Ausbildung

Hier berät sich der Vorstand


Der bloße Einzelhandwerker ist nicht mehr gefragt: Bei SKF lernen Azubis sogar, eine Firma zu leiten

Lüchow. „Wir stehen mit zehn Millionen in den Miesen“, sagt Niclas Behn. Der 18-Jährige ist angehender Industriemechaniker und gibt zu: Viel zu oft habe er bei der Buchhaltung „Pi mal Daumen“ gerechnet. Die Qualität seiner Produkte habe nicht gestimmt. Für Werbung habe er von vornherein gar kein Budget eingeplant. Und nun hat ihn die Konkurrenz meilenweit abgehängt.

Die einzige gute Nachricht: Der „Betrieb“, den Behn beinahe in den Ruin getrieben hätte, ist nicht etwa der Wälzlager-Hersteller SKF in Lüchow. Er wird lediglich von dessen Azubis am Computer simuliert.

Bundesweites Wirtschaftsplanspiel

Seit November nehmen die 13 gewerblich-technischen SKF-Auszubildenden des zweiten und dritten Lehrjahrs an „Playbizz“ teil, einem bundesweiten Planspiel der Bildungswerke der Wirtschaft. Ausbildungsleiter Reinhard Schulz und Ausbilder Erhard Sommerfeld haben vier Gruppen von Lehrlingen ins Rennen geschickt, die jeweils als „Manager“ eine mittelständische „Firma“ leiten: Sie machen die Buchhaltung, verwalten das Budget für Personal- und Werbekosten, entscheiden über Produktion.

Alles wird am Computer simuliert. Die Branche haben die „Playbizz“-Veranstalter vorgegeben: Man fertigt Elektrofahrräder. Die Gruppen stehen nicht etwa untereinander in Konkurrenz, sondern jeweils mit elf anderen deutschlandweit. In vier Monaten vergehen bei „Playbizz“ vier Geschäftsjahre, nach jedem wird abgerechnet: Wie viel haben die Unternehmen erwirtschaftet? „Wer dann hinten steht, fragt sich schon, was die anderen besser gemacht haben“, erklärt Ausbildungsleiter Schulz.

Das Planspiel zeigt den hohen Stellenwert, den die Nachwuchsförderung bei SKF in Lüchow hat. Mit 550 Beschäftigten ist der Betrieb der größte Arbeitgeber im nordöstlichen Niedersachsen; der Konzern ist einer der führenden Auto- und Maschinenbauzulieferer in seinem Bereich (Lager, Dichtungen, Mechatronik-Bauteile, Schmiersysteme und Dienstleistungen).

Seit 1961, als im Werk Lüchow die Produktion startete, wird auch ausgebildet. „Vom ersten Vorstellungsgespräch an“, berichtet Schulz, „werden die jungen Leute auch auf ihren Teamgeist hin trainiert.“

Fehler erkennen – das ist es, was zählt

Als Azubi müsse man sich artikulieren können, gegenüber dem eigenen Meister wie gegenüber Kunden. Schulz: „Typische Einzelhandwerker sind nicht mehr gefragt. Heute wird das Gesamtpaket gesucht.“

„Man lernt schnell, Fehler zu erkennen“, beschreibt der angehende Industriemechaniker Max Schmid (19) den Effekt des Planspiels „Playbizz“. Und der Ausbildungsleiter betont: „Das ist es, was für das Berufsleben zählt.“

Wiebke Westphal

 

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