Das erste Gespräch

Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland: Tarifrunde für Metall- und Elektro läuft

Darmstadt. „Augen auf und die Realitäten endlich anerkennen!“ Das riet Thomas Brunn, Verhandlungsführer der Tarifgemeinschaft M+E Mitte seinen Gesprächspartnern von der Industriegewerkschaft Metall zum Auftakt der Tarifrunde 2015.

Die Gemeinschaft vertritt die Arbeitgeber der Metall- und Elektro-Industrie in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Bei der ersten Verhandlung für die rund 400.000 Beschäftigten in Darmstadt kam es zu keiner Annäherung. Die Gewerkschaft fordert ein Lohnplus von 5,5 Prozent für die nächsten zwölf Monate, einen neuen Tarifvertrag für Altersteilzeit und tarifliche Regelungen zur Bildungsteilzeit. Das wiesen die Arbeitgeber als „realitätsfern und schwere Belastung für die Betriebe“ zurück.

Die Branche erwartet ein geringes Wachstum. Seit drei Jahren verzeichne man Umsatzrückgänge und geringe Produktivitätszuwächse.

Bereits durch die letzten Tarifabschlüsse, so Brunn, haben die Beschäftigten kräftig profitiert. Die Entgelte stiegen um insgesamt 10 Prozent. Für die Metallbeschäftigten hat dies im Schnitt zu einem Lohnplus von über 5.000 Euro im Jahr geführt.Dank der geringen Inflation hätten die Mitarbeiter so deutlich mehr Geld in der Tasche. Das lasse sich aber nicht beliebig fortsetzen. „Wir haben aktuell keine Krise, dürfen uns aber auch nicht durch eine überzogene Lohnpolitik in eine hineinmanövrieren“, sagte Brunn.

Auch Johannes Heger, geschäftsführender Gesellschafter von HegerGuss in Enkenbach-Alsenborn und Präsident des Arbeitgeberverbands PfalzMetall, kann die Forderung der IG Metall nicht nachvollziehen: „Wir brauchen einen Abschluss mit Augenmaß, der fair für alle ist und unsere Betriebe nicht überfordert.“

Zusätzlich belastend wirkten sich die Forderungen zur Altersteilzeit und zu einer neuen bezuschussten Bildungsteilzeit aus. Auch die Arbeitgeber wollten flexible Ausstiegsmöglichkeit für Mitarbeiter, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten könnten. „Aber Mitarbeiter mit Zuschuss in die Frührente zu schicken, die einfach keine Lust mehr haben, ist in Zeiten steigenden Fachkräftemangels widersinnig“, so Brunn.

Schon jetzt Milliarden-Ausgaben für Bildung

Weiterer Knackpunkt: Bildung und Weiterbildung. Schon jetzt gebe die Branche Milliarden für Maßnahmen aus, die betrieblich sinnvoll sind. „Aber warum sollen Arbeitgeber eine persönliche Weiterbildung bezuschussen, für die es im Betrieb gar keinen Bedarf gibt?“, fragte Brunn.

Auch Cordula Barsnick, Personalleiterin von BorgWarner Turbo Systems in Kirchheimbolanden, reagierte mit Unverständnis: „Investitionen in die Weiterbildung der Mitarbeiter sind ein Erfolgsfaktor, aber eine bezahlte Bildungsteilzeit für die persönliche Weiterbildung Einzelner ist nicht zielführend.“


Zur Person

Verhandlungsführer für die ganze Region

  • Dr. Thomas Brunn ist seit März 2014 der Verhandlungsführer von M+E Mitte.
  • Er ist als Human Ressources Director Alstom Deutschland für rund 8.500 Mitarbeiter verantwortlich.
  • M+E Mitte umfasst rund 1.400 Unternehmen mit 400.000 Beschäftigten.

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