Gesundheit

Hier bringt man was ans Laufen


Der Räder- und Rollenhersteller Wicke investiert in die Fitness der Mitarbeiter

Sprockhövel. Die Schuhe geschnürt, ein kräftiger Schluck aus der Wasserflasche: Und schon laufen sie los. Gegen die Uhr. Und den inneren Schweinehund.

Die drei Männer, die da nach Feierabend gemeinsam für einen Staffel-Wettbewerb trainieren, kommen alle vom selben Arbeitgeber: Es ist der Räder- und Rollenhersteller Wicke. Deshalb tragen Roland Wiese (55), Adrian Haltaufderheide (28) und Valentin Senger (18) ein T-Shirt mit dem Logo des Sprockhöveler Unternehmens.

Freude an der Bewegung wecken

20 von insgesamt 230 Mitarbeitern machen mit, auch wenn nicht alle so fleißig trainieren wie die drei Kollegen. „Wichtiger ist, dass sich die Leute überhaupt bewegen“, sagt Personalleiter Peter Steinmann (61), der als begeisterter Jogger das Ganze ans Laufen gebracht hat.

Nicht nur aus Spaß. Sondern aus reiner Notwendigkeit. Deutschlands Belegschaften altern – und das gilt auch für den Hersteller Wicke, dessen Produkte sich etwa unter Gabelstaplern, fahrbaren Gerüsten, Einkaufswagen und in Rolltreppen drehen. Deshalb beteiligt sich das Unternehmen an einem Landesprojekt namens „Demografie-Aktiv“. Sinn und Zweck: Die Belegschaft für die Zukunft fit zu machen (siehe unten Info: Demografie-Aktiv).

Da stellen die Berater zunächst viele Fragen: Wie steht das Unternehmen in zehn Jahren da? Was passiert, wenn Fachkräfte in Rente gehen? Wie alt und gesund ist die Mannschaft?

Bei Wicke sind die Mitarbeiter heute im Schnitt 43 Jahre alt. Im Jahr 2020 wird er über 50 Jahre liegen. Und das, obwohl die Firma pro Jahr sechs bis sieben Jugendliche ausbildet.

Ein Grund ist die geringe Fluktuation. Viele bleiben bis zur Rente. Was im Prinzip gut ist, denn: Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden, wird immer schwieriger. Bis 2020 wird die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter hierzulande um 1,8 Millionen sinken, hat das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung errechnet.

Folge: Die Senioren müssen länger ran. Und bevor sie in Rente gehen, werden sie bei Wicke befragt. Um ihr Wissen für die Jüngeren festzuhalten. Und diese Kräfte müssen nicht nur geistig, sondern auch körperlich fit bleiben.

Sportlehrer zeigt, wie man richtig hebt

Zwar liegt bei Wicke der Krankenstand bei den gewerblichen Mitarbeitern im Schnitt bei nur 3 bis 3,5 Prozent. Bei den über 50-Jährigen sind es aber bis zu 4,5 Prozent. Viele Mitarbeiter plagen sich mit Rückenschmerzen herum.

Also kam ein Sportlehrer im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in die Firma, zeigte, wie man richtig hebt und trägt.

Zugleich gab es einen Gesundheitscheck – inklusive Blut-, Herz- und Kreislaufuntersuchung. Auch Ilona Bakos machte mit: „Alles im grünen Bereich, ich bin topfit“, strahlt die 63-jährige Mitarbeiterin in der Standardmontage.

Rolf Böhme (54) absolvierte ebenso die Tests: „Es zwickt hier und da, der Rücken halt.“ Deshalb geht der Meister jetzt in die Muckibude.

Wicke fördert so etwas nach Kräften: Die Firma hat mit einem örtlichen Fitness-Studio günstige Tarife ausgehandelt. Ein Angebot, das rege genutzt wird. 20 Mitarbeiter stärken ihre Muskeln.

Wilfried Hennes

Info: Demografie-Aktiv

Hierbei handelt es sich um ein Projekt des Landesarbeitsministeriums, der Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW und der DGB-Gewerkschaften in NRW. Es hat eine Laufzeit von zwei Jahren (noch bis Dezember 2010). Elf Unternehmen machen mit, darunter zwei Metall-Betriebe. Für sie alle sind die Beraterstunden kostenlos.

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