Ältestes Volksschauspiel

Hieber schmiedete ein Ungetüm aus Stahl für den Further Drachenstich

Barbing. Wahnsinn! Auch das kann man aus Stahlblech machen: Die Metall- und Maschinenbaufirma Hieber in Barbing bei Regensburg schmiedete einen ganzen Drachen, der bedrohlich mit den Augen rollt und meterlange Flammen speit. Gemeinsam mit mehreren Unternehmen erschuf die Firma das riesige Ungetüm, das jetzt beim Drachenstich in Furth im Wald noch bis 17. August wieder seinen Auftritt hat.

Die oberpfälzische Kleinstadt veranstaltet das historische Spektakel, eines der ältesten Volksschauspiele Deutschlands, seit 500 Jahren. Bis 2009 kämpfte Ritter Udo dort gegen einen altersschwachen Gummi-Drachen, montiert auf einem Gabelstapler. Jetzt hat er einen stärkeren Gegner: „Tradinno“, eine Wortschöpfung aus Tradition und Innovation.

Der grüne Lindwurm ist so lang wie ein Laster und bringt zwölf Tonnen auf die Waage. Gerade so viel, wie der Marktplatz in Furth tragen kann. Kopf und Kiefer sind aus Alu, der Rest des Skeletts besteht aus Blechen. Mit verschiedenen Steck- und Schweißtechniken wurde alles verbunden.

Wochenlang wurde in den Werkhallen gelasert, gekantet, gebogen, geschweißt

„Im Drachenkörper steckt unser ganzes Wissen zum Stahlbau“, sagt Christian Sander, der Geschäftsführer von Hieber. Drei Dutzend Firmen aus der Region packten an, um das Ungeheuer zum Leben zu erwecken: mit Mechatronik und Hydraulik für den imposanten Schreitgang, Elektronik und Pyrotechnik für die Flammen.

„Da steckt viel Arbeit drin“, so Hieber-Chef Sander, verantwortlich für den Bau des tragenden Skeletts. Der Familienfirma war das Projekt wie auf den Leib geschrieben. Die Mitarbeiter haben den Dreh raus, wenn es um leichte Konstruktionen geht, und wissen, wie man Nähte bombenfest verschweißt. Sander: „Dieses Know-how brauchen wir auch für andere Aufträge.“

Spezialität des Betriebs mit rund 70 Mitarbeitern sind komplexe Kant- und Schweißteile, die das Unternehmen im Auftrag von Kunden fertigt und auch entwirft. Das sind mal Einzelteile und Baugruppen oder gleich ganze Maschinen. Hieber arbeitet für Getränke-Hersteller und die Logistik, stellt Erntemaschinen her, etwa für Zuckerrüben. Dazu kommen Großanlagen wie Pelletöfen oder Schweißwerkzeuge und Prüfstände für die Auto-Industrie.

Der Further Drache war eine besondere Herausforderung. „Wir haben viel daraus gelernt“, so Sander. Wochenlang wurde in den Hieber-Hallen gelasert, gekantet, gebogen und geschweißt. Heraus kam ein Drachenkörper, der stabil und zugleich beweglich ist. Bis zum letzten Lanzenstich kann er jetzt zeigen, was in ihm steckt.


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