Verpackung

Hier geht’s um die Wurst


Die Firma Wenner ist Spezialist für Lebensmittel-Kartonagen

Versmold. „Ich bin hier, weil ich noch gebraucht werde. Außerdem macht mir die Arbeit doch Spaß!“ Und schon wuselt Friedrich Stockamp weiter: Er hat wenig Zeit, muss noch Kartonagen heften, eine Kleinserie für einen Stammkunden.

Wer Stockamp in Aktion erlebt, mag kaum glauben, dass der Mann schon 70 ist. Seit 52 Jahren arbeitet er im Versmolder Vollpappen-Verarbeitungswerk Friedrich Wenner.

Zu tun gibt es genug

„Einfach so in Rente gehen? Das war für ihn unmöglich“, erinnert sich Geschäftsführer Stephan Potthoff-Wenner. Also bekam der Senior einen neuen Vertrag – und ist weiter jeden Tag dabei. Zu tun gibt es genug für die 50 Mitarbeiter: In der Lebensmittel-Industrie, die Wenner beliefert, gab es keine dramatischen Umsatzeinbrüche.

Rund 25.000 Tonnen Vollpappe werden jedes Jahr verarbeitet, das sind vier Lkw-Züge Rohmaterial pro Tag. In der Regel geht es um Pappen ab 600 Gramm pro Quadratmeter – fast zehn Mal so schwer wie normales Büro-Papier. Als Kartons oder Faltschachteln, in Form gebracht durch Drucken, Stanzen, Falzen und Kleben, verlassen die Vollpappe-Bogen dann wieder das Werk: Knapp 40 Millionen Kartonagen pro Jahr, die meisten davon bunt bedruckt.

„Wir zählen zu den führenden Herstellern von Versand- und Präsentationskartonagen aller Art“, erklärt Achim Potthoff. Er leitet das Familien-Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Stephan – in dritter Generation.

Start mit Holzkisten

Angefangen hatte alles mit Friedrich Wenner, der 1930 eine Fabrik für Holzkisten gründete. Schon damals waren Lebensmittel-Hersteller die Abnehmer. Heute ist Versmold, liebevoll auch „Fettfleck Deutschlands“ genannt, eine Hochburg der fleischverarbeitenden Industrie: Hier sitzen renommierte Unternehmen wie Nölke („Gutfried“), Reinert („Bärchen-Wurst“) oder Wiltmann – alles Wenner-Kunden.

Ging es früher um einfache Kisten für den Transport von Fleisch und Wurst, sind heute pfiffige Verpackungslösungen gefragt, die sich auch im Supermarkt-Regal bewähren.

Wenner kann das bieten: Der Betrieb hatte schon früh von Holz auf Pappe umgestellt und gilt als „Erfinder gefalteter Kartonagen“, wie die Chefs stolz betonen.

„Leider sind wir aber auch Teil des Preiskriegs der Discounter: Wir sind ständig gefordert, die Produktionskosten zu senken“, erklärt Potthoff.

Seit Jahren wird deshalb kontinuierlich investiert, vorrangig in Rationalisierungsmaßnahmen. Die Zahl der Mitarbeiter blieb aber konstant – und der Umsatz wuchs in wenigen Jahren um fast ein Drittel, auf rund 17 Millionen Euro im Jahr 2009.

Und so wurde im vergangenen Jahr richtig viel Geld in die Hand genommen. Insgesamt 4,5 Millionen Euro investierte das Unternehmen in eine Offset-Druckmaschine mit sechs Farbwerken und einem Lackwerk sowie für die neue Halle, die für die riesige Anlage nötig war. Jetzt können Kartonagen bis 1,6 Millimeter Dicke bedruckt werden.

Hausgemachte Energie

Die nötige Energie kommt inzwischen zum Teil aus eigener Produktion. Ebenfalls im vergangenen Jahr ließ die Firma eine Photovoltaik-Anlage installieren. „Bisher hat sie 420.000 Kilowattstunden Strom produziert“, sagt Potthof-Wenner – etwa ein Viertel des benötigten Stroms.

Aktuell arbeite man im Betrieb an Konzepten zur effizienteren Energie-Nutzung: „Schließlich wollen wir weiter wachsen – aber nicht um jeden Preis, sondern umweltfreundlich. Und das wird uns weitere Wettbewerbsvorteile verschaffen.“

 

Mitten im „Fettfleck“

Versmold. Deutschlands „Fettfleck“ – wie kommt eine Region zu diesem Namen? Ganz einfach: Schinken, Speck und Mettwurst aus der Kleinstadt im Kreis Gütersloh sind schon lange Exportschlager!

Was vor 150 Jahren mit bäuerlichen Hausschlachtungen begann, entwickelte sich über die Touren ostwestfälischer „Kleinfleisch-Händler“ zu einer  stadtprägenden Industrie.

Weltweit Spitze

„Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es  eine solche Dichte von fleischverarbeitenden Betrieben wie in unserer Region“, sagt Versmolds Bürgermeister Thorsten Klute. Das Erfolgsrezept? Die Qualität! „Hier ist unsere Stadt im nationalen wie im internationalen Vergleich Vorreiter“, freut sich Klute.

Doch Versmold lebt nicht von der Wurst allein: Mit der Fleischwaren-Industrie wuchsen auto­matisch auch einige an­dere Wirtschaftszweige. So entstanden beispielsweise große Kühlhäuser und bedeutende Speditions­be­triebe, die für eine angemessene Lagerung und rasche Verteilung der Produkte aus dem „Fettfleck“ sorgen.

„Das war einfach stark“: Erstmals holen Wenner-Kicker den Wurst-Cup

Als Favorit galten sie nicht – und der Finalsieg stand erst nach einem spannenden Neun-Meter-Schießen fest: 2009 hat das Wenner-Team den „Wurst-Cup“ gewonnen, ein jährliches Fußball-Turnier für alle Versmolder Unternehmen.

„Das war einfach stark“, erinnert sich Cüneyt Üstün, „und es wurde entsprechend gefeiert.“ Üstün,  Hobby-Fußballer und Jugendtrainer beim örtlichen SC Peckeloh, ist erst seit kurzem in der Firma: Er macht gerade die Ausbildung zum Verpackungsmitteltechnologen.

Der Wurst-Cup ging erstmals an die Wenner-Kicker, entsprechend groß war die Begeisterung. Zumal andere Mannschaften aus Betrieben mit vielfach größeren Belegschaften kamen.

Stolz auf den Teamgeist

„Dass wir uns als kleineres Unternehmen gegen große ­Betriebe durchsetzen konnten, das zeigt auch viel von dem Wandel, den wir durch­gemacht haben“, erklärt Betriebsleiter Lazar Cvetkovic: „Bei uns kann Alt mit Jung, bei uns herrscht echter Teamgeist – und wir werden alles tun, um den Wurst-Cup auch 2010 wieder zu holen.“

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