: Warum nicht das eine tun, ohne das andere zu lassen?

Sie entschied sich für ein vierjähriges Fernstudium. Tagsüber im Controlling bei Hubert Stüken, abends daheim Studienbriefe büffeln, freitags und samstags Vorlesungen in der Fachhochschule Hannover besuchen. Bald ist sie fertig. „Die letzten Jahre waren hart“, sagt Wagner, „aber es hat sich gelohnt.“

Fast acht Jahrzehnte Firmengeschichte

Aus den Mitteln der Stiftung hat die angehende Diplom-Kauffrau, die monatlich 220 Euro Studiengebühren sowie die Kosten der Abschlussarbeit bezahlt – insgesamt schon über 10.000 Euro erhalten.

Von dem Stüken-Stipendium profitiert hat auch Ralf Homeier (36). Er machte im Betrieb eine Ausbildung zum Industriemechaniker – und bildete sich später nach Feierabend zum Industriemeister weiter. Die gut 5.000 Euro Kurs- und Prüfungsgebühren zahlte er aus der Förderung.

Die 1931 gegründete Firma ist inzwischen breit aufgestellt: Weitere Produktionsstandorte in den USA, Tschechien und China mit insgesamt 165 Mitarbeitern sichern die Nähe zur Kundschaft.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang