„Wir haben es geschafft“

Hessisches Pilotprojekt Aufstiegscoach fördert Langzeitarbeitslose

Frankfurt. Monya M. strahlt. Gekonnt reicht sie das frische Brot über die Ladentheke. Endlich ist sie angekommen – in einer festen Halbtagsstelle im Frankfurter Backhaus des Usinger Unternehmens Der Backbäcker.

Jahrelang arbeitete sie als Aushilfe, bekam nie einen festen Vertrag. Hier zeigt sie, was sie kann. „Sie hängt sich richtig rein, weil sie weiß, dass sie jetzt eine echte Chance hat“, sagt ihre Chefin Fairouz El Mokhtari. „Und wenn alles klappt“, freut sich Monya M., „ist nächstes Jahr sogar eine Vollzeitstelle drin.“

Ihr Weg ist eine von vielen Erfolgsgeschichten des Pilotprojekts Aufstiegscoach zur nachhaltigen Förderung von Langzeitarbeitslosen. Das bundesweit einmalige Experiment wurde 2013 gestartet auf Initiative der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU).

Umgesetzt wird es vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (bwhw). Persönliche „Aufstiegscoachs“ betreuen die Arbeitsuchenden. Von den bisherigen Teilnehmern wurden bisher 41 in Jobs vermittelt, 22 in Beschäftigung stabilisiert, 17 stiegen auf.

Individuelle Betreuung und Qualifizierung

Ob es um Zuwanderer ohne Ausbildung geht, um Berufswechsel nach Erkrankung, orientierungslose Studienabbrecher oder Alleinerziehende: Ihnen allen wird geholfen. „Patentrezepte gibt es zwar nicht“, sagt Coach Emre Berk, „aber individuelle Betreuung. Der schnelle Einstieg in einen vielleicht noch nicht perfekten Job und eine auf den Betrieb zugeschnittene Weiterbildung sind die Erfolgsfaktoren des Programms.“

So bekam ein ehemaliger Gastronomiehelfer über den Weg des Hausmeisters und die Schulung auf die Hotelsoftware eine Stelle als Rezeptionist. Die wechselseitige Flexibilität von Arbeitnehmer und Arbeitgeber verhalfen einer Verwaltungsfachangestellten nach längerer Krankheit über den niedrigeren Einstieg als Büroangestellte zu ihrem Berufsziel im Finanzamt.

Die alleinerziehende Mutter Anahita Panahian konnte ihren Minijob bei einem Zahnarzt über Weiterbildung in eine sozialversicherungspflichtige Teilzeitstelle wandeln, nachdem sie mithilfe des Coachs einen Kita-Platz für ihre Tochter fand.

Niedrig Qualifizierte stocken auf

Elvis Hasankadić gehörte zu den niedrig qualifizierten Aufstockern. Er darf als Aushilfsfahrer bei dem Logistiker SH Transporte in Offenbach dank entsprechender Prüfungen Luftfracht und auch Gefahrgüter übernehmen. Noch fehlt der große Lkw-Führerschein. „Nur wer alles fahren kann, vom Caddy bis zum Sattelzug, bekommt bei uns auch einen festen Job“, erläutert Geschäftsführer Sandin Ahmic. Und den will Hasankadić unbedingt. Er weiß: „Mit meinem Coach kriege ich das auch hin.“


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