Export

Hier gibt’s richtig dicke Pakete!


Zigtausend Kilo pro Kiste: Für diese Firma kein Problem

Weihnachtszeit ist Päckchenzeit: Allerorts wird sorgfältig eingepackt, was in den nächsten Tagen auf die Reise gehen soll. Manch einer fragt sich da, ob die Hülle wohl stabil genug ist für das, was dem empfindlichen Inhalt während des Transports zugemutet wird ...

Und genau dieses Problem müssen die Mitarbeiter der Siegerländer Industrieverpackungs GmbH (SIV) zu jeder Jahreszeit lösen. Aber in viel größerem Maßstab!

Mehr als 50 Tonnen wiegt zum Beispiel ein Bauteil, das Michael Becker, Heiko Giermann und Rene Hinze in der Kreuztaler SIV-Zentrale gerade versandfertig machen. „Ein Stirnrad“, erklärt Betriebsleiter Dirk Appel, „es gehört zu einem Getriebe, das in den Iran geliefert wird.“

Schutz vor Seeluft und Wellengang

Ganz sanft setzt der nagelneue Kran, der 80 Tonnen durch die Halle bewegen kann, das Riesen-Zahnrad auf einem Holzboden mit Sockel ab. Der Rest der Kiste wird später um das Produkt herum gezimmert. Zunächst aber umgeben die SIV-Männer das Zahnrad mit mehreren Lagen spezieller Folien. Und sorgen für raffinierten Korrosionsschutz: Extreme Kälte oder Hitze dürfen der Ware ja ebenso wenig anhaben wie salzhaltige Seeluft. Und es kann manchmal Monate dauern, bis der Empfänger die Kiste auspackt!

Nicht nur bei Zigtonnen-Teilen muss zudem genau gerechnet werden. „Der Inhalt muss so befestigt sein“, betont Appel, „dass er bei Wellengang im Schiff, bei Rangierstößen im Zug oder auch bei Turbulenzen im Flugzeug keinen Schaden nimmt.“

Die SIV-Mannschaft kann das leisten. Darauf vertrauen laut Geschäftsführer Gerhard Claßen rund 180 Kunden: „Wir verpacken für Weltmarktführer – wir exportieren nichts, leben aber zu 99 Prozent vom Export.“

Vor allem Maschinen- und Anlagenbauer aus der Region stehen auf der Kundenliste. Allen voran: Walzwerk-Spezialist SMS Siemag. Der hat vor 25 Jahren die SIV gegründet, als Verpackungstochter sozusagen. Heute ist auch die Logistik- und Verpackungsgruppe Deufol Tailleur an der Spezialfirma beteiligt.

Für die 50 SIV-Mitarbeiter geht es laut Claßen nicht nur darum, wie ein Teil in die Kiste kommt. Sondern auch darum, wie man eine ganze Anlage so verpackt, dass Kunde und Käufer wissen können, wo welche Schraube ist. Er erklärt das am Beispiel eines Walzwerks: „Das sind oft mehr als 5.000 Packstücke mit mehr als 50.000 Positionen.“

Funkfähige Barcode-Scanner

Daher berät SIV die Kunden auch vor Ort, wenn es darum geht, wie so eine Anlage für den Transport zerlegt werden sollte. Kisten oder auch Container-Böden werden dann individuell konstruiert.

Manche Kunden nutzen die Hallen und Freiflächen auch als „Lagerpuffer“: Vorproduzierte Bauteile warten bei SIV, bis eine ganze Anlage exportfertig ist.

Gerade stellen die Verpackungsprofis ihre Prozesse auf funkfähige Barcode-Scanner um: „Diese Geräte können auch beim Auspacken im Einsatz sein“, erklärt Claßen, „die Meldung, dass ein Teil am Bestimmungsort aus seiner Kiste geholt worden ist, geht dann direkt an unser System – oder auch an unseren Kunden.“

Solche Neuerungen erhöhen die Anforderungen an die Belegschaft. Die hat im Moment etwas mehr Zeit als sonst, um dazuzulernen. „Uns trifft die Krise erst jetzt“, sagt der Chef, „wir stehen am Ende der Wertschöpfungskette.“

Kurzarbeit ist aber nicht geplant. Mit gut 12 Millionen Euro Umsatz war 2009 das beste Jahr in der Firmengeschichte.

 

Info: Spezielles Know-how

Wenn er in Sachen Ausbildung einen Wunsch frei hätte? SIV-Chef Gerhard Claßen weiß sofort, was er sich wünschen würde: Dass junge Leute den Beruf „Industrieverpacker“ lernen. So eine Lehre gibt es nämlich noch nicht – „und das ist ein Problem für die ganze Branche“, sagt Claßen. Wie also kommen die Betriebe mit dem sehr speziellen Know-how zu Nachwuchskräften? „Noch am besten passen Zimmerleute und Schreiner, die dann bei uns jede Menge dazulernen.“

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