Bahn-Technik

Hier entstehen die Isolatoren für den ICE und den „ICx“ der Zukunft


Siegburg. Mario Enders, Gießer und Entformer bei der Firma Georg Jordan, kann das Ergebnis seiner Arbeit anschaulich erkären. „Wenn ich mit den Kindern auf einer Eisenbahnbrücke stehe und wir die Isolatoren auf dem ICE sehen, sage ich: ‚Guckt mal – so was machen wir!‘“

Enders ist als Vorarbeiter an einer Vakuumkammer beschäftigt, in einer der beiden Produktionshallen des im rheinischen Siegburg ansässigen Unternehmens. Gekleidet in das dunkelrote Langarm-Shirt mit Firmenlogo, kon­trolliert er einen soeben gegossenen Isolator. Im Wärmeschrank nebenan wird ein gekrümmtes Rohr, das noch eingegossen werden soll, vortemperiert. „Das ist notwendig“, erläutert Enders, „so nimmt es bei der Produktion die Gießharz-Masse besser an.“

Die Firma, 1950 von dem Ingenieur Georg Jordan gegründet, fertigt seit ihren Anfängen Isolatoren für die Elektro-Industrie; die Deutsche Bahn ist langjähriger Kunde. „Bei den Zügen sorgen die Isolatoren dafür, dass der Strom zum Motor fließt und nicht in den Zug gerät“, erklärt Alexander Stern, einer der beiden Geschäftsführer. Auch in Schaltschränken, an Freileitungen und Antennen verhindern Isolatoren, dass der Strom das Kabel verlässt. Die kleinsten Isolatoren könnten als Schlüsselanhänger durchgehen, die größten sind mannshoch und wiegen 80 Kilo.

„Die Ideen, die nicht funktionierten, haben uns nach vorn gebracht“

Aus Porzellan, wie früher, sind sie alle nicht mehr. „Wir fertigen sie aus Epoxidharz, einem Kunststoff aus Harz, Härter und Quarzmehl“, erläutert Ulrich Jaegers, ebenfalls Geschäftsführer. „Dabei nutzen wir zwei unterschiedliche Produktionsverfahren: das ,automatische Druckgelieren‘ und die ,Vakuumvergusstechnik‘, bei der der Isolator in einer Vakuumkammer gegossen wird.“

Konstrukteur Christoph Fuß sitzt an seinem Schreibtisch voller Zeichnungen, Stifte und Lineale. Unter dem Tisch parkt ein graues Gebilde, auf das er stolz ist: der Prototyp des Isolators für den neuen „ICx“, der ab 2016 die Intercity- und ICE-Flotte nach und nach ersetzen soll. Er soll leichter sein und weniger Strom verbrauchen – und so haben die Jordan-Konstrukteure in mühevoller Tüftelei das Gewicht des Isolators im Vergleich zu den ICE-Isolatoren halbiert. Den Entwicklungsprozess beschreibt Fuß so: „Die Ideen, die nicht funktionierten, haben uns nach vorn gebracht.“

Das Unternehmen beschäftigt in Siegburg und in Malaysia jeweils 180 Mitarbeiter, der Jahresumsatz liegt bei 25 Millionen Euro. Man treibt auch Handel mit Spannungsprüf- und Spannungsmessgeräten. Und sieht neue Chancen im Bereich der erneuerbaren Energien. „Die Energietechnik hatte bisher ein eher bodenständiges Image“, sagt Geschäftsführer Jaegers. „Sie hat sich zu einem der wachstumsstärksten Industriezweige entwickelt.“

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