Ausbildung

Herr Kadak spart schon fürs Häusle


„M+E-Einstieg“ unterstützt schwächere Jugendliche

Rietheim-Weilheim. Der junge Mann steht in der Lehrwerkstatt und rüstet seine Lieblingsmaschine. „Das CNC-Fräsen macht mir am meisten Spaß“, sagt der 18-jährige Suayip Kadak, der beim Mechatronik-Spezialisten Marquardt in Rietheim zum Werkzeugmechaniker ausgebildet wird.

Dabei standen seine Chancen zunächst eher schlecht. Ein mittelmäßiger Hauptschulabschluss mit einem Dreier in Mathe. Auf seine Bewerbungen erhielt er nur Absagen.

Das Projekt „M+E-Einstieg“ von Südwestmetall gab dem jungen Tuttlinger mit türkischen Wurzeln die Hilfestellung, die er benötigte. Das im Jahr 2010 gestartete Pilotprojekt begleitet benachteiligte Jugendliche auf dem Weg von der Schule in den Beruf.

So kam Suayip Kadak bei Marquardt unter: „Ich wollte schon immer in dem Bereich arbeiten“, sagt der junge Mann. Ausbildungsleiter Steffen Rudischhauser lernte einen freundlichen und engagierten jungen Mann kennen. „Seine persönliche Einstellung war die richtige“, ist Rudischhauser überzeugt.

Praktikumszeit wird angerechnet

Kadak fing als Praktikant an, wurde jedoch wie ein Auszubildender im ersten Lehrjahr eingegliedert. „Durch das Praktikum habe ich mehr Zeit zu beobachten, wie sich jemand entwickelt“, erklärt Rudischhauser.

Ausdauer und Fleiß machten sich für Kadak bezahlt. Inzwischen ist er Auszubildender im zweiten Lehrjahr, das Praktikum wurde als erstes Ausbildungsjahr anerkannt. Auch das Unternehmen hat profitiert. „Wir brauchen gute, zuverlässige Facharbeiter“, so begründet Rudischhauser das Engagement der Firma Marquardt. „Wir konnten durch den ,M+E-Einstieg‘ eine Lehrstelle besetzen, für die sich kein qualifizierter Bewerber gefunden hatte.“

Die Erfahrung zeige, dass sich auch schwächere Bewerber gut entwickeln können, wenn sie die Chance dazu bekommen. „Ich bin stolz darauf, dass ich das geschafft habe“, sagt Suayip Kadak dazu. Nur wenige seiner Mitschüler haben eine Lehrstelle gefunden, die anderen gehen auf die Werkrealschule oder sind in der Berufsvorbereitung.

Kadak hingegen ist seinem Traum bereits ein kleines Stück näher gerückt:

Er hat schon angefangen, aufs eigene Häuschen zu sparen. Geholfen hat ihm bei seinem Berufsstart Christine Pergande vom Bildungsträger BBQ in Tuttlingen. Sie kam vor zwei Jahren in seine neunte Klasse und fragte, wer an einer Metall-Ausbildung in­teressiert sei. Die Pädagogin und Energieelektronikerin betreut die Teilnehmer über drei Jahre in allen drei Projekt-Modulen: im letzten Schuljahr, beim Praktikum und im folgenden Lehrjahr.

„Eine tolle Chance für die Jungs“

„Wir begleiten die Jugendlichen so lange, bis sie wirklich im Arbeitsleben angekommen sind“, erklärt Pergande.

Im Herbst endet die Betreuung. „Dann muss Herr Kadak auf eigenen Beinen stehen“, sagt die Pädagogin. Ihre Arbeit geht weiter. Elf junge Menschen haben durch „M+E-Einstieg“ allein im Kreis Tuttlingen einen Ausbildungsplatz gefunden. „Es ist für die Jungs eine tolle Chance“, freut sich Pergande.

Übrigens …

Projekt für 273 junge Leute

Das 2010 gestartete Pilotprojekt „M+E-Einstieg“ ist bis 2015 angelegt. Jährlich werden 273 junge Menschen betreut. Von derzeit 48 Praktikanten beginnen 22 eine Ausbildung in einem Südwestmetall-Mitgliedsbetrieb. Finanziert wird das Gesamtprojekt von Südwestmetall, die Ausbildungsbetriebe übernehmen den Lohn.

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