Marktführer

Hier bewahrt man die Fassung


Keine andere Firma produziert so viele Lampenfassungen, Kontakte und Klemmen wie BJB

Arnsberg. „MC 82“ spuckt Minute für Minute 240 Lampenfassungen aus – und ist dabei nicht aus der Fassung zu bringen. Persönlicher „Coach“ und „Fitnesstrainer“ des mechanischen Spitzensportlers ist Huseyin Gülen. Er richtet den Montage-Automaten ein, bedient ihn, kontrolliert die fertigen Teile: „Ich bin hier sozusagen das Fachmädchen für alles“, lacht der 41-Jährige.

Beide, Mensch und Maschine, arbeiten bei BJB im sauerländischen Arnsberg Hand in Hand. Und dies, sagt Geschäftsführer Philipp Henrici, sei das Erfolgsrezept seiner Firma Sie setzt auf Hightech – und gut ausgebildete Mitarbeiter. Die Strategie zahlt sich aus: Das Familienunternehmen existiert jetzt schon seit 144 Jahren. Henrici ist die sechste Generation.

BJB ist in seiner Branche Marktführer. Weltweit. Pro Jahr verlassen eine halbe Milliarde Lampenfassungen, Kontakte, Schalter, Klemmen und  Halterungen die Arnsberger Werkhallen.

„Wir bauen die Brücken zum Licht“, so Henrici. Etwa jede zweite Neonröhre bringt BJB mit seinen kleinen runden Kunststoff-Dingern rechts und links am Gehäuse zum Leuchten. Bei den extrem hitzebeständigen Backofenlampen liegt der Weltmarktanteil sogar bei 70 Prozent.

Computertomograf wie im Krankenhaus

Die Produkte funktionieren  selbst bei Temperaturen von bis zu 500 Grad Celsius einwandfrei – und das auf Jahre. Moderne Backöfen daheim sind kräftige Brenner. Die verwandeln bei der Selbstreinigung alles im Inneren in Asche. Klar, dass bei den Lampen da drinnen nicht Kunststoff, sondern Glas und Metall zum Einsatz kommen – und Steatit. Aus dieser Feinkeramik besteht die Fassung.

Problem: Bei der Herstellung der Produkte können sich im Material Lufteinschlüsse bilden. Die aber würden unter hoher Spannung die Fassung zerstören.

Deshalb setzt BJB auf eine Materialkontrolle aus dem Hospital: Es ist ein Computertomograf. Mitarbeiter Markus Nasse, der das System mit aufgebaut hat: „Mit ihm röntgen wir die Produkte, um die Lufteinschlüsse zu erkennen. In unserer Branche machen das nur wir.“

Gleich nebenan steht auf einem Metalltisch ein oranger Roboter. Sein Arm verdrahtet eine komplette Lampe. Verlegt alle Käbelchen und stöpselt sie an der richtigen Stelle ein.

30 BJB-Kräfte haben ihm das beigebracht. Sie entwickeln Soft- und Hardware – und vermarkten komplette Automatisierungssysteme für Lampenhersteller, also die langjährige Kundschaft.

Ein weiterer Baustein des Erfolgs: BJB verfügt im Haus über alle Kernkompetenzen: Entwicklung, Werkzeugbau, Spritzerei, Montage. Henrici: „Zudem haben wir starke Kunden wie Osram und Philips, die gleichzeitig Entwicklungspartner sind.“

China als Chance

Als vor zehn Jahren die LEDs auf den Markt kamen, waren sich die meisten Experten einig: Die Zeit der Fassungen neigt sich dem Ende zu. Es ist anders gekommen. Dazu Geschäftsführer Henrici: „Auch LEDs können kaputtgehen und müssen dann schnell ausgetauscht werden – und schnell heißt hier nicht der Einsatz des Lötkolbens, sondern einer intelligenten Fassung.“ Ein solches Teil hat BJB gerade mit Philips entwickelt, das einen Hitzestau vermeidet.

Dank effektiver Technik und moderner Produkte sei der Hersteller auch gegen die Konkurrenz aus China gewappnet, meint Henrici. Mehr noch: „Wir sehen China als Chance, nämlich als künftigen Absatzmarkt.

Derweil fügt „MC 82“ mit seinen grünen „Kollegen“ in der fußballfeldgroßen Halle weiterhin Metallkontakte und Kunststoffteile fein säuberlich zusammen. 240 Fassungen pro Minute, 14.400 Stück in jeder Stunde.

Info: BJB GmbH & Co. KG

Das Familienunternehmen beschäftigt weltweit rund 820 Mitarbeiter, 630 davon am Stammsitz in Arnsberg. 

BJB setzte im vergangenen Jahr 104 Millionen Euro um. Mehr als 80 Prozent der Produkte gehen ins Ausland.

Der Hersteller hat Tochterunternehmen in Großbritannien, Italien, Spanien, China, Taiwan, Japan und in den USA. Außerdem verfügt er über Vertriebsbüros in Brasilien und Thailand.

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