Familienbetrieb

Hier geht´s um die Wurst


Maschinenproduzent Handtmann hat seinen Erfolg auch dem Ehrgeiz der Mitarbeiter zu verdanken

Biberach. 3.000 Cocktailwürstchen pro Minute schafft der rasende Wurstkatapult. Dabei wird nicht ein Gramm zu viel eingefüllt. Das ist wichtig. Denn bei diesen Mengen geht so eine Ungenauigkeit ganz schön ins Geld.

Höchste Ansprüche stellt das Unternehmen Handtmann an die Qualität seiner Maschinenproduktion. Außerdem müsse die Fertigung „kostengünstig und sehr flexibel“ sein, sagt Karl Keller, Geschäftsführer der Maschinenfabrik, und macht das an einem Beispiel deutlich: Ersatzteile, die bis 16:30 Uhr bestellt werden, verlassen noch am selben Tag das Haus.

Nur auf diese Weise können sich die Wurstmaschinen aus dem Hause Handtmann an der Weltspitze halten und sich gegen die rund 20 Wettbewerber durchsetzen.

Dafür wird am Standort in Biberach investiert: Im vergangenen Jahr wurde die Produktionsfläche um die Hälfte erweitert und mit topmodernen Maschinen ausgestattet.

Die Produktion kommt nie zum Stillstand

Ado Vunc bedient allein die neue Fertigungsstraße mit mehreren Beladestationen. Der 46-jährige Industriemechaniker hat einen anspruchsvollen Job: Er muss die Zellen mit den richtigen Werkzeugen ausstatten. So bestückt laufen sie über ein Band zu den Werkzeugmaschinen. Im Inneren dieser Kolosse werden dann die Teile für die Wurstmaschinen produziert. „Wir rüsten, während wir produzieren. Die Fertigung kommt so nie zum Stillstand“, erklärt Keller.

„Der Ehrgeiz unserer Mitarbeiter war immer sehr groß“, sagt dazu Thomas Handtmann, der in der vierten Generation das 1873 gegründete Familienimperium führt.

Der hohe Einsatz der Beschäftigten gehört zu den Erfolgsgeheimnissen der Handtmanns: „Die Menschen in der Region sind arbeitsam und zuverlässig.“

Größter Gießereibetrieb in Familienhand

Schon deshalb war es für den Firmenchef nie ein Thema, aus dem idyllischen Biberach abzuwandern. 1.900 der weltweit 2.500 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.

Handtmann ist heute der größte deutsche Gießereibetrieb in Familienhand. Die Wurstmaschinenfabrik trägt ein Fünftel zum Gesamtumsatz von rund einer halben Milliarde Euro bei. Der Gründerenkel, Arthur Handtmann, baute sie 1954 als zweites Standbein auf. Damit kommt der Juniorchef auch gleich auf einen weiteren Grund für den stetigen Aufstieg: die „Weltoffenheit von Anfang an“. Sein Vater habe „perfekt Englisch gesprochen“. Schon in den ersten Jahren wurden Kunden in England beliefert.

Heute verkaufen die Biberacher 85 Prozent der Produktion in über 100 Länder. Abnehmer sind kleine Metzger wie auch riesige Wurstfabriken, die täglich bis zu 4.000 Tonnen verarbeiten.

Selbst in einer Region mit annähernd Vollbeschäftigung hat Handtmann keine Probleme damit, genügend Fachkräfte zu gewinnen. Dazu trage auch die Eigenständigkeit der Mitarbeiter bei, sagt Geschäftsführer Jörg Hochhausen: „Keiner fühlt sich als Rädchen im Getriebe. Jeder weiß: Ich bin wichtig.“

Übrigens ...

Spitzenplatz

Baden-Württemberg gehört zu den Bundesländern mit den meisten Familienunternehmen. Nach Nordrhein-Westfalen (26,6 Prozent) und Bayern (18,3 Prozent) liegt der Südwesten auf dem dritten Platz (17,6 Prozent). Für die Erhebung hat das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) alle Familienunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro erfasst.

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